06.03.2010 · Das hatte sich der FC Bayern anders vorgestellt: Nur eine Woche, nachdem die Münchner nach Jahren die Tabellenführung wieder übernommen hatten, ist die Ligaspitze nach dem Unentschieden in Köln wieder in Gefahr. Die Gründe dafür heißen Lukas Podolski und mangelnde Genauigkeit beim Torschuss.
Von Roland Zorn, KölnEin Selbstläufer für den FC Bayern München wird die deutsche Fußballmeisterschaft auch nach der Rückeroberung der Tabellenspitze nicht. Nach dem 1:1 beim Tabellendreizehnten 1. FC Köln läuft der Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga sogar Gefahr, die Führung an diesem Sonntag wieder zu verlieren. Bei einem Leverkusener Sieg in Nürnberg wäre das der Fall.
Die Rheinländer erkämpften sich das Remis am Samstagnachmittag vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften RheinEnergie Stadion redlich. Der FC war vor der Pause besser und erzielte durch Lukas Podolski, seinen besten Spieler, die Führung (32. Minute). Nach dem Wechsel waren die Bayern jedoch spielbestimmend, so dass der Ausgleich durch Schweinsteiger (58.) fast zwangsläufig fiel. Der starke Schweinsteiger und Ribéry besaßen noch Möglichkeiten zum Siegtreffer, doch einmal prallte der Ball von der Latte (64.), das andere Mal vom Pfosten (85.) zurück.
„Wir haben in der ersten Halbzeit viele Fehler gemacht und schlecht gespielt“, sagte Schweinsteiger. Sportdirektor Christian Nerlinger merkte an, dass bis zum Ende der Saison nicht nur mit Siegen kalkuliert werden könnte. Zum Auftreten des ehemaligen Münchners Podolski sagte er: „Das war für ihn persönlich mal gut. Er hat gezeigt, was er kann“, sagte Nerlinger.
„Wir müssen einfach nur gewinnen“
Die angeblich Unentbehrlichen fehlten den Bayern von vornherein. Arjen Robben, Flügelflitzer rechts, blieb, weil grippal erkrankt, daheim in München; Franck Ribéry, Flügelflitzer links, saß als Schonvermögen des deutschen Rekordmeisters erst einmal auf der Bank. Der Mann wird am Dienstag wie wohl auch Robben dringender gebraucht. Dann müssen die Bayern ihren 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel im Achtelfinalrückspiel der Champions League beim AC Florenz zumindest verteidigen.
Trainer Louis van Gaal, der am Samstag die Offensive zunächst mit Gomez und Olic im Angriff und Müller und Altintop auf den Flügeln besetzte, hatte diesmal auch defensive Probleme. Weil sich der argentinische Innenverteidiger Demichelis im Länderspiel gegen Deutschland einen Jochbeinbruch und andere Gesichtsverletzungen zuzog, rückte Badstuber neben den wiedergenesenen van Buyten in die Innenverteidigung. Links verteidigte Contento, der jüngste Nachrücker aus der Münchner U-23-Mannschaft.
Dem Optimismus des Tabellenersten tat das Personalpuzzle keinen Abbruch. Endlich wieder gejagt zu werden nach endlos anmutenden Monaten im Schatten der Tabellenführung freute van Gaal: „Eine schöne Position“, sagte er, „wir müssen einfach nur gewinnen.“
Podolskis eindrucksvolle erste Hälfte
Davon konnten die Kölner nur träumen. Beim Tabellenvierzehnten war zumindest der im Länderspiel unauffällige und danach für einen unbedachten Moment in einem Rededuell mit einem Fernsehreporter ausfällige Podolski dabei. Ein Bluterguss im Oberschenkel war so weit ausgeheilt, dass Podolski nach 1388 Bundesliga-Minuten ohne Treffer einen neuen Anlauf unternehmen konnte, diese schwarze Serie zu stoppen. Das tat er dann auch gegen seinen alten Klub nach einer eindrucksvollen ersten Hälfte und einem Freistoßtreffer aus 28 Metern Torentfernung, bei dem Torhüter Butt nicht eben wie ein Überflieger aussah (32.).
Podolski hatte nach einer Woche des Missvergnügens seine Spiellust wiedergefunden. Das dokumentierte auch sein Lattenschuss (7.) zu Beginn der von den Kölnern gut und geschickt mitbestimmten Partie. Ähnlich wie zuletzt der 1. FC Nürnberg beim 1:1 gegen die Bayern ließen die Rheinländer mit einer Mittelfeld-Dreierkette vor der Viererabwehr den zuvor 17 Mal nacheinander unbesiegten Favoriten anrennen, um dann so oft wie möglich zu kontern und Nadelstiche zu setzen.
Köln erkämpft sich den Punkt hart und ehrlich
Bayern fand 45 Minuten trotz gepflegten Positionsspiels kein Mittel, den FC zu ärgern. Nur einmal war Torhüter Mondragon bei einem Freistoß van Buytens (20.) gefordert; dagegen spielten sich die bedrohlicheren Szenen vor dem Münchner Tor ab. Das sollte sich nach dem Wechsel ändern. Nun spielte van Gaal seine personellen Möglichkeiten aus und schickte Ribéry (für Altintop) und Klose (für Olic) in das Unternehmen Wendemanöver (56.). Zwei Minuten später war der Ausgleich für die Bayern geschafft. Müller, von links nach rechts gerückt, passte den Ball zurück zum herbeigestürmten Schweinsteiger. Podolskis Freund vollendete die von Klose per Hacke eingeleitete Dreierkombination zum 1:1.
Der Nationalspieler hätte um ein Haar wenig später sein zweites Tor bejubelt, doch sein Kopfball sprang von der Lattenunterkante zurück ins Feld. Ein voller Erfolg der endlich druckvollen Münchner schien nun nur noch eine Frage der Zeit. Doch der FC wehrte sich, schoss noch ein Abseitstor durch Podolski (73.) und eroberte so wie schon beim 0:0 im Hinspiel einen hart und ehrlich erkämpften Punkt. „Unter dem Strich haben wir uns dieses Ergebnis heute verdient. Lukas war heute sehr engagiert und motiviert. Ich hoffe, dass er jetzt eine Serie startet“, sagte der Kölner Trainer Zvonimir Soldo.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |