24.07.2007 · Lange Zeit hatte der 1. FC Nürnberg gewartet, um seine offene Stelle im Angriffszentrum zu besetzen. Als jedoch der Grieche Angelos Charisteas auf den Markt kam, ging alles ganz schnell. Nun will er zunächst im Ligapokal gegen Schalke seine alte Stärke beweisen.
Von Elisabeth Schlammerl, MünchenDer 1. FC Nürnberg hatte sich viel Zeit gelassen, die letzte Lücke im Aufgebot zu füllen. Lange haben die Verantwortlichen des deutschen Pokalsiegers nach einem passenden Ersatz für Angreifer Markus Schroth gesucht, den es zurück zum TSV München 1860 gezogen hat. Die Kandidaten erfüllten allesamt nicht die Ansprüche des Trainers Hans Meyer - bis Angelos Charisteas Anfang Juli noch einmal ins Spiel kam. Meyer wollte nicht von seinem System mit drei Spitzen abrücken und wünschte sich deshalb einen klassischen Mittelstürmer. Bei Charisteas, sagt er, habe er von Anfang an ein gutes Gefühl gehabt.
Der Grieche fühlt sich in der Mitte des Strafraums am wohlsten, ist kopfballstark und soll ein gutes Spielverständnis haben. Dass er nicht der Schnellste ist, spielt für den Trainer offenbar keine große Rolle. „Angelos entspricht alldem, was wir uns vorstellen“, sagt Meyer. „Dazu spricht er Deutsch und ist somit schnell zu integrieren.“ In den Vorbereitungsspielen hat Charisteas tatsächlich wenig Anpassungsschwierigkeiten gezeigt, aber der erste richtige Test wird das Ligapokal-Halbfinale an diesem Dienstag gegen den FC Schalke 04 im Nürnberger Stadion werden.
„Als die Türe aufging, waren wir als Erste da“
Für Charisteas ist der „Club“ eine neue Chance, vielleicht die letzte in der Bundesliga. Der Stürmer ist 27 Jahre alt und in seiner Heimat ein Held, weil er Griechenland bei der Europameisterschaft 2004 mit seinem Kopfballtor im Finale gegen Portugal den Titel beschert hat. Aber auf den Durchbruch in Europa wartet er immer noch. Weder bei Werder Bremen noch bei Ajax Amsterdam brachte er es zum Stammspieler, und auch bei seiner vorigen Station Feyenoord Rotterdam war er nicht unumstritten.
Als Trainer Bert van Marwijk dann Roy Makaay vom FC Bayern holte, wusste Charisteas, dass es wieder einmal Zeit ist zu gehen. Kontakt zum 1. FC Nürnberg gab es schon länger. „Als die Türe aufging, waren wir als Erste da“, sagt „Club“-Sportdirektor Martin Mader. Charisteas informierte sich bei seinem früheren Kollegen aus gemeinsamen Ajax-Zeiten, Tomas Galasek, und der neue „Club“-Kapitän riet ihm zu dem Wechsel. Obendrein sieht sich Charisteas in der Bundesliga gut aufgehoben. „Die deutsche Mentalität und der deutsche Fußball passen besser zu mir“, sagt er.
„Jetzt müssen wir einen Schritt nach oben machen“
Der mit 2,5 Millionen Euro Ablöse teuerste Neuzugang des Vereins in dieser Saison könnte auch aus einem anderen Grund gut zum 1. FC Nürnberg passen: Charisteas ist für Meyer „nicht der große Star, aber ein sehr guter Fußballer“ und spielt damit eine ähnliche Rolle wie der „Club“ in der Bundesliga: eine gestandene Mannschaft, die sich Respekt erarbeitet hat, aber ein Stück entfernt ist von den Großen wie Bremen, Schalke oder Stuttgart, vom „neuen“ FC Bayern ganz zu schweigen. Die Erwartungen sind nach der vergangenen Saison mit Platz sechs und dem Pokalsieg zwar gewachsen, aber die Spieler, sagt Meyer, „sind viel realistischer als das euphorisierte Umfeld“. Deshalb wäre es gut, „wenn wir zu keinem Zeitpunkt der Saison etwas mit dem Abstieg zu tun haben“.
Aber natürlich ist Charisteas nicht nach Franken gekommen, um sich mit dem Klassenverbleib als primärem Ziel zu beschäftigen. „Nürnberg hatte eine gute letzte Saison, jetzt müssen wir aber noch einen Schritt nach oben machen.“ Er vergleicht die Situation ein bisschen mit der bei den Bremern vor sieben Jahren. „Die waren damals auch Sechster in der Bundesliga, als ich kam.“ Dass Werder zwei Jahre später deutscher Meister wurde, hat er nicht erwähnt. Vielleicht weiß er ja schon, dass Hans Meyer von solchen Aussagen wenig hält.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |