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1:2 in Ausgburg Hoffenheim verkennt den Ernst der Lage

Der FC Augsburg steht auf dem Relegationsplatz: Die bayerischen Schwaben siegen 2:1 gegen Hoffenheim und lassen die Kraichgauer in der Tabelle hinter sich. Bei der TSG scheinen die Spieler den Ernst der Lage nicht zu begreifen.

© dpa Vergrößern Kung-Fu-Artist: Augsburgs Dong-Wong Ji trifft volley zum 1:0

Der FC Augsburg hat an diesem Samstagnachmittag vor 28.000 Zuschauern in der  eigenen Arena den Lichtschalter im Keller der Bundesliga gefunden und dank eines couragiert erkämpften und erspielten 2:1-Erfolges über die TSG 1899 Hoffenheim fürs erste den Relegationsplatz 16 erklommen. Die von ihrem Mäzen Dietmar Hopp großzügig versorgte Mannschaft aus dem Kraichgau stand an diesem 23. Spieltag im Dunklen – tief gelandet auf dem Abstiegsplatz 17, zwei Punkte hinter dem FCA, für den der Koreaner Ji Dong-won sein erstes Tor (45. Minute) und Torjäger Sascha Mölders seinen neunten Treffer (78.) erzielte.

So zaghaft und mutlos wie die Badener, für die de Camargo (90.+2) zu spät traf, diese Konfrontation annahmen, nährten sie größte Befürchtungen, dass  das Projekt Hoffenheim demnächst ein Fall für die zweite Liga werden könnte. Wo der Druck steigt und die Beine zu schlottern drohen, wird der Ton martialisch. So auch im beschaulichen Hoffenheim, wo das Wort Abstiegskampf von den Fußballprofis bisher noch nicht recht verstanden wurde. Also hatte der Alt-Schalker „Eurofighter“ und Neu-Hoffenheimer Manager Andreas Müller die Hoffenheimer Spieler mit kriegerischer Rhetorik auf dieses Duell um den Relegationsplatz eingestimmt.

„Mann für Mann durchsetzen“

Müller, wie Trainer Marco Kurz am vorigen Sonntag entsetzt über die leblose Darbietung der Mannschaft bei der 0:1-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart, sprach vor der Reise zum Tabellenvorletzten von einer  bevorstehenden „Schlacht“, in der man sich „Mann für Mann durchsetzen“ und schon beim Warmlaufen Schienbeinschoner tragen müsse. Dagegen herrschte im bayerischen Schwaben keinerlei öffentliche Aufregung. Trainer Markus Weinzierl hob hervor, dass die Saison auch nach diesem „sehr wichtigen Spiel noch nicht vorbei“ sei. Der FCA, der in der vergangenen Spielzeit aus höchster Not herausfand, kenne sich ja aus im Abstiegskampf. „Wir wissen, worauf es ankommt“, hob er hervor und wies, dies als kleine Spitze gen Nordbaden, darauf hin, dass in Hoffenheim „die Angst umgeht“. Davon war anfangs noch nichts zu spüren.

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Wehrhaft eingestellt von Kurz, blockten die Hoffenheimer mit ihren zwei  Viererketten fast alle Attacken der Augsburger ab. Nur wenn Ostrzolek und Werner über links angriffen, wurde es für die TSG 1899 eine Spur bedrohlich. Die meiste Energie ging aber zunächst von Schiedsrichter Florian Mayer aus, der zwei frühe Zeichen setzte, um die von Müller prognostizierte „Schlacht“ zu verhindern: Gelb für den Augsburger Hahn  in der ersten, Gelb für den Hoffenheimer Volland in der dritten Minute. Farbsignale, die beide Mannschaften so beeindruckten, dass sie sich lange nicht trauten, auch mal ins Risiko zu gehen.

Die Augsburger befreiten sich als erste von allen inneren Zwängen und drängten kurz vor der Pause auf den ersten Treffer. Nachdem Torjäger Mölders in bester Kreisligamanier zweimal über den Ball gehauen hatte, demonstrierte der im Winter aus der Premier League, vom AFC Sunderland, gekommene Ji Dong-won, warum die Koreaner manchmal kämpferische Artisten sind. In der 45. Minute bugsierte Ji eine Flanke von Ostrzolek quer in der Luft liegend volley und künstlerisch wertvoll unter die Latte ins Netz: Kung-Fu am Ball. Es war die verdiente Führung für das aktivere Team. Hoffenheim dagegen, das schon zweimal gewechselt hatte – Vestergard für den an der Wade lädierten Delpierre, Schröck für den überforderten Firmino – war nun endlich gefordert, selbst initiativ zu werden. Da kam aber bis auf die turbulente Nachspielzeit nichts mehr.

Leuchtzeichen durch den Torschützen vom Dienst

Augsburg bestimmte, was hier gespielt wurde und setzte nach sechs vergebenen Chancen ein weiteres Leuchtzeichen durch Sascha Mölders. Der von den Fans gefeierte Torschütze vom Dienst nahm in der 78. Minute Maß und führte mit einem sehenswerten Diagonalschuss vom linken Strafraumeck ins rechte Toreck die Entscheidung zum zweiten Heimsieg in dieser Saison herbei. Daran änderte auch de Camargos Anschlusstreffer in der Nachspielzeit nichts mehr. Der FCA ist für den Abstiegskampf gerüstet, die TSG weiß anscheinend noch immer nicht, worum es dabei geht. Schöne Aussichten für den FC Bayern München, der am kommenden Sonntag in Sinsheim zu Gast ist.

Bild Augsburg 1 © dpa Vergrößern Mann gegen Mann: Doch nur der FCA zeigt Attribute eines Teams, das sich gegen den Abstieg stemmt

FC Augsburg - 1899 Hoffenheim 2:1 (1:0)

FC Augsburg: Amsif - Vogt, Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek - Baier - Hahn, Koo, Ji (73. Ottl), Werner (81. de Jong) - Mölders (90. Oehrl)
1899 Hoffenheim: Heurelho Gomes - Beck, Abraham, Delpierre (22. Vestergaard), Johnson - Roberto Firmino (46. Schröck), Polanski, Weis (68. de Camargo), Joselu - Derdiyok, Volland
Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
Zuschauer: 28.211
Tore: 1:0 Ji (45.), 2:0 Mölders (79.), 2:1 de Camargo (90.+2)
Gelbe Karten: Hahn (1) / Beck (5), Polanski (5), Schröck (2), Vestergaard (2), Volland (3)

Quelle: F.A.S.

 
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