Die Trikotbrust des 1. FC Kaiserslautern zierte diesmal keine Sponsorenwerbung, sondern ein Vereinsmotto für schwere Tage: „Gemeinsam für unseren FCK“, hieß es da. Knapp 50.000 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion, sofern Anhänger der Pfälzer, versuchten am Sonntagnachmittag dazu alles, dem Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga ein lautstarker Rückhalt zu sein. Doch am Ende war der gute Vorsatz nur eine Parole, war alle pfälzische Leidenschaft verweht und tiefer Enttäuschung gewichen.
Schalke 04 setzte sich nach einem 0:1-Rückstand durch Rodneis frühen Treffer (3. Minute) letztlich eindrucksvoll durch und siegte 4:1 durch die Tore von Holtby (39.), Huntelaar (45.), Raúl (51.) und Farfan (81.). Während der Europa-League-Viertelfinalist als Tabellenvierter auf Kurs Richtung Champions League bleibt, verdüsterte sich nach den Ergebnissen des Wochenendes die Lage für Kaiserslautern, das mit gerade mal 20 Punkten und 17 Toren nun schon fünf Punkte vom Relegationsrang 16 entfernt ist. 16 Spiele in Serie ohne vollen Erfolg (zuletzt ein 2:1 „auf“ Schalke) haben tiefe Spuren hinterlassen, und so muss Trainer Marco Kurz spätestens seit der Niederlage gegen die „Königsblauen“ um seinen erstklassigen Arbeitsplatz fürchten.
Dabei hatte alles so verheißungsvoll für die „Roten Teufel“ angefangen. Freistoß Tiffert, Kopfball Rodnei, und die Lauterer lagen seit langem mal wieder in Führung (3.). Pech für sie, dass sich der Bundesliga-Vierte davon allerdings völlig unbeeindruckt zeigte und drei Tage nach dem 4:1-Triumph über den FC Twente im Europa-League-Achtelfinalrückspiel sein Spiel immer deutlicher durchsetzte.
Kapitän Raúl leitete die meisten Offensivaktionen mit seinen Pässen ein, Holtby war neben ihm ein energiegeladener Antreiber, und Huntelaar kam seinem zwanzigsten Liga-Saisontreffer schon bei einem Kopfball, der sein Ziel nur um Zentimeter verfehlte (23.), sehr nahe. Der 1. FC Kaiserslautern dagegen verteidigte sein Guthaben von Minute zu Minute ängstlicher, und so kam, was kommen musste: Schalke glich durch Holtbys krachenden Linksschuss ins Tordreieck aus (39.) und drehte dank des unwiderstehlichen Huntelaar, der Torhüter Sippel bei seinem Flachschuss verlud, das Spiel vollends (45.). Die 2:1-Pausenführung des westfälischen Spitzenklubs spiegelte den Spielverlauf vollkommen angemessen.
Und die Demonstration, die diesmal vor allem eine große Raúl-Gala war, ging weiter. Der 35 Jahre alte Spanier, der auf die Schalker Offerte, mit ihm um ein Jahr bis 2013 zu verlängern, noch nicht geantwortet hat, zeigte seine immer wieder mal aufblitzende Weltklasse bei seinem Tor zum 3:1 (51.). Mit links schoss er den Ball aus sechzehn Metern in den linken oberen Torwinkel und beseitigte damit die letzten Restzweifel am Gewinner dieses einseitigen Sonntagsspiels. Es war der zwölfte Saisontreffer des Madrilenen, dem Farfan sogar noch das 4:1 (81.) folgen ließ. Die 4000 Schalker Fans aber feierten vor allem Raúl – eine Ovation, die auch als eindeutiger Wunsch zu verstehen war, das Schalker Angebot doch bitte, bitte anzunehmen.
1. FC Kaiserslautern: Sippel - Dick, Abel, Rodnei, Jessen - Sahan (46. Fortounis), Borysiuk, de Wit (62. Wooten), Tiffert - Shechter, Wagner (62. Swierczok)
FC Schalke 04: Hildebrand - Uchida, Papadopoulos, Matip, Fuchs - Jones, Holtby - Farfán, Raúl (77. Moritz), Draxler (82. Pukki) - Huntelaar (84. Obasi)
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 49 780 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Rodnei (3.), 1:1 Holtby (39.), 1:2 Huntelaar (45.), 1:3 Raúl (51.), 1:4 Farfán (81.)
Gelbe Karten: - / -