Alles deutete darauf hin, dass die Bayern dieses Derby im Vorbeigehen erledigen wollten. Ein bisschen Schonung konnte ja nicht schaden vor dem Champions-League-Spiel an diesem Dienstag gegen Valencia. Doch so leicht wie vielleicht gewünscht, wollte es ihnen der 1. FC Nürnberg dann doch nicht machen.
Mario Mandzukic brachte die Münchner zwar schon nach weniger als drei Minuten in Führung. Doch weil die auf sechs Positionen veränderte Elf von Trainer Jupp Heynckes danach allzu schnell in den Schongang wechselte, und Markus Feulner kurz nach der Pause für den „Club“ ausglich (46.), wurde aus der scheinbar spannungsfreien Angelegenheit noch ein fränkisch-bayerisches Duell voller Leben und Leidenschaft - ein paar deftige Zweikämpfe, Szenen von Rudelbildung und die Gelb-Rote Karte für den Nürnberger Timo Gebhart (76.) inklusive. Die viertelstündige Überzahl genügte den Bayern nicht mehr, um die volle Punktausbeute mitzunehmen. Sie hatten es sich schlicht zu leicht gemacht.
Die europäischen Ambitionen in allen Ehren - aber allzu viele sorglose Auftritte dieser Art sollten sich die Münchner nicht leisten, wollen sie nicht ihre Solistenrolle an der Bundesliga-Tabellenspitze einbüßen. Der Rauch vom - gewiss kostenpflichtigen - Bengalo-Vorspiel aus dem Bayern-Fanblock hatte sich gerade verzogen, da bewiesen die Münchner zum ersten Mal Durchblick. Timoschtschuk setzte Kroos in Szene, der flankte, und Mandzukic hatte mit bei seinem neunten Saisontor keine Mühe. Gleich zwei Nürnberger, Klose und Pinola, waren so freundlich, noch nicht ganz bei der Sache zu sein.
Heynckes hatte sein Team kräftig umgekrempelt - teils wegen Blessuren (Robben, Ribéry, Boateng), teils zwecks Prophylaxe (Lahm, Martínez). An ihrer Stelle waren Shaqiri, Müller, van Buyten, Rafinha, Timoschtschuk mit von der Partie, Mandzukic stürmte wieder für Pizarro. Die frühe Führung war eine Versuchung, es sich bequem zu machen. Und mehr als nötig taten die Bayern tatsächlich nicht. Nach 35 Minuten ergab sich nach bis dahin routinierter Verwaltungsarbeit die Gelegenheit, für klare Verhältnisse zu sorgen. Doch nach Zuspiel von Shaqiri ließ der völlig freie Rafinha die letzte Entschlossenheit vermissen - wobei auch Torwart Schäfer prächtig reagierte.
Es hätte alles so gemütlich sein können für die Bayern. Doch dann kamen die Nürnberger, die vor der Pause Gefahr allenfalls angedeutet hatten, mit einem Blitzstart aus der Kabine. Feulner hatte alle Zeit, Schwung und Maß zu nehmen. Sein Schuss aus 25 Metern bekam einen gefährlichen Dreh, Neuer schien etwas verspätet zu reagieren. Nur zwei Minuten später wäre mehr für Nürnberg möglich gewesen. Nach einem Konter in Überzahl traf Gebhart den Ball aber nicht, der folgende Schuss von Polter wurde abgeblockt.
Nun war es genau das Spiel, das die Nürnberger und ihr Publikum haben wollten. Heynckes brachte Martínez für Timoschtschuk und Lahm für Rafinha. Doch der verlorene Zugriff ließ sich nicht ohne weiteres wiederherstellen. Nürnberg hatte die besseren Chancen, etwa bei einem Kopfball von Nilsson (68.). In Überzahl gehörte die Schlussphase - natürlich - den Bayern. Zu echten Möglichkeiten aber kamen sie nicht mehr.
1. FC Nürnberg: Schäfer - Chandler, Nilsson, Klose, Pinola - Feulner, Simons - Kiyotake (81. Korczowski), Gebhart, Frantz (66. Esswein) - Polter (89. Plattenhardt)
FC Bayern München: Neuer - Rafinha (62. Lahm), van Buyten, Dante, Alaba - Timoschtschuk (53. Martinez), Schweinsteiger - Müller, Kroos, Shaqiri - Mandzukic (77. Pizarro)
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Mandzukic (3.), 1:1 Feulner (46.)
Gelbe Karten: Chandler (3), Polter (2) / Kroos (1), Schweinsteiger (3)
Gelb-Rote Karte: Gebhardt (76./wiederholtes Foulspiel)
Völlig unnötig reagieren Bayern-Spieler hypernervös auf
verdientes Unentschieden
Hugh Greene (hughgreene)
- 18.11.2012, 23:06 Uhr
"Robert Carlos" Feulner und...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 18.11.2012, 16:07 Uhr
Früher nannte man sowas: Von keiner Sachkenntnis getrübt....
Tyler Durden Volland (tylerdurdenvolland)
- 18.11.2012, 04:37 Uhr