Vizekusen - diesen Titel hat sich Bayer Leverkusen zwar markenrechtlich schützen lassen, besonders stolz ist man darauf natürlich trotzdem nicht. Angesichts der Dortmunder Dominanz in dieser Saison der Fußball-Bundesliga allerdings ist Platz zwei ein Erfolg, über den Bayer sich uneingeschränkt freuen darf, zumal damit die direkte Qualifikation für die Champions League verbunden ist. In einem Saisonfinale, das in dieser Tabellenregion längst nicht so dramatisch war, wie es hätte sein können, setzte sich Bayer am Samstag 1:0 beim SC Freiburg durch und schaffte den Zieleinlauf damit ziemlich locker als Zweiter - zum insgesamt fünften Mal in der Klubgeschichte.
Von Nervenflattern, wie es vor allem die Münchner Bayern angesichts der Leverkusener Historie des finalen Scheiterns hatten heraufbeschwören wollen, war nichts zu spüren - auch wenn beim Siegtreffer ein wenig Freiburger Hilfe im Spiel war: Makiadi lenkte einen Kopfball von Balitsch ins eigene Tor (45. Minute). Während der Tagessieger unter den Trainern, der Leverkusener Jupp Heynckes, damit nächstes Jahr als Chefcoach der Münchner zwei Qualifikationsspiele bestreiten muss, um in der Königsklasse vertreten zu sein, hat Robin Dutt, der Verlierer vom Samstag, den Startplatz als künftiger Bayer-Coach schon sicher.
„Wir würden nie zum FC Bayern München gehen“
Die verworrene Konstellation um die beiden Trainer, war das eine Thema, das die Vorgeschichte dieses Spiels prägte, die andere war das notorische Scheitern der Leverkusener in Momenten nervlicher Belastung - vor allem natürlich die vor elf Jahren am letzten Spieltag verspielte Meisterschaft. Schon deshalb wollte Bayer dem Zweifel diesmal möglichst keinen Raum lassen. Laufstark und griffig in den Zweikämpfen präsentierte sich Heynckes' Team. Auch Ballack durfte sich wieder von Beginn an einbringen, und der Nationalmannschaftskapitän a. D. hatte seinen Anteil am überzeugenden Start. Zwei Mal spielte er Derdiyok frei, der Schweizer nutzte seine Möglichkeiten jedoch ebenso wenig wie Balitsch eine gute Kopfballgelegenheit.
Bayer war so überlegen, dass es trotz der vergebenen Chancen wenig Grund gab, an einem Erfolg zu zweifeln, zumal von Freiburg so gut wie nichts zu sehen war. Ganz nach Leverkusener Wunsch war es dann, als der Stadionsprecher die Stuttgarter Führung in München bekanntgab. Die Fans sangen den Tote-Hosen-Hit „Wir würden nie zum FC Bayern München gehen“, doch komischerweise schien ihr Team alles andere als beflügelt. Einmal noch durfte Bayer auf einen Treffer hoffen, als Derdiyok elfmeterwürdig gehalten wurde, ansonsten aber übernahm der Sportclub die Initiative. Caligiuri und vor allem Cissé waren nicht weit von einem Torerfolg entfernt.
Dass Bayer dann kurz vor der Pause doch noch in Führung ging, war zwar nicht unverdient, aber zu diesem Zeitpunkt doch etwas überraschend. In Gefahr geriet diese Führung danach kaum mehr. Nur einmal noch musste Bayer zittern: als ein Kopfball von Rosenthal gegen die Latte prallte (64.). „Bayer in der Champions League“, sangen die Fans und feierten ihr Team und Trainer Heynckes nach Kräften.