Spielerisch hat der FC Bayern München sicherlich schon überzeugendere Auftritte abgeliefert als in dieser Woche, aber dennoch hätte sie kaum besser verlaufen können. Durch den hart umkämpften 1:0-Sieg beim 1. FC Nürnberg verkürzte der deutsche Rekordmeister am Samstag den Rückstand in der Bundesliga-Tabelle auf drei Punkte zu Borussia Dortmund. Anders als zuletzt, fiel die Entscheidung vor 48548 Zuschauern dieses Mal erst in der zweiten Halbzeit. Arjen Robben erzielte in der 69. Minute den entscheidenden Treffer. „Wir schauen gar nicht auf Dortmund, wir wollen nur unsere Spiele gewinnen“, sagte Bastian Schweinsteiger.
Trotz der jüngsten Negativserie der Nürnberger waren die Münchner mit der Gewissheit nach Franken gereist, dass sie dort wohl keinen ruhigen Nachmittag verleben werben. Zwischen zwei Champions-League-Duellen gab Thomas Müller zu, sei „ein Auswärtsspiel bei einem Bundesligisten, der viel über Kampf und Leidenschaft kommt, immer eine schwere Aufgabe“. Wie gegen Hannover gönnte Trainer Jupp Heynckes auch in Nürnberg einigen Stammspielern eine Erholungspause. Statt Franck Ribéry, David Alaba und Luiz Gustavo standen Danijel Pranjic, Diego Contento und Anatoli Timoschtschuk in der Anfangself. Die Umstellungen waren ein Risiko, und wäre es nicht gut gegangen, hätte sich Heynckes womöglich ein paar hämische Worte aus Dortmund anhören dürfen.
Der „Club“ bekämpfte die Vielbeschäftigten aus München leidenschaftlich und störte früh. Den Münchnern fehlte nach der dritten englischen Woche nacheinander die Frische, um ihre zuletzt bewährte Strategie der frühen Führung vehement zu verfolgen. Es dauerte eine Viertelstunde, ehe der erste vernünftige Angriff gelang, der Querpass von Thomas Müller in die Mitte zu Angreifer Mario Gomez kam allerdings nicht an.
Der eine Fehler war spielentscheidend
Javier Pinola hatte auf der rechten Seite Robben gut im Griff, konnte aber nicht verhindern, dass der Niederländer an den einzigen beiden gefährlichen Münchner Szenen in der ersten Hälfte beteiligt war. In der 18. Minute zirkelte er einen Freistoß in die Mitte, dort köpfte Holger Badstuber den Ball über das Tor. Später war er der Begünstigte, als Pranjic vor das Tor flankte, aber auch der Kopfball von Robben verpasste das Ziel (34.). Die Nürnberger erspielten sich ihre beste Chance am Ende dieser von Kampf bestimmten Hälfte, als Neuer den Ball bei einer Ecke von Adam Hlousek unterlief. Timmy Simons traf den Ball aus kurzer Distanz allerdings nicht richtig und die Münchner konnten klären (43).
In der zweiten Hälfte schickte Heynckes zunächst den am kommenden Dienstag gegen Marseilles ohnehin gesperrten Bastian Schweinsteiger auf das Feld, und kurz kam auch noch Franck Ribéry in die Partie. Heynckes hatte wohl die Hoffnung, dass der Franzose dem eigenen Spiel mehr Inspiration verleihen könnte. Tatsächlich agierten die Bayern fortan entschlossener und strukturierter. Aber die Nürnberger ließen nicht locker, weder in der Defensive noch in der Offensive. Die Abwehr der Münchner war mehr gefordert als ihr lieb sein konnte, aber vor allem Badstuber agierte wie fast immer in den vergangenen Wochen umsichtig und sehr abgeklärt.
Den Franken unterlief schließlich doch noch ein Fehler - und der war spielentscheidend. In der 69. Minuten schob Dominic Maroh den Ball vor dem eigenen Strafraum in die Beine eines Gegenspielers, Toni Kroos reagierte schnell und passte auf den davon eilenden Ribéry. Den Schuss des Franzosen parierte der bis dahin nicht allzu häufig geprüfte Nürnberger Torhüter Raphael Schäfer noch, aber beim Nachschuss von Robben war er machtlos. Die Bayern feierten die 1:0-Führung wie eine Erlösung, doch Heynckes ahnte wohl, dass der 1. FC Nürnberg nicht aufgeben würde. Der Münchner Trainer stärkte mit der Einwechslung von Luiz Gustavo noch einmal die Defensive für den Nürnberger Schlussspurt. Am Ende waren die Münchner dem zweiten Tor aber doch näher - Gomez und Robben vergaben noch ein paar sehr gute Gelegenheiten.
1. FC Nürnberg: Schäfer - Feulner, Maroh, Wollscheid, Pinola - Balitsch (68. Cohen), Simons - Chandler, Didavi (78. Bunjaku), Hlousek (46. Mak) - Pekhart
Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Contento - Timoschtschuk (55. Schweinsteiger), Kroos (80. Luiz Gustavo) - Robben, Müller, Pranjic (57. Ribéry) - Gomez
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 48 548 (ausverkauft)
Tor: 0:1 Robben (69.)
Gelbe Karten: Chandler (3), Wollscheid (5) / Luiz Gustavo (5), Robben (1)
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