14.03.2009 · 1899 Hoffenheim verabschiedet sich langsam, aber sicher aus dem Kreis der Titelanwärter. Das 1:1, von dem die Eintracht in der Anfangsphase nicht zu träumen gewagt hätte, ist ein Remis, das den ganzen Hoffenheimer Rückschritt im Vergleich zur hinreißenden Hinrunde aufzeigt.
Von Peter Hess, Frankfurt1899 Hoffenheim verabschiedet sich langsam, aber sicher aus dem Kreis der Titelanwärter. Das Überraschungsteam der Hinrunde kam bei der Frankfurter Eintracht über ein 1:1 nicht hinaus, obwohl die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick in der ersten Halbzeit alle Vorteile auf ihrer Seite hatte. Nach der frühen Führung durch Carlos Eduardo (10. Minute) bauten die Hoffenheimer eine völlig indisponierte Eintracht durch ihre Zögerlichkeit und Unentschlossenheit wieder auf. Die Frankfurter hatten nach Finks Ausgleich (47.) sogar die besseren Torchancen.
In den ersten zwanzig Minuten der Partie stellte sich eine Spielsituation dar, die es - wenn überhaupt - sonst nur in einer der ersten Runden im DFB-Pokal zu beobachten gibt, wenn ein Spitzenklub der Bundesliga auf ein Amateurteam aus der vierten, fünften oder sechsten Liga trifft. Die Erstklassigen spielen und kombinieren, die anderen schauen zu oder rennen hinterher.
„Funkel raus“ - da hatten die Frankfurter das Schlimmste hinter sich
Die Hoffenheimer setzten sich in jedem Zweikampf mit einer spielerischen Leichtigkeit durch, dass die Frankfurter es vermieden, sich überhaupt noch auf einen Zweikampf außerhalb des eigenen Strafraums einzulassen. Es hatte etwas von dem, was in der Tierwelt Duldungsstarre genannt wird, was die Eintracht demonstrierte. Keiner wollte an den Ball, keiner wollte die nächste Blamage provozieren.
Es war eine Mischung aus Glück und mangelnder Entschlossenheit der Hoffenheimer, dass in dieser Phase die Frankfurter nur einen Gegentreffer hinnehmen mussten. Carlos Eduardo verwertete einen zentimetergenauen Steilpass von Compper zum 1:0. Nach weiteren fünf Minuten begannen die Eintracht-Fans ihre bekannten „Funkel raus!“-Rufe zu skandieren. Doch da hatten die Frankfurter das Schlimmste schon hinter sich.
Das Unentschieden zeigt den Hoffenheimer Rückschritt
War es ein Akt freiwilliger Selbstkontrolle oder ein Anfall von Vorfrühlingsmüdigkeit? Jedenfalls passten sich die Hoffenheimer bei Temperaturen von 14 Grad Celsius von Minute zu Minute mehr dem Eintracht-Niveau an. Das führte zu einem Qualitätsverlust, der den Kauf einer Eintrittskarte zum Ärgernis machte. Hoffenheims Trainer Rangnick sagte: „Ich bin zum ersten Mal in dieser Saison richtig enttäuscht von meinen Jungs.“
Die unnötige und unverständliche Zurückhaltung der Hoffenheimer rächte sich in der 47. Minute. Auf Flanke von Steinhöfer köpfte Fink den Ausgleich zum 1:1. Von diesem Moment an wurde es ein neues Fußballspiel: Temperamentvoll und ausgeglichen und außerhalb jeglicher Kontrolle der Hoffenheimer. Fenins Lattenschuss in der 72. Minute dokumentierte die Eintracht-Leistungssteigerung am besten. Doch das Unentschieden hatte bis zum Schlusspfiff Bestand. Ein Unentschieden, von dem die Eintracht in der Anfangsphase nicht zu träumen gewagt hätten, ein Unentschieden, das den ganzen Hoffenheimer Rückschritt im Vergleich zur hinreißenden Hinrunde aufzeigt.