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1. FC Köln Massenhaft Mangelware

 ·  Kein Geld, kein Erfolg, keine Einheit - der 1. FC Köln hat genügend Probleme. Jetzt steht auch noch Lukas Podolski vor dem Abschied. Die Sorgen im Rheinland sind groß.

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© dpa Vergrößern Podolski steht vor dem Abschied

Der Zustand des 1. FC Köln ist mangelhaft. Es fehlt seit Wochen an Erfolgserlebnissen, so dass der Fußballklub nach fünf Niederlagen aus den sechs bisherigen Rückrundenspielen in Richtung Abstiegszone gerutscht ist. Es fehlt im Bundesligakader an erstklassigen Profis, die jene Stammkräfte ersetzen können, die derzeit wegen Verletzungen ausfallen. Es fehlt in der Mannschaft an Moral, so dass Disziplinlosigkeiten und gegenseitige Schuldzuweisungen Einzug hielten.

Es fehlt zwischen Trainer Ståle Solbakken und Sportdirektor Volker Finke an einem Umgang, der über unterkühlte Professionalität hinausgeht. Es fehlt seit Wolfgang Overaths Rücktritt vor vier Monaten ein Präsident, der ein Machtwort sprechen könnte. Und, was am Schlimmsten empfunden wird rund ums Geißbockheim: In der nächsten Saison wird dem 1.FC Köln wohl auch derjenige fehlen, der seit Jahren das Gesicht des Vereins ist und in der laufenden Spielzeit mit seiner individuellen Klasse die meisten kölschen Schwächen und Scherereien vorübergehend vergessen ließ.

Lukas Podolski wird seinen Lieblingsklub trotz bis 2013 laufenden Vertrags verlassen, das scheint ausgemacht. Wohin es ihn zieht, ob zu Arsenal London, wofür viel spricht, oder sonst wohin: In Köln wird er nicht nur eine unvergleichliche Leerstelle hinterlassen, sondern einen Klub, der um sich selbst kreist, bei dem Selbstrotation als Prinzip dazugehört. Die Folgen hat Solbakken so beschrieben: „Wir haben uns einige Male selbst in die Brust geschossen.“

Schweigen bei Podolski

Noch übt sich Podolski, der in 19 Saisonspielen die Hälfte der 30 Kölner Saisontreffer erzielt hat, in Geheimniskrämerei. Ob wirklich ein Angebot vom Londoner Premier-League-Klub vorliegt, den 95-maligen Nationalspieler für zehn bis zwanzig Millionen Euro zu verpflichten? Schweigen. Doch seinen Abgang aus Köln hat Podolski in den zurückliegenden Monaten mit vielen Einschätzungen und Erklärungen längst vorbereitet (oder durch sein Umfeld vorbereiten lassen), so dass ihm ein Abschied mittlerweile kaum noch jemand verübeln würde.

Der Nationalspieler hat es sich längst zur Gewohnheit gemacht, die Führungsriege seines Lieblingsklubs zu kritisieren. Wobei seine Meinungsäußerungen im Laufe der Monate immer spitzer wurden; bis hin zu jenem Interview vor drei Wochen, in dem er den Verantwortlichen falsche Versprechungen vorwarf. Bei seiner Rückkehr im Sommer 2009 hätten sie ihm ein schlagkräftiges Team in Aussicht gestellt.

Tatsächlich tat sich wenig, so dass der FC seither gegen den Abstieg kämpft. Auch Podolskis letzte Wortmeldung, nach dem 0:2 im Derby gegen Bayer Leverkusen, war ein Seitenhieb an Manager Finke und seine Vorgänger. Es könne nicht immer am Trainer liegen, mischte sich der Sechsundzwanzigjährige in die Diskussionen um Solbakken ein.

Gelassener Trainer

Dass Podolski, der sich drei Jahre lang nicht beim FC Bayern hatte durchsetzen können, mittlerweile so weit gereift ist, bei einem ausländischen Spitzenklub eine gute Rolle zu spielen, bescheinigt ihm sein ganzes Umfeld. Bundestrainer Löw und DFB-Teammanager Bierhoff haben Podolski auch mehr oder weniger verblümt zum nächsten Karriereschritt geraten.

Podolski könne „in jeder Mannschaft der Welt spielen mit seinem linken Fuß und seinen Qualitäten“, wiederholte am Freitag auch Solbakken, der angeblich längst mehr weiß als die Öffentlichkeit. An diesem Sonntag bei 1899 Hoffenheim (17.30 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) „spielen wir mit Podolski, und da bin ich auch froh drüber“, sagte der Norweger, der trotz aller Unruhe gelassen um seinen Job kämpft.

Einen Reibach würde der 1. FC Köln nicht machen, wenn Podolski vor der Zeit ginge. Falls der Verein in der ersten Liga bliebe und mehr als die beim Abstieg festgeschriebene zehn Millionen Ablöse kassieren würde, müssten er dreifach teilen: mit den beiden Investoren, die Podolskis Rückkehr vor zweieinhalb Jahren ermöglichten, sowie mit dem FC Bayern. Ein Neuaufbau angesichts der so reduzierten Summe und der knapp 30 Millionen Euro Verbindlichkeiten erscheint wie eine Herkulesaufgabe. Auch an Perspektive fehlt es dem 1. FC Köln also.

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