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1:2 gegen Donezk Werder Bremen verliert das Uefa-Pokal-Finale

21.05.2009 ·  Aus der Traum vom ersten deutschen Europapokal-Sieg seit 2001: Bremen verlor das Uefa-Pokal-Finale in Istanbul gegen Donezk mit 1:2 nach Verlängerung. Alle drei Treffer erzielten Brasilianer. Nun muss Werder auf den 30. Mai hoffen.

Von Thomas Klemm, Istanbul
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Um kurz nach Mitternacht Istanbuler Ortszeit wurde Werder Bremen aus den schönsten europäischen Titelträumen gerissen und hat es verpasst, als letzter Uefa-Pokalsieger in die Fußball-Geschichtsbücher einzugehen. Im 38. und letzten Finale des Wettbewerbs, der in der kommenden Saison von der Europa League abgelöst wird, unterlagen die Norddeutschen dem ukrainischen Noch-Meister Schachtjar Donezk mit 1:2 nach Verlängerung.

Der Bremer Darbietung fehlten Finesse und Pfiff, um die orangefarbene Fußball-Revolution der Ukraine zu verhindern. Die drei Tore des Abends im ausverkauften Istanbuler Sükrü-Saracoglu-Stadion erzielten allesamt Brasilianer. Nach dem Donezker Führungstreffer durch Luiz Adriano (25. Minute) konnte Naldo mit einem Freistoß für Bremen ausgleichen (35.), ehe Jadson in der 97. den entscheidenden Treffer zum ersten Donezker Uefa-Pokalsieg setzte.

„Die Siegermentalität braucht man auch für die Endspiele“

Der Bundesliga-Tabellenzehnte verpasste nach einem spielerisch mäßigen Auftritt am Bosporus, einen ähnlichen Coup zu landen wie 1992. Damals, als Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs noch aktiv waren, gewann Werder in Lissabon den Europapokal der Pokalsieger. Nach der Niederlage am Mittwoch vor 52.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion von Fenerbahce Istanbul bleibt Werder nur ein kleiner Trost. Eine Chance, die bislang enttäuschende Saison zu einem erfolgreichen Ende zu bringen, bleibt den Bremern noch: Vonnöten ist eine Sieg im zweiten Saisonfinale, am 30. Mai gegen Bayer Leverkusen im DFB-Pokal (20.00 Uhr / FAZ.NET-DFB-Pokal-Liveticker).

1:2 gegen Donezk - Werder Bremen verliert das Uefa-Pokal-Finale

Die Bremer hätten es vorab als gutes Omen verstehen können, dass sie im Istanbuler Finale offiziell als Auswärtsmannschaft geführt wurden. In der Fremde waren sie in zuvor sieben europäischen Begegnungen ungeschlagen geblieben; sechsmal spielten sie unentschieden, mit dem 3:2-Erfolg im Rückspiel beim Hamburger SV sicherten sie sich den Finaleinzug (siehe auch: Bremer Europapokal-Saison: Achterbahnfahrt mit bitterer Endstation). „Die Siegermentalität braucht man auch für die Endspiele“, hatte Werders Sportdirektor Klaus Allofs vor dem Duell mit Donezk gesagt.

Die Kräfteverhältnisse auf den Rängen waren klar verteilt

Auch Trainer Schaaf war mit der Hoffnung ins Spiel gegangen, dass „wir all das umsetzen, wofür wir stehen, und selbstbewusst und mutig genug sind, unser Spiel durchzusetzen“. Die Kräfteverhältnisse auf den Rängen waren ebenfalls fast wie bei einem Auswärtsspiel: 5000 Fans waren aus Bremen angereist, fast doppelt so viele Anhänger unterstützten den Klub aus der Ost-Ukraine. Mumm und Moral ließen die Bremer, die ohne den verletzten Abwehrrecken Per Mertesacker sowie die gesperrten Offensivkräfte Hugo Almeida und Diego antreten musste, allerdings allzu oft vermissen. Vor allem das Fehlen des kleinen Spielmachers, der meistens in wichtigen Spielen groß auftrumpft und mit sechs Treffern bester Werder-Schütze in dieser Europapokalsaison war, machte sich im Spielaufbau bemerkbar.

Es mangelte an Ideen, der Ball wurde zumeist ziellos nach vorne gedroschen, die besten der raren Bremer Torchancen resultierten aus Standardsituationen. Dem Diego-Stellvertreter Mesut Özil gelang es unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Präsident Theo Zwanziger nicht, im Aufbauspiel für Akzente zu sorgen. Der deutsche Nationalspieler zeigte vor den Augen seiner türkischen Vorfahren im Stadion eine enttäuschende Leistung. Sogar der Donezker Trainer Mircea Lucescu bedauerte, dass Diego nicht für höhere Spielkultur hatte sorgen können. „Ich hätte gerne erlebt, wie er gegen unsere Brasilianer aufgetreten wäre.“ Gegen die Donezker Südamerika-Abteilung setzte Trainer Schaaf auf ein System mit „Doppel-Sechs“: Frank Baumann und Peter Niemeyer waren gefordert, den Spieltrieb der fünf Brasilianer zu hemmen.

Luiz Adriano degradiert die Bremer Spieler zu Mitläufern

Schon in der sechsten Minute waren die Bemühungen vergeblich, aber immerhin noch folgenlos. Nachdem Pizarro im Mittelfeld den Ball preisgab, endete die folgende feine Kombination bei Luiz Adriano; doch der stürmischste der fünf Schachtjar-Brasilianer schoss den Ball leichtfertig am Tor vorbei. Zwanzig Minuten später bewies der Angreifer aber, dass ihm auch Konzentration und Kaltschnäuzigkeit nicht fremd sind. Nachdem er ein langes Zuspiel aufgenommen hatte und die Bremer Naldo und Boenisch zu Mitläufern degradiert hatte, lupfte er den Ball über Werder-Torhüter Tim Wiese zum 1:0 ins Netz. Kurz darauf hätten Luiz Adriano (27.) und Willian (30.), der am famos parierenden Wiese scheiterte, dem Finale schon frühzeitig eine entscheidende Drehung zugunsten der dominanten Donezker geben können.

Für den nächsten brasilianischen Knalleffekt sorgte aber kein Brasilianer Mann in orangefarbenen Leibchen, sondern einer im grün-weißen Trikot. In der 35. Minute übernahm Naldo bei einem Freistoß mit gewohnter Wucht die Verantwortung und erschreckte Andrej Pjatow offenbar so sehr, dass der nicht gerade als Titan geltende ukrainische Nationaltorhüter den Ball ins eigene Gehäuse abklatschen ließ. Genau so einen Überraschungseffekt hatte der Donezker Trainer Lucescu von vorneherein befürchtet. „Der Gegner wird versuchen, uns zu provozieren, um Tormöglichkeiten nach Standardsituationen zu bekommen.“

Nach dem Finale ist vor dem Finale - am 30. Mai in Berlin

Allerdings wirkte der Ausgleichstreffer nicht wie ein Motivationskick für Schaafs Elf, die sich weiter abwartend verhielt und den Gegner kaum aktiv unter Druck zu setzen verstand. Während Werders Offensivbemühungen schleppend vorangingen, stießen die Donezker mit ein paar schnellen Pässen in den Strafraum. Ihre Bemühungen endeten oft an der soliden Bremer Abwehr, spätestens aber bei jenem Mann, der an diesem Abend zum besten Bremer avancierte: Torhüter Wiese parierte nicht nur Lewandowskis Gewaltschuss formidabel (41.), sondern auch den scharf geschossenen Freistoß von Jadson (52.). Wieses breite Schultern hätten auch einigen seiner Vorderleute gut getan, schien für einige Bremer das Finale doch eine Bürde zu sein.

Pizarro hatte zwar noch die Gelegenheit, das Finale in der regulären Spielzeit zu entscheiden, scheiterte mit seinem Kopfball aber an Schachtjar-Torhüter Pjatow (78.). In der Verlängerung waren gerade sieben Minuten gespielt, als Wiese die Lücken in der Bremer Deckung nicht mehr schließen konnte. Jadsons Flachschuss nach Srnas Hereingabe rutschte dem Werder-Torhüter unter den Armen durch zum 2:1. Weil bei der Bremer Schlussoffensive nichts Zählbares heraussprang, sanken Schaafs Mannen am Ende geschlagen zu Boden. Doch nach dem Finale ist vor dem Finale - am 30. Mai in Berlin.

Schachtjor Donezk - Werder Bremen 2:1 (1:1, 1:1) nach Verlängerung
Donezk:
Pjatow - Srna, Kutscher, Tschygrynskij, Rat - Lewandowski, Fernandinho - Ilsinho (100. Gai), Jadson (112. Duljaj), Willian - Luiz Adriano (90. Gladkij). - Trainer: Lucescu
Bremen: Wiese - Fritz (95. Pasanen), Prödl, Naldo, Boenisch - Niemeyer (103. Tziolis), Baumann - Frings, Özil - Rosenberg (78. Hunt), Pizarro. - Trainer: Schaaf
Schiedsrichter: Luis Medina Cantalejo (Spanien)
Tore: 1:0 Luiz Adriano (25.), 1:1 Naldo (35.), 2:1 Jadson (97.)
Zuschauer in Istabul: 40.000
Gelbe Karten: Srna, Lewandowski, Ilsinho - Frings, Fritz, Tziolis, Boenisch

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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