01.03.2010 · Lange war nichts zu sehen von Franck Ribéry - dann befördert er die Bayern auf die Führungsposition der Fußball-Bundesliga. In einem durchschnittlichen Spiel genügt den Münchnern der Schuss des Franzosen, um den Hamburger SV zu bezwingen.
Von Christian Eichler, MünchenZum runden Geburtstag hat es endlich geklappt mit der Tabellenführung für den FC Bayern, der ersten seit Mai 2008. Zuerst hatte Bayer Leverkusen mit dem 0:0 gegen den 1. FC Köln sein Präsent überreicht. Dann besorgte Franck Ribéry mit einer schönen Einzelleistung und einem satten Rechtsschuss aus 16 Metern in der 78. Minute den Jubiläumstreffer zum 1:0 gegen den Hamburger SV - der bis dahin am Tage des 110-jährigen Bestehen des erfolgreichsten deutschen Fußballklubs ein erstklassiger Spielverderber war. Die beste Chance zum Ausgleich vergab in der 83. Minute der eingewechselte Tunay Torun, der mit seiner ersten Ballberührung an die Latte köpfe.
Für die gern furchtlosen Bayern war es ein schöner Erfolg gegen das einzige deutsche Team, das zuletzt so etwas wie ein Angstgegner für sie war. Bei den vorherigen vier Liga-Besuchen seit Eröffnung der neuen Münchner Arena waren die Hamburger unbesiegt geblieben (zwei Siege, zwei Unentschieden) und hatten überhaupt von den letzten neun Nord-Süd-Duellen nur eines verloren. Für die Bayern war der 1:0-Erfolg zudem der erste in dieser Saison im direkten Duell mit einem der Titelkonkurrenten Leverkusen, Schalke und Hamburg - wobei der HSV mit zwölf Punkten Rückstand auf die Spitze nun aus dem Meisterrennen ausgeschieden sein dürfte. „Ich denke, dass es ein taktisch sehr gutes Spiel war - auch von den Hamburgern“, sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal. Ein Spiel, dass sein Team dann aber „verdient gewonnen“ habe.
Vor Anpfiff war es eine ungewohnte Situation für die Bayern: nach einer freien Woche, acht Tagen ohne Spiel, während der Gegner nur drei Tage zuvor ein forderndes europäisches Duell zu bestehen hatte. Den besten Hamburger Stürmer, Mladen Petric, hätte das hitzige Spiel am Donnerstag in Eindhoven beinahe den Einsatz in München gekostet, weil ihn der frühere Schalker Orlando Engelaar mit einer rüden Grätsche am Sprunggelenk verletzt hatte. Doch der Kroate meldete sich rechtzeitig fit für das Spitzenspiel. Allerdings musste HSV-Trainer Bruno Labbadia auf den grippegeschwächten Marcell Jansen und den leicht angeschlagenen Luxus-Joker Ruud van Nistelrooy verzichten.
Auch ohne den Torjäger standen vier Niederländer auf dem Platz, zwei pro Team (Robben/van Bommel und Elia/Mathijsen), dazu saß einer auf der Bayern-Trainerbank, Louis van Gaal. Auch der niederländische Nationalcoach, Bert van Marwijk, war bekommen, um unter anderem seinen Schwiegersohn van Bommel zu beobachten. Und damit noch nicht ganz genug: Sogar der Rasen in der Münchner Arena kommt aus Holland. Dazu feierte der FC Bayern vor der Partie seinen 110. Geburtstag - und gedachte dabei auch des ersten Trainers seiner Geschichte, Willem Hesselink, noch ein Holländer. Fehlte nur noch, dass die Riesen-Rauten auf der Außenhaut der Arena, die bei Bayern-Heimspielen rot illuminiert sind, diesmal in orange geleuchtet hätten.
Die Halbchancen summierten sich
Die erste gefährliche Aktion war dann aber eine rein oberbayrische Koproduktion. Bastian Schweinsteiger spielte in der 13. Minute einen feinen Außenristpass, den Thomas Müller halbrechts frei zum Abschluss brachte, doch Müllers Schlenzer über den herausstürzenden Torwart Frank Rost geriet zu hoch. Es sollte neben einem abgeblockten Volleyschuss von Mark van Bommel (18.) die beste Bayern-Chance in einer ersten Halbzeit bleiben, in der das Heimteam zwar viel Ballbesitz und oft auch Tempo im Spiel hatte, aber kaum einmal Klarheit in das letzte, das entscheidende Zuspiel in den Strafraum brachte. Es summierten sich so eher Halbchancen, wie die von Franck Ribéry, dessen Linksschuss in der 15. Minute Torwart Rost sicher hielt.
Der HSV hatte weniger vom Spiel, war aber gefährlich, weil die Bayern-Abwehr um Demichelis sich mehrere riskante Ballverluste leistete - und weil der HSV mehrere Spieler hat, die mit ihrer Explosivität und Schusstechnik ein Spiel manchmal aus dem Nichts entscheiden können. So wie Piotr Trochowski, dessen 18-Meter-Schuss Butt einhändig hielt (18.) und dessen Direktschuss aus 15 Metern zu hoch geriet (22.). Oder wie Petric, der in der 45. Minute die größte Hamburger Chance der ersten Halbzeit vergab. Markus Berg hatte den Ball von den schläfrigen Demichelis und Contento gewonnen und den Sturmpartner freigespielt, doch Petric konnte den springenden Ball beim Schuss nicht genug drücken.
Toruns Ball fällt auf die Latte
Für Rost, der sich bei einem Duell mit Schweinsteiger verletzt hatte, kam zur zweiten Halbzeit der Ersatztorwart Wolfgang Hesl. Große Prüfungen standen ihm zunächst nicht bevor. Entweder die Bayern spielten zu ungenau, oder die Hamburger Abwehr erledigte das Nötige. So in der 55. Minute, als ein Direktschuss von Mario Gomez abgeblockt wurde. Oder in der 70. Minute, als Müller sich links durchsetzte, und Mathijsens langes Bein die gefährliche Hereingabe im Fünfmeterraum abgrätschte. Dann wuchs der Bayern-Druck, doch es bedurfte einer Einzelaktion von Ribéry, um das Spiel zu entscheiden - und dazu des Bayern-Glücks, dass Toruns Ball auf die Latte tropfte. So sind die Bayern nun da, wo van Gaal eigentlich erst am 34. Spieltag sein wollte: ganz oben.