Die Körpersprache der Bayern-Spieler sprach Bände. Kurz nach dem Schlusspfiff kauerten einige von ihnen auf dem Rasen oder senkten im Stehen den Kopf. Die Fassungslosigkeit stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Ihre Dortmunder Kollegen indes formierten sich zu einem Triumphzug Richtung Südtribüne. Sie feierten zwar noch nicht den Gewinn der deutschen Meisterschaft, aber ein 1:0 über den FC Bayern, das sie der Titelverteidigung in der Fußball-Bundesliga sehr nahe bringt.
Dank einer technischen Meisterleistung gelang Robert Lewandowski in der 77. Minute der Siegtreffer. Vier Runden vor Ultimo führt Borussia Dortmund die Tabelle mit sechs Punkten Vorsprung vor den Münchnern an, die zum vierten Mal nacheinander eine Bundesligapartie gegen den Revierklub verloren. Die Bayern vermochten es in einer turbulenten Schlussphase nicht, wenigstens den Ausgleich zu erzielen. Arjen Robben scheiterte in der 86. Minute mit einem Foulelfmeter an BVB-Torhüter Roman Weidenfeller, der den Niederländer zuvor im Strafraum von den Beinen geholt hatte.
Die Stimmung im ausverkauften Dortmunder Stadion war wie bei einem Finale. Der Erste gegen den Zweiten, der Meister gegen den Rekordmeister - die Fußballfans in ganz Deutschland hatten sich viel von dieser Partie versprochen. Die Dortmunder Hoffnungen auf das Comeback ihres Mittelfeldstars Mario Götze hatten sich zwar zerschlagen; der Neunzehnjährige stand nicht im Aufgebot. Ihren Tatendrang bremste dieser Ausfall aber nicht.
Schweinsteiger zuerst auf der Bank
Bei Bayern saß der jüngst genesene Bastian Schweinsteiger zunächst auf der Ersatzbank. Dafür kam Shinji Kagawa im zentralen Mittelfeld früh in Schwung und legte ein umfangreiches Beschäftigungsprogramm für die Münchner Defensive auf, die er vor allem mit seinen Dribblings durcheinanderbrachte. Schon nach wenigen Minuten gerieten die Bayern zum ersten Mal in Bedrängnis. Von lkay Gündogan angespielt, leitete der umtriebige Japaner den Ball geschickt zu seinem gut postierten Nebenmann. Kevin Großkreutz, der für Ivan Perisic in die Startelf zurückgekehrt war, nahm den Vollstreckungsauftrag ohne zu zögern an, scheiterte aber an Manuel Neuer, der die Kugel mit dem Fuß abwehrte.
Auch den Nachschuss von Robert Lewandowski entschärfte der Nationaltorhüter, der wegen seiner Vergangenheit als Spieler des Dortmunder Erzrivalen Schalke 04 fast bei jedem Ballkontakt das Missfallen der Borussen-Anhänger zu hören bekam. Die Bayern taten im ersten Durchgang nicht viel fürs Tempo. Sie beschränkten sich darauf, den Dortmunder Vorwärtsdrang einzudämmen und das Geschehen zu kontrollieren. Das gelang ihnen recht gut. So eifrig die Borussen sich auch bemühten - große Torchancen blieben die Ausnahme, eine Möglichkeit immerhin brachten sie doch noch zustande vor der Pause. Lewandowski fehlte jedoch ein Tick Präzision; sein Kopfball, ermöglicht durch eine Flanke von Blaszczykowski, prallte gegen den Pfosten. Es war der neunzehnte Aluminiumtreffer der Borussen in dieser Saison - Bundesligarekord.
Kroos mit der ersten Chance für die Bayern
Den ersten Schreckschuss der Bayern gab nach einer halben Stunde Toni Kroos ab, der das Ziel knapp verfehlte. Beim Seitenwechsel musste Neuer im Tor vor der Südtribüne Posten beziehen - mit zwanzigtausend BVB-Fans im Rücken. Einige von ihnen empfingen ihn mit Wurfgeschossen. Von den Dortmunder Spielern ging fürs erste nicht das Signal aus, als sollte der Torwart alle Hände voll zu tun bekommen. Kagawas Kopfball etwa war keine Prüfung von hohem Schwierigkeitsgrad.
Auf der anderen Seite erhöhten die Bayern Aufwand und Tempo. Sie wirkten nun entschlossener und zielstrebiger. Franck Ribery kam allmählich in Fahrt - und Schweinsteiger eine Minute später für Thomas Müller ins Spiel. Es änderte sich zunächst nur der optische Eindruck, zwingende Chancen ließen aber weiter auf sich warten. Schüsse von Ribery und Kagawa deuteten Gefahr allenfalls an.
Bayern war am Drücker
Als die Bayern dem Führungstreffer näher schienen, meldete sich der BVB plötzlich zurück. Und wie! Großkreutz schoss einen abgewehrten Ball aus achtzehn Metern Richtung Tor, Lewandowski gab ihm geistesgegenwärtig mit der Hacke den gewissen Kick. Die Kugel änderte die Richtung so, dass Neuer ihr noch hinterher schauen konnte.
Die Bayern gaben nicht auf und stürmten verzweifelt nach vorn. Doch Robben machte sie in der Schlussphase zum großen Außenseiter im Kampf um den Meistertitel. Erst vergab er den Foulelfmeter, dann eine weitere gute Chance, nachdem BVB-Verteidiger Hummels den Ball bei einem Rettungsversuch gegen die Latte des eigenen Tores geköpft hatte. In der Nachspielzeit traf auch Lewandowski noch „Aluminium“, doch das konnte die Freude der Sieger nicht mehr trüben.
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Kehl, Gündogan (74. Perisic) - Blaszczykowski (89. Owomoyela), Kagawa (74. Leitner), Großkreutz - Lewandowski
Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Kroos - Robben, Müller (61. Schweinsteiger), Ribéry - Gomez (75. Olic)
Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 80 720 (ausverkauft) Tor: 1:0 Lewandowski (77.)
Besonderes Vorkommnis: Weidenfeller (Borussia Dortmund) hält Foulelfmeter von Robben (85.) Gelbe Karten: - / -
Pleite?
Dieter Schenk (Huuh.rrah)
- 12.04.2012, 20:31 Uhr
Was ist daran tragisch?
Georg Berns (DerRheinischeSchorsch)
- 12.04.2012, 19:54 Uhr
Bayern braucht einen Umbruch
Christoph Rohde (prediger1)
- 12.04.2012, 11:37 Uhr
Korrektur
Marcel Hofmann (Matzel88)
- 12.04.2012, 09:32 Uhr
Die pure Schadenfreude
Helmut Smith (fmsus)
- 12.04.2012, 09:17 Uhr