http://www.faz.net/-gtm-78vi0

1:4 gegen den HSV : Hoffenheim chancenlos - aber nicht abgestiegen

Luft raus? Eine kleine Chance bleibt Sven Schipplock und der TSG Hoffenheim noch Bild: REUTERS

Gisdol setzt auf die Jugend und verpokert sich: Nun braucht Hoffenheim ein Wunder, um die Klasse zu halten. Der Hamburger SV darf immer noch von Europa träumen.

          Eine Chance, ein Fußballwunder zu schaffen, bleibt der TSG 1899 Hoffenheim noch. Doch wer glaubt schon daran nach der 1:4-Heimniederlage des Tabellenvorletzten gegen den Hamburger SV nach Toren von Son (18. Minute), Aogo (35.), Jiracek (60.) und Rudnevs (88.) bei einem Gegentreffer durch Volland (61.)?

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Am vorletzten Spieltag hätten sich die Nordbadener angesichts der Niederlagen des FC Augsburg und der Düsseldorfer Fortuna auf den 15. Rang katapultieren können und müssen nun bei zwei Punkten Rückstand auf die Konkurrenten am nächsten Samstag beim Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund auf eine Sternstunde hoffen. Realistischerweise aber droht dem 2008 in die erste Liga aufgestiegenen Dorfklub der Abstieg in die Zweitklassigkeit.

          Gisdol verpokert sich

          Der HSV besitzt nach dem Erfolg vom Samstag noch eine kleine Chance, sich für die nächste Europa-League-Saison zu qualifizieren. Bis zum Samstag hat Markus Gisdol, der vierte Hoffenheimer Trainer in dieser Saison, fast alles richtig gemacht. Sieben Punkte aus fünf Spielen konnten sich sehen lassen wie auch der endlich wieder mutige, frische Fußball, den die Kraichgauer dabei spielten. Gegen den HSV aber verpokerte sich der 43 Jahre alte Schwabe in seiner Vorliebe für die Jugend.

          Was nützte es schließlich, in Niklas Süle, gerade mal 17 Jahre alt, den bisher jüngsten Hoffenheimer Spieler in der fünfjährigen Bundesliga-Geschichte einzusetzen, wenn der völlig überfordert wirkt?

          Was brachte es, den ballsicheren Fabian Johnson draußen zu lassen und dafür den hypernervösen U-21-Nationalspieler Stefan Thesker links in die Abwehrkette einzubauen? Wo lag der Vorteil, den vom Willen her starken, am Ball aber oft ziemlich schwachen Sven Schipplock von Anfang an stürmen zu lassen und in Igor de Camargo nur einen Angreifer auf der Bank in petto zu haben? Diese drei jungen Profis kamen zumindest mit dem Druck nicht klar, dem der Tabellen-Siebzehnte am Samstag ausgesetzt war, als es galt, die womöglich letzte Chance zu nutzen, dem Abstieg aus der Erstklassigkeit vielleicht doch zu entgehen.

          Auf der anderen Seite schienen die Hamburger, denen vorher kaum noch jemand eine Chance im Kampf um die Europa-League-Plätze gegeben hatte, hoch erfreut darüber, welche Räume der Gegner den Norddeutschen bot.

          Kapitän Rafael van der Vaart bewies in seinem hundertsten Erstligaspiel für den HSV seine Regisseurqualität, das von Borussia Dortmund umschwärmte koreanische Juwel Heung Min Son spielte in der Spitze sein Tempo, seine Technik und seine Torgefahr aus und erzielte mit einem Kopfball nach Diekmeiers Flanke das 1:0 (18.), bei dem der belgische Torwart Koen Casteels auch noch zu allem Unglück wegrutschte. Danach hätte der von Son freigespielte Tscheche Petr Jiracek schon das 2:0 mit seinem Schlenzer, der das Ziel haarscharf verfehlte, erzielen müssen (28.).

          Das holte dann Dennis Aogo nach, wie Son auf der Verkaufsliste des finanziell klammen Hamburger SV. Der frühere Nationalspieler vollendete eine Musterkombination über van der Vaart und Son zum zweiten Tor der deutlich besseren Mannschaft (35.). Statt noch eine Woche hoffen zu dürfen, machte sich Hoffnungslosigkeit in der mit 30.150 Zuschauern ausverkauften Rhein-Neckar-Arena breit. Sie wurde nach dem Wechsel noch einmal von neuem Optimismus abgelöst, weil die Badener nun endlich druckvoll auf die Wende drängten und die Ergebnisse in Düsseldorf und München Mut machten.

          Doch nach Vollands und Schipplocks vergebenen Tormöglichkeiten schlug wieder der HSV zu. Diesmal öffnete Jansen dem Kollegen Jiracek den Raum zum Torschuss (60.). Immerhin konnte Volland umgehend zum 1:3 kontern (61.), und auch danach schienen weitere Treffer für die TSG möglich. Scjienen. Das Tor zum 1:4 schoss Rudnevs für den HSV (88.), der die fehlende Abwehrbereitschaft der Hoffenheimer noch einmal ausnutzte. Es war ein verlorener Nachmittag für die Kraichgauer, nach dem die letzten Hoffnungen auf den Klassenverbleib auf ein Minimum gesunken sind.

          1899 Hoffenheim - Hamburger SV 1:4 (0:2)

          1899 Hoffenheim: Casteels - Beck, Abraham, Süle (81. Ludwig), Thesker - Weis (46. Johnson), Rudy (81. de Camargo) - Volland, Roberto Firmino, Salihovic - Schipplock
          Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Jansen - Rincón, Badelj - Jiracek (90. Beister), van der Vaart, Aogo (65. Skjelbred) - Son (77. Rudnevs)
          Schiedsrichter: Dingert (Lebecksmühle)
          Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Son (18.), 0:2 Aogo (35.), 0:3 Jiracek (60.), 1:3 Volland (61.), 1:4 Rudnevs (88.)
          Gelbe Karten: - / Diekmeier (7)

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Nur kein Selbstmitleid

          Mainz 05 : Nur kein Selbstmitleid

          Böse und sauer wollen sie sein: Mainz 05 will aus der unglücklichen Niederlage gegen Hoffenheim Energie gewinnen fürs nächste Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstag.

          Topmeldungen

          Der Wahlsonntag im Liveblog : Martin Schulz hat gewählt

          Spitzenpolitiker geben ihre Stimme ab +++ Wähler so alt wie nie zuvor +++ Rund 61,5 Millionen Deutsche dürfen wählen +++ Union zuletzt deutlich vor SPD ++++ Verfolgen Sie alles Wichtige zum Wahltag im FAZ.NET-Liveblog.

          Tag der Bundestagswahl : Bauch siegt über Kopf

          Für die Parteipräferenzen ist das Gefühl offenbar wichtiger als die Vernunft. Deshalb präsentierten sich die Kandidaten im Wahlkampf emotionaler. Ist das gut oder schlecht für die Demokratie?

          Ähnlichkeiten der Parteien : Erst der Computer löst das Suchbild

          Sind die Parteien einander wirklich so ähnlich, wie es oft wirkt? Tatsächlich gibt es wesentliche Unterschiede – aber um die zu entdecken, braucht man schon ausgefuchste mathematische Verfahren und Big Data.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.