Über ein Jahrzehnt gehörten Werder Bremen und Klaus Allofs zusammen, und weil diese tiefe Verbindung in der Bundesliga etwas Besonderes ist, tauchte vor der Begegnung der Wolfsburger gegen Werder, das nun plötzlich zu einem Duell zwischen Allofs und seiner Bremer Vergangenheit geworden war, die Frage auf, ob Allofs bei einem Treffer seines neuen Arbeitgebers gegen sein bisheriges Lebenswerk jubeln dürfe. Der neue Sportdirektor genehmigte sich die Freude bei seiner Heimpremiere vorab zwar selbst, aber viel zu feiern gab es für die Wolfsburger trotzdem nicht.
Es reichte für den VfL trotz halbstündiger Überzahl nur zu einem 1:1 gegen Werder. Marko Arnautovic (35. Minute) hatte das Team von Trainer Thomas Schaaf in Führung gebracht, Wolfsburg gelang nach dem Platzverweis gegen Lukas Schmidt (62.) zwar umgehend der verdiente Ausgleich durch Bas Dost (64.), aber nicht mehr.
Schon zur Halbzeit hatte Allofs nicht besonders glücklich von der Wolfsburger Bank geschaut. Sein neuer grünweißer Klub, dem er Schwung und Sympathie einbringen soll, lag mit 0:1 zurück, aber man konnte nicht unbedingt sagen, dass die Führung zwangsläufig gewesen wäre. Wolfsburg hatte in einem ausgeglichenen Spiel die besseren Chancen, scheiterte aber schon vor der Pause zweimal am Pfosten. Nach einer halben Stunde war es der Bremer Sokratis, der den Ball mit einer Grätsche gegen den eigenen Pfosten nach einer Hereingabe von Hasebe gelenkte hatte und so beinahe für die Führung von Allofs neuem Klub verantwortlich gewesen wäre.
Nur vier Minuten später war den Wolfsburgern der andere Pfosten im Weg. Nach einer schönen Flanke von Josue kam der Niederländer Dost vollkommen frei zum Kopfball, doch der Ball klatschte nur gegen das Metall. Im Gegenzug machten es die Bremer dann umgehend besser. Es war Marko Arnautovic, der, nach herrlicher Vorarbeit von Eljero Elia, der sich bis zur Grundlinie durchgedribbelt hatte und dem Österreicher freie Bahn bescherte, seinen von der Allofs-Trennung enttäuschten Trainer Thomas Schaaf emotional wie selten jubeln ließ - während sein jahrelanger Partner nebenan ein Stückchen tiefer in seinen Sitz rutschte.
Die Werder-Anhänger kommentierten die Fußball-Hierarchie nach der Führung genüsslich von den Rängen: „Die Nummer eins im Nord-Revier sind wir.“ Nicht so ganz an diesem Tag. Denn von Kontinuität war diesmal nicht nur in Sachen Allofs die Rede. Auch Trainer Lorenz-Günther Köstner konnte für sich in seiner kurzen Zeit als Nachfolger von Felix Magath in Anspruch nehmen, sportliche Konstanz anzustreben. Er ließ die Wolfsburger zum sechsten Mal nacheinander mit derselben Formation antreten, und der Eindruck, dass diese Mannschaft zu Stabilität findet, verwischte auch nach dem Rückstand nicht.
Bas Dost glückte der verdiente Ausgleich (63.) nach einem herrlichen Spielzug über Diego. Die Wolfsburger hatte ihre Überzahl nach Schmitz´ Gelb-Roter Karte also ganz schnell ausgenutzt. Aber größeres Kapital vermochte der Werksklub zum Verdruss seines neuen Sportdirektors aus dieser günstigen Gelegenheit nicht mehr zu schlagen.
VfL Wolfsburg: Benaglio - Fagner, Naldo, Kjaer, Schäfer - Polak, Josué - Hasebe (59. Vierinha), Diego, Olic - Dost
Werder Bremen: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl, Sokratis, Schmitz - Junuzovic - Hunt, de Bruyne, Elia - Arnautovic (82. Fritz), Petersen (90. Akpala)
Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Arnautovic (35.), 1:1 Dost (64.)
Gelbe Karten: Olic (3), Josué (5) / Arnautovic (4), de Bruyne (3)
Gelb-Rote Karte: Schmitz (62., wg. wiederholten Foulspiels)
Wenn ich mich mal scheiden liesse...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 25.11.2012, 11:45 Uhr