Auch im zweiten Anlauf sind den vielen Worten nicht die ganz großen Taten gefolgt. Die Frankfurter Eintracht hat zum Auftakt des 29. Spieltags ihr Heimspiel gegen Bremen nicht gewonnen und ihrem neuen Trainer Christoph Daum beim 1:1 am Freitag ein Heimdebüt beschert, dem die Krönung fehlte. Durch den hart erkämpften Teilerfolg, der eingewechselte Martin Fenin sorgte kurz vor Schluss wenigstens für einen Teilerfolg (83. Minute), befindet sich die Fußballmannschaft nach wie vor im Abstiegskampf in höchster Gefahr. Die Norddeutschen, die zum sechsten Mal in Folge ohne Niederlage blieben, sind bei ihrem Ansinnen, sich bis zum Ende der Runde wenigstens auf einen einstelligen Rang vorzuarbeiten, einen Schritt voran gekommen.
Daum, der kaum etwas unversucht gelassen hat, seine Spieler mit neuem Glauben an die eigene Stärke auszustatten, vertraute in weiten Teilen der Elf, die vor Wochenfrist ein schmeichelhaftes 1:1 in Wolfsburg erzittert hatte. Einzige Änderung: Für den gesperrten Kapitän Patrick Ochs stand Sonny Kittel in der Anfangsformation. Und der Youngster machte seine Sache ansehnlich, viele Vorstöße wurden von ihm auf dem rechten Flügel initiiert. Werder wiederum verzichtete anfangs noch auf Claudio Pizarro; der Peruaner, der zuletzt wegen einer Knöchelverletzung pausieren musste, war erst am Nachmittag nach Frankfurt nachgereist. Zuvor hatte er in Bremen einen Belastungstest absolviert, bei dem die Mediziner zur Überzeugung gekommen waren, einem Einsatz unter Ernstfallbedingungen stünde nichts im Weg. Trainer Thomas Schaaf machte von dieser Option nach einer halben Stunde Gebrauch, als er eine Ersatzkraft für den angeschlagenen Denni Avdic benötigte. Mit Hilfe des Routiniers wurde das Angriffsspiel sogleich strukturierter.
Allgegenwärtige Kampfbereitschaft
Es war ein Abend der Premieren: Daum tat, was vor ihm unter vergleichbaren Bedingungen an dieser Stelle noch kein Vorgänger getan hatte - er sprach eine Viertelstunde vor dem Anpfiff per Mikrofon zu den Fans. Der 57-Jährige kündigte an, er werde darauf hinwirken, „dass wir aus der Arena wieder eine Festung machen“. Dass bei diesem Aufeinandertreffen viel auf dem Spiel stand, dokumentierten alle Mann von Beginn an Leidenschaft und einem Höchstmaß an Einsatzfreude. Schon nach vier Minuten musste Referee Florian Meyer hüben wie drüben Gelb zeigen. Zunächst wurde Maik Franz, der erstmals als Spielführer auftrat, für einen Tritt gegen Sandro Wagner verwarnt. Nur wenige Sekunden später ging der Frankfurter Verteidiger selbst zu Boden, von Avdic attackiert.
Franz stand auch im Folgenden im Brennpunkt. Erst blieb sein Stellungsfehler gegen Wagner ohne Folgen, denn der Bremer Stürmer traf nur den Pfosten (9.), dann konnte er von Glück sagen, dass sein Schlag mit dem Arm an den Kopf von Avdic vom Schiedsrichtergespann übersehen wurde (10.), sonst wäre Gelb-Rot als Strafe durchaus denkbar gewesen.
Altintop traf ins eigene Tor, Gekas scheiterte an Wiese und sich selbst
Fußball wurde trotz der allgegenwärtigen Kampfbereitschaft tatsächlich auch gespielt. Und zwar durchaus ansehnlich. Die Eintracht, die mutiger als in den vergangenen Wochen agierte, stieß immer wieder über die Außenbahnen vor, und hatte in Person von Theofanis Gekas die Führung auf dem Fuß, doch Tim Wiese parierte (18.). Auf der anderen Seite gelang Ralf Fährmann bei einem Kopfballaufsetzer von Marko Marin eine nicht minder sehenswerte Rettungstat (21.). Kittel spekulierte bei einem Konter einen Augenblick zu lange, dass sich Wiese für eine Ecke entscheiden und ihm den Weg frei machen würde (32.), ehe Wagner mit einem Schuss ans Außennetz den Schlusspunkt einer nicht hochklassigen, aber unterhaltsamen ersten Halbzeit setzte (45.).
Nach dem Seitenwechsel drosselten alle Beteiligten ein wenig das Tempo, wobei die Eintracht weiterhin den Takt vorgab, sich in der Defensive jedoch gravierende Patzer leistete. Fährmann warf sich bei einer spektakulären Dribblingeinlage von Marin und Pizarro noch dazwischen (56.), und war kurz darauf dann geschlagen: Nach einem Freistoß von Petri Pasanen lenkte Halil Altintop beim Versuch vor Wagner zu klären, die Kugel zum 0:1 ins eigene Netz (58.). Gekas hätte postwendend den Ausgleich erzielen können, besser: müssen, doch der Grieche fand innerhalb von hundert Sekunden (62., 64.) im reagierenden Wiese seinen Meister. Doch die beherzte Eintracht-Schlussoffensive brachte dank Fenins Last-Minute-Tor wenigstens noch einen Punkt.
Wie bitte?
David Johannson (davidjohannson)
- 09.04.2011, 13:00 Uhr