13.03.2010 · Der Abstieg von Hertha BSC ist wohl kaum noch zu vermeiden. Die Berliner verloren in der Nachspielzeit das Abstiegsduell im Olympiastadion gegen den 1. FC Nürnberg. Danach stürmten mit Stangen bewaffnete Hertha-Anhänger den Platz.
Von Michael Horeni, BerlinDie Spieler des 1. FC Nürnberg standen nach dem 2:1-Sieg gegen Hertha BSC Berlin in der Kurve bei ihren Fans, wo sie die Jubelfeier, die wenige Minuten zuvor auf dem Spielfeld begonnen hatte, in aller Ausgiebigkeit fortsetzen wollten. Doch von der anderen Seite des Olympiastadions, wo vor einem Jahr die Hertha-Fans noch selbstgebastelte Meisterschalen in den Himmel reckten und vom Titelgewinn sangen, stürmte eine Gruppe randalierender und vermummter Anhänger den Innenraum.
Der Sicherheitsdienst ließ sie gewähren und zog sich zurück. Die Kräfte wirkten „deeskalierend“, wie es später hieß, und die Nürnberger Profis flohen daher ebenso wie die Fotografen vor den Fahnenstangen schwingenden jungen Männern, so schnell es ging, in die Katakomben. „Wenn du da stehen bleibst, schlagen sie dir die Rübe ein“, sagte der Nürnberger Verteidiger Wolf. Das große Abstiegsduell des 26. Spieltags hatte ein Ende mit Schrecken gefunden, dessen Schadensbilanz sich noch genauso wenig benennen lässt wie die Konsequenzen.
„Man muss die Leute dingfest machen. Sonst bekommt man das nicht in den Griff“, forderte der Nürnberger Trainer Dieter Hecking nach einem bedrohlichen Finale, das nach der ersten Lageeinschätzung von Hertha-Sprecher Gerd Graus aber keine Verletzten hinterließ. Die Randalierer ließen ihre Aggressionen zumindest im Innenraum an Gegenständen aus, etwa an der Berliner Trainerbank. Als nach einigen Minuten dann auch die Polizei im Innenraum auftauchte, flüchteten die Hertha-Anhänger wieder zurück in ihre Kurve. Vor dem Stadion kam es dann jedoch zu Schlägereien zwischen Berliner und Nürnberger Fans.
Funkel: „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“
Im Stadion hatten die Hertha-Anhänger zuvor fassungslos und enttäuscht erlebt, wie sich ihre Mannschaft nach einer teilweise erstklassigen Vorstellung selbst um den verdienten Lohn gebracht hatte - und sich nach der 1:2-Niederlage schon acht Spieltage vor Saisonschluss wie ein Absteiger fühlen muss. In der ersten Halbzeit hatten die Berliner noch mit einem erstaunlichen Selbstbewusstsein und großer Sicherheit den in der Vorwoche gegen Tabellenführer Leverkusen siegreichen Club in verblüffender Weise dominiert. Doch mehr als die Führung durch Gekas (37. Minute) sprang dabei nicht heraus, obwohl sich die Berliner noch über ein halbes Dutzend weiterer Torchancen erkämpften und erspielten. Aber nach der Pause sammelten sich die Nürnberger, und mit der zweiten Chance gelang Bunjaku (65.) der Ausgleich. In der Nachspielzeit gelang dem eingewechselten Charisteas dann gar der Siegtreffer, der Nürnberg auf den rettenden 15. Rang beförderte - und den Abstand von Hertha auf den möglicherweise rettenden 16. Platz auf acht Punkte vergrößerte.
„Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte Trainer Friedhelm Funkel - natürlich bis auf das Verschleudern auch der besten Möglichkeiten. „Da ist auch Unvermögen dabei.“ Erst scheiterte Raffael (11.) in aussichtsreichster Position, nachdem er Torhüter Schäfer schon ausgespielt hatte, mit seinem Schuss an Maroh, der den Ball kurz vor der Linie abwehrte. Gekas wehrte in der 16. Minute den Ball erst selbst mit dem Körper ab und schoss ihn dann an den Pfosten. Eine Minute später tauchte Ramos frei vor Schäfer auf, doch der Torhüter konnte den viel zu schwachen Schuss abwehren. In der 21. Minute zauberte die Hertha einen Angriff über Ramos, Gekas und Raffael auf den Platz. Doch der Kopfball des Brasilianers landete an der Latte - und sechs Minuten später war es dann Gekas mit einem Kopfball, der die Zuschauer fast schon jubeln ließ, doch Schäfer wehrte erstklassig ab. „Wir hatten es Rafael Schäfer zu verdanken, dass wir kein Debakel erlebt haben“, sagte Hecking über ein Spiel, von dem auch sein Kollege Funkel glaubte, dass es die Hertha leicht „3:0 oder 4:0“ hätte gewinnen können. Doch am Ende stand eine Niederlage, von der man nach der Saison wohl sagen wird, dass sich in ihr der Niedergang und der Abstieg der Hertha dokumentierten.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 22 | 33 | 49 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 22 | 23 | 46 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bayern München | 22 | 35 | 45 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 22 | 1 | 36 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 22 | 3 | 34 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 22 | -2 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
Hamburger SV | 22 | -10 | 26 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 22 | -11 | 25 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 22 | -6 | 24 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Köln | 22 | -13 | 24 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 22 | -12 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 22 | -12 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 22 | -17 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 22 | -20 | 18 | ![]() |