05.12.2009 · Der VfB Stuttgart kommt nicht zur Ruhe. Rund um das 1:1 gegen Bochum spitzt sich die Krise zu. Fans randalieren vor und nach der Partie. Wie es mit Trainer Babbel und Manager Heldt weitergeht, ist offen. Auch Rücktritte scheinen möglich.
Von Oliver Trust, StuttgartDer VfB Stuttgart kommt nicht zur Ruhe. Die Polizei musste am Samstag vor der Mercedes-Benz-Arena gegen einige Hundert randalierende Fans einschreiten. Ein großes Aufgebot von Ordnern wurde zum Schutz des VIP-Bereichs in Stellung gebracht. Es kam zu Festnahmen und leichteren Verletzungen auf beiden Seiten.
Die Bochumer mussten nach dem 1:1 beim VfB Stuttgart lange warten, bevor sie überhaupt die Heimreise antreten konnten. Der Weg aus dem Stuttgarter Stadion war blockiert. Die Ausschreitungen bildeten den vorläufigen Höhepunkt eines Tages, der die sportliche Lage des VfB weiter verschärfte und dazu die Diskussion um Teamchef Markus Babbel weiter anheizt. Und möglicherweise mehr.
In Stuttgart darf nun mit vielem gerechnet werden, vielleicht sogar mit Rücktritten. Teamchef Babbel hat zwar vor einigen Tagen eine Art „Jobgarantie“ bis zur Winterpause erhalten, nach den Vorfällen des Samstags aber zog man sich in Stuttgart zu weiteren Beratungen zurück. Es wurde am Abend sogar über die Möglichkeit eines Rücktritts von Vorstandsmitglied und Manager Horst Heldt spekuliert. Eine Erklärung soll es aber frühstens am Sonntag geben.
„Das hatten sie uns schon vor dem Spiel angekündigt“
Heldt wird der Fraktion zugerechnet, die sich während der Woche (nach dem 0:4 in Leverkusen) für eine Trennung von Babbel ausgesprochen hatte, vom mächtigen Aufsichtsratschef und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt aber überstimmt wurde. In der Stuttgarter Arena waren die „Vorstand-raus“-Rufe unüberhörbar laut. „Man muss Angst haben, dass das weiter eskaliert“, sagte Heldt und lehnte weitere Kommentare ab.
Schon vor der Partie war es zu Vorfällen gekommen. Rund 100 VfB-Anhänger wollten den VfB-Teambus auf der Zufahrt zum Stadion aufhalten. Es wurde eine Rauchbombe gezündet - und rund 50 Beamte mussten den Mannschaftsbus ins Stadion eskortieren. Dort empfing die Mannschaft ein Plakat mit der Aufschrift: „Euer Kredit ist aufgebraucht“. Die Stuttgarter Fans verweigerten während des Spiels jede Unterstützung. „Das hatten sie uns schon vor dem Spiel angekündigt“, sagte Heldt, „nicht allerdings, dass sie den Bus stürmen würden.“
Die „schwierige Stimmung“ habe weiter zur Verunsicherung der Mannschaft beigetragen, sagte Babbel. „Wir haben zu wenig zu Stande gebracht, obwohl wir in der zweiten Hälfte den Druck mehr ablegen konnten.“ Nach den ersten 45 Minuten, die aus Stuttgarter Sicht einem sportlichen Offenbarungseid glichen, und in der die Bochumer die größeren Chancen besaßen, konnten sich die Schwaben nur mühsam befreien.
„Die Mannschaft ist es nicht gewohnt, unten zu stehen“
Selbst die 1:0-Führung durch Serdar Tasci, der in der 55. Minute per Kopfball traf, brachte keine Ruhe ins VfB-Spiel. „Der Punkt war absolut verdient“, sagte der Bochumer Trainer Heiko Herrlich. „Wir hätten eine unsere Chancen zum 1:0 nutzen sollen. So aber haben wir immerhin in Unterzahl noch das 1:1 geschafft.“
In der 89. Minute stürzten alle Hoffnungen der Stuttgarter vier Tage vor dem wichtigen Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen Unirea Urziceni wie ein Kartenhaus zusammen. Nach einem Freistoß gelang Christian Fuchs 60 Sekunden vor Schluss der Ausgleich. Und das, obwohl Diego Klimowicz kurz nach seiner Einwechslung wegen groben Foulspiels (er trat Tasci von hinten um) die Rote Karte sah.
Babbels Maßnahmen, die er nach der Niederlage in Leverkusen ergriff, zeigten praktisch keine Wirkung. Der 37 Jahre alte Trainerlehrling hatte Thomas Hitzlsperger als Kapitän entmachtet und Jens Lehmann das Privileg freier Tage gestrichen. Präsident Erwin Staudt hatte weitere Konsequenzen für Spieler angekündigt, sollten nicht bald bessere Ergebnisse einstellen. „Die Mannschaft ist es nicht gewohnt, unten zu stehen“, sagte Babbel. „Ich habe der Mannschaft in der Pause gesagt, sie soll keine Angst haben“, berichtete er. Geholfen hat der Ratschlag nicht.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |