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1. FC Kaiserslautern Der Klub der Unersättlichen

30.11.2009 ·  Die Stadt ist hoch verschuldet. Dennoch fordert der Verein Mietminderung für das Stadion. Der Widerstand in Kaiserslautern wächst, doch der FCK braucht Hilfe. Sportlich kann er dem Ziel Aufstieg im Spitzenspiel gegen Bielefeld näherkommen.

Von Michael Ashelm, Kaiserslautern
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Je dunkler und kälter die Tage zurzeit werden, desto heißblütiger lebt die Pfälzer Fußballbegeisterung auf. Stefan Kuntz spricht von „gefühlter Bundesliga“ und meint die Atmosphäre rund um den 1. FC Kaiserslautern. „Als ich hier anfing, herrschte in der Stadt noch das Gefühl: die da oben. Inzwischen stehen die Fans wieder viel mehr hinter uns.“ Seit der frühere Stürmer und Europameister von 1996 vor anderthalb Jahren als neuer Vorstandschef zu seinem alten Klub zurückkehrte, glauben wieder mehr Menschen an den FCK. Zwar spielt die Mannschaft seit Jahren nicht mehr auf den wichtigen Fußballplätzen der Republik, aber als Tabellenführer der zweiten Liga gibt es Hoffnung auf eine Rückkehr ins große Geschäft. An diesem Montag um 20.15 Uhr (FAZ.NET-2. Bundesliga-Liveticker) empfangen die Lauterer im Spitzenspiel Arminia Bielefeld - und das Fritz-Walter-Stadion wird beben.

Für viele „Rote Teufel“ ist die gewaltige Arena heute wieder das Symbol für die Fußballmacht vom Betzenberg. Mit den sportlichen Erfolgen dieser Saison sind die Fans zurückgekommen. Aber auch steht das Monument hoch über der Stadt für Größenwahn und Verschwendungssucht. Bei keinem anderen Fußballklub in Deutschland ist so viel Geld des Steuerzahlers verbrannt worden. Mehr als 100 Millionen Euro wurden in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten in den Verein und vor allem das Stadion gepumpt - und so ist in der pfälzischen Fußballprovinz eine Diskussion entbrannt, ob es sich gehört, dem allseits wieder beliebten FCK zur Realisierung seiner sportlichen Ziele nun weiteres Steuergeld zukommen zu lassen.

Es geht um eine Mietminderung für das Stadion von zwei Millionen Euro pro Saison, die der Verein erreichen will. „Nur mit breiter Unterstützung werden wir den FCK wieder wettbewerbsfähig machen. Und dazu gehört vor allem ein Entgegenkommen bei den Stadionkosten. Sonst kommen wir aus der zweiten Liga nicht heraus. Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen entwickeln wir uns tendenziell nach hinten“, behauptet Kuntz. Seit der FCK nicht mehr in Besitz der Arena ist, werden Jahr für Jahr 3,2 Millionen Euro für die Nutzung fällig. Doch schon in den vergangenen zwei Spielzeiten und für die laufende Saison in der weniger lukrativen zweiten Liga erhielt der Klub (vom Stadtrat beschlossen) einen Nachlass von zweimal 1,4 beziehungsweise jetzt 1,3 Millionen Euro. Die Höhe der Minderung sollte eigentlich per annum abnehmen statt zunehmen. „Ich halte den neuen Vorstoß für unglaublich unseriös“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Bernd Rosenberger.

Stadion statt Schulen

Zur Rettung des Vereins hatte die Stadt im Jahr 2003 das Stadion und die Schulden übernommen. Weil die nun zuständige städtische Stadiongesellschaft auf die Mietzahlungen des FCK in Höhe von 3,2 Millionen Euro angewiesen ist, um ihrerseits den Kredit für die Arena in Höhe von 65 Millionen Euro abtragen zu können, muss die Kommune den Fußballrabatt jedesmal ausgleichen. Zudem haftet sie als Bürge für das gesamte Kreditpaket. Das Problem: Die Stadt Kaiserslautern ist hoch verschuldet und muss sich ihren Haushalt schon von der zuständigen Aufsichtsbehörde des Landes genehmigen lassen.

Statt marode Schulen und Kindergärten zu renovieren, könnten nun wieder weitere Millionen in den Profibetrieb des FCK umgeleitet werden. Das wollen nicht alle einsehen. „Das ist nicht zu vermitteln“, sagt der Mathematikprofessor Rosenberger und glaubt alle Parteien in der Stadt hinter sich. Viele haben noch Missmanagement und strafbare Geschäftspraktiken früherer Vereinsfunktionäre in schlechter Erinnerung. Doch der FCK ist mehr als ein Fußballverein, er hat viele Sympathisanten quer durch alle Bevölkerungsgruppen, in der ganzen Region. Oberbürgermeister Klaus Weichel von der SPD hält sich in der heiklen Angelegenheit zurück. Nur Kuntz, der mit den Altlasten jonglieren muss, sagt forsch: „Wir sitzen doch alle in einem Boot.“

Der Vorstandschef und Sportdirektor des FCK sieht das finanzielle Zugeständnis an den Verein als Wirtschaftsförderung einer werthaltigen Marke. „Wenn wir in die Bundesliga aufsteigen sollten, würde die Konsolidierung viel schneller voranschreiten. Das kann ich versprechen.“ Er führt an, dass unter seiner Führung der Umsatz des Vereins um 22 Prozent gestiegen ist und ein Gewinn unter dem Strich stehen würde, wenn nicht Rückstellungen für alte Steuernachforderungen des Finanzamtes, resultierend aus der Zeit seiner Vorgänger, gebildet werden müssten.

Öffnet Landesvater Beck wieder die Schatulle?

Kuntz' zupackende Art kommt bei vielen an. Spätestens im übernächsten Jahr will er in die erste Liga. Doch einige sind angesichts seines Vorpreschens auch skeptisch. Sie befürchten, das frische Geld aus dem Staatssäckel lande in der nächsten Transferperiode doch wieder in den Taschen irgendwelcher Spielervermittler. Andere Kritiker zweifeln an seinem idealistischen Auftreten für den Klub, hätte es doch schon Gerüchte über sein für Zweitligaverhältnisse viel zu hohes Gehalt und zwischenzeitliche Verhandlungen mit großen Klubs aus der Bundesliga über seinen Wechsel gegeben. Für Kuntz sind das Bösartigkeiten. Er sieht den FCK als persönliche Mission und sich als Lobbyarbeiter mit reinem Gewissen.

Wie diese Zeitung erfuhr, soll es demnächst Gespräche zwischen der Stadt und dem Land geben - für eine gemeinsame „Förderung“ des FCK. Alles andere wäre auch überraschend, denn Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ließ für seinen Lieblingsklub stets besondere Fürsorge walten - die Millionen flossen. Mal sehen, wie der spendierfreudige Landesvater auf den Antrag eines Bürgers vor dem Petitionsausschuss des Landes reagieren wird - der Hausbesitzer, treue Steuerzahler und frühere Lauterer Dauerkartenbesitzer würde gerne in Zeiten der Finanzkrise eine Hilfe von 20 000 Euro aus der Kaiserslauterer Stadtkasse erhalten. Begründung: Andere ortsansässige Steuerzahler wie der FCK würden sich auch an sehr üppigen monetären Zuwendungen erfreuen. Es darf geraten werden, wer am Ende in jedem Fall leer ausgeht.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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