Home
http://www.faz.net/-gtm-6y5ez
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

1. FC Köln Massenhaft Mangelware

Kein Geld, kein Erfolg, keine Einheit - der 1. FC Köln hat genügend Probleme. Jetzt steht auch noch Lukas Podolski vor dem Abschied. Die Sorgen im Rheinland sind groß.

© dpa Podolski steht vor dem Abschied

Der Zustand des 1. FC Köln ist mangelhaft. Es fehlt seit Wochen an Erfolgserlebnissen, so dass der Fußballklub nach fünf Niederlagen aus den sechs bisherigen Rückrundenspielen in Richtung Abstiegszone gerutscht ist. Es fehlt im Bundesligakader an erstklassigen Profis, die jene Stammkräfte ersetzen können, die derzeit wegen Verletzungen ausfallen. Es fehlt in der Mannschaft an Moral, so dass Disziplinlosigkeiten und gegenseitige Schuldzuweisungen Einzug hielten.

Thomas Klemm Folgen:

Es fehlt zwischen Trainer Ståle Solbakken und Sportdirektor Volker Finke an einem Umgang, der über unterkühlte Professionalität hinausgeht. Es fehlt seit Wolfgang Overaths Rücktritt vor vier Monaten ein Präsident, der ein Machtwort sprechen könnte. Und, was am Schlimmsten empfunden wird rund ums Geißbockheim: In der nächsten Saison wird dem 1.FC Köln wohl auch derjenige fehlen, der seit Jahren das Gesicht des Vereins ist und in der laufenden Spielzeit mit seiner individuellen Klasse die meisten kölschen Schwächen und Scherereien vorübergehend vergessen ließ.

Lukas Podolski wird seinen Lieblingsklub trotz bis 2013 laufenden Vertrags verlassen, das scheint ausgemacht. Wohin es ihn zieht, ob zu Arsenal London, wofür viel spricht, oder sonst wohin: In Köln wird er nicht nur eine unvergleichliche Leerstelle hinterlassen, sondern einen Klub, der um sich selbst kreist, bei dem Selbstrotation als Prinzip dazugehört. Die Folgen hat Solbakken so beschrieben: „Wir haben uns einige Male selbst in die Brust geschossen.“

Schweigen bei Podolski

Noch übt sich Podolski, der in 19 Saisonspielen die Hälfte der 30 Kölner Saisontreffer erzielt hat, in Geheimniskrämerei. Ob wirklich ein Angebot vom Londoner Premier-League-Klub vorliegt, den 95-maligen Nationalspieler für zehn bis zwanzig Millionen Euro zu verpflichten? Schweigen. Doch seinen Abgang aus Köln hat Podolski in den zurückliegenden Monaten mit vielen Einschätzungen und Erklärungen längst vorbereitet (oder durch sein Umfeld vorbereiten lassen), so dass ihm ein Abschied mittlerweile kaum noch jemand verübeln würde.

Mehr zum Thema

Der Nationalspieler hat es sich längst zur Gewohnheit gemacht, die Führungsriege seines Lieblingsklubs zu kritisieren. Wobei seine Meinungsäußerungen im Laufe der Monate immer spitzer wurden; bis hin zu jenem Interview vor drei Wochen, in dem er den Verantwortlichen falsche Versprechungen vorwarf. Bei seiner Rückkehr im Sommer 2009 hätten sie ihm ein schlagkräftiges Team in Aussicht gestellt.

Tatsächlich tat sich wenig, so dass der FC seither gegen den Abstieg kämpft. Auch Podolskis letzte Wortmeldung, nach dem 0:2 im Derby gegen Bayer Leverkusen, war ein Seitenhieb an Manager Finke und seine Vorgänger. Es könne nicht immer am Trainer liegen, mischte sich der Sechsundzwanzigjährige in die Diskussionen um Solbakken ein.

Gelassener Trainer

Dass Podolski, der sich drei Jahre lang nicht beim FC Bayern hatte durchsetzen können, mittlerweile so weit gereift ist, bei einem ausländischen Spitzenklub eine gute Rolle zu spielen, bescheinigt ihm sein ganzes Umfeld. Bundestrainer Löw und DFB-Teammanager Bierhoff haben Podolski auch mehr oder weniger verblümt zum nächsten Karriereschritt geraten.

Podolski könne „in jeder Mannschaft der Welt spielen mit seinem linken Fuß und seinen Qualitäten“, wiederholte am Freitag auch Solbakken, der angeblich längst mehr weiß als die Öffentlichkeit. An diesem Sonntag bei 1899 Hoffenheim (17.30 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) „spielen wir mit Podolski, und da bin ich auch froh drüber“, sagte der Norweger, der trotz aller Unruhe gelassen um seinen Job kämpft.

1. FC Köln - Bayer Leverkusen © dpa Vergrößern Trainer Stale Solbakken kämpft gelassen um seinen Job

Einen Reibach würde der 1. FC Köln nicht machen, wenn Podolski vor der Zeit ginge. Falls der Verein in der ersten Liga bliebe und mehr als die beim Abstieg festgeschriebene zehn Millionen Ablöse kassieren würde, müssten er dreifach teilen: mit den beiden Investoren, die Podolskis Rückkehr vor zweieinhalb Jahren ermöglichten, sowie mit dem FC Bayern. Ein Neuaufbau angesichts der so reduzierten Summe und der knapp 30 Millionen Euro Verbindlichkeiten erscheint wie eine Herkulesaufgabe. Auch an Perspektive fehlt es dem 1. FC Köln also.

Quelle: F.A.S.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Großkreutz bei Galatasaray Spieler ohne Spielberechtigung

Kevin Großkreutz wechselt von Dortmund zu Galatasaray Istanbul. Doch die Fifa hat dem Weltmeister von 2014 eine Zwangspause auferlegt. Sein neuer Verein hat nämlich einen Fehler gemacht. Mehr

02.09.2015, 20:54 Uhr | Sport
Nach Absturz in Frankreich Was bringt die Zukunft für die Lufthansa?

Die Katastrophe bei der Lufthansa-Tochter Germanwings ist eine menschliche Tragödie und hat Auswirkungen auf die Sicherheitsvorkehrungen. Ein Konzernumbau und eine Umstrukturierung ihres Billig-Angebots waren bei der Lufthansa längst geplant. Der ehemalige Lufthansa-Mitarbeiter und Luftfahrtexperten Gerald Wissel erklärt: Wird der tragische Absturz das bei der Belegschaft umstrittene Umstrukturierungsprogramm verzögern? Wohin steuert das Unternehmen nach der Katastrophe? Mehr

01.04.2015, 15:08 Uhr | Gesellschaft
Galatasaray Istanbul Gellendes Pfeifkonzert für Podolski und Co.

Bei Galatasaray Istanbul darf Lukas Podolski wieder über 90 Minuten spielen. Doch das erste Heimspiel endet mit einer Pleite gegen einen Aufsteiger. Dazu wird der Nationalspieler von der Realität des türkischen Fußballs eingeholt. Mehr

25.08.2015, 12:17 Uhr | Sport
Interview Klonpionier Mitalipov über seine Therapiepläne

In der Petrischale und in Tierversuchen gelingt es längst. Defekte Mitochondrien werden in Keimzellen und Embryonen kuriert. Jetzt laufen die Anträge für klinische Tests mit Patienten. Es geht darum, Gendefekte durch Zellkerntransfer zu beseitigen, was im Ergebnis Embryonen mit drei genetischen Eltern ergäbe. Die Keimbahnversuche sind vielerorts ein Tabubruch, oft verboten wie in Deutschland. Doch der Schöpfer des sogenannten therapeutischen Klonens will sich von Gesetzeshürden nicht abschrecken lassen. Das grüne Licht aus London vor wenigen Wochen ist für ihn erst der Anfang. Mehr

30.04.2015, 00:44 Uhr | Wissen
Fußball-Nationalmannschaft Özil fehlt wohl gegen Polen

Vor den Spielen gegen Polen und in Schottland steht das DFB-Team in der EM-Qualifikation unter Druck. Doch die Vorbereitung läuft nicht nach Plan. Nicht nur Mesut Özil fehlt beim Training. Mehr

01.09.2015, 16:47 Uhr | Sport

Veröffentlicht: 04.03.2012, 15:38 Uhr