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Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

1:0 gegen Bremen Höwedes sorgt für etwas Ruhe auf Schalke

07.02.2009 ·  Schalke 04 gewinnt im Krisengipfel gegen Werder Bremen mit 1:0. Den Siegtreffer erzielt Youngster Benedikt Höwedes. Für Werder-Trainer Thomas Schaaf wird es immer düsterer.

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
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Umringt von Reportern, behielt Klaus Allofs auch nach dieser Niederlage die Ruhe, für die Werder Bremen bekannt ist. Der Blick jedoch auf das Klassement nach der neunzehnten Bundesligarunde bereitete dem Manager mehr Unbehagen als zuletzt. „Ich wage gar nicht, auf die Tabelle zu schauen und zu gucken, wie groß der Abstand zu den Champions-League-Plätzen ist“, sagte Allofs.

Nach dem 0:1 in Schalke erschien das Grau des Bremer Mittelmaßes noch eine Stufe dunkler als vorher. Werder sieht die Spitzengruppe nur noch von weitem, jene Tabellenregion, für die Bremen lange eine Art Stammplatzgarantie zu besitzen schien. Der Punkterückstand auf den dritten Rang ist zweistellig. Und sogar der Fünfte Leverkusen ist den Hanseaten um sieben Zähler voraus.

Erreicht Schaaf sein zehntes Jahr?

Allofs wusste also, was auf ihn zukommen würde: die Frage, ob Thomas Schaaf im zehnten Jahr als Cheftrainer auf dieser Position noch die ideale Besetzung sei. Darauf zu antworten machte dem Geschäftsführer offenbar nicht viel aus. Diese Fragen könne er „sehr gut aushalten“. An den Argumenten, die für Schaaf sprechen, habe sich in seinen Augen „nichts geändert“, sagte Allofs. Nur einmal hatte sich eine Formulierung in seine sonst wohlgesetzten Worte eingeschlichen, die Zweifler so hätten deuten können, als würde der Trainer vielleicht doch in Bedrängnis geraten. „Wir geben hier keinen prinzipiellen Treueschwur ab.“

Wenig später räumte Allofs ein, dass er das „lieber nicht hätte sagen sollen“. Um Spekulationen vorzubeugen, lieferte er sogleich die Deutung seiner eigenen Äußerung. Danach geht es nicht um eine Art Bremer Recht, wonach ein Trainer, der lange im Verein ist und viel Erfolg hatte, aus Prinzip gehalten werden muss. Maßstab sei die Qualität seiner Arbeit. Schaafs Arbeit sei „total überzeugend“ und biete keinen Anlass, etwas zu verändern.

Die Partie in Schalke sprach eher für Schaaf

Wenn derartige Kreditzusagen überhaupt irgendwo glaubwürdig klingen in diesem Geschäft, dann bei Werder Bremen. Schaaf jedenfalls nahm die Worte des Managers mit Wohlgefallen auf. „Es ist gut, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die die geleistete Arbeit bewerten und honorieren. Wir machen hier nichts für den schönen Schein.“ Die Partie in Schalke sprach eher für Schaaf als gegen ihn. Nach dem Gegentor von Benedikt Höwedes (48. Minute) bäumte sich Werder gegen die Niederlage auf, verpasste aber trotz einer Fülle guter Chancen den Ausgleich, vielleicht auch weil die beiden wichtigsten Offensivkräfte gesperrt waren: Spielmacher Diego und Torjäger Pizarro.

So blieb Bremen nur statistisch in allen Belangen überlegen. Beim Blick auf die Tabelle mag Allofs sich mit Grausen abwenden. Dennoch sieht er „noch Möglichkeiten, oben reinzurutschen“ - behauptet er, vermutlich auch um die Spieler in die Pflicht zu nehmen. Manche von ihnen vermuten in den Pokalwettbewerben inzwischen größere Chancen, die Saison zu retten, als in der Bundesliga. „Die Lösung ist ganz einfach: DFB-Pokal gewinnen, Uefa-Cup gewinnen, dann sind wir auch nächstes Jahr international wieder dabei“, sagte Verteidiger Per Mertesacker und wandte sich lächelnd ab, als wollte er seinen Worten eine Prise Ironie beimischen - Werder spielt im Europa-Cup gegen den AC Mailand und im nationalen Pokal beim VfL Wolfsburg.

Müller verzichtete auf Kommentare

Während Allofs als souveräner Verlierer auftrat, verzichtete sein Gelsenkirchener Gegenüber Andreas Müller darauf, einen Sieg zu kommentieren, der kämpferisch wertvoll, aber ohne jeden künstlerischen Ausdruck war. Sonst pflegt Müller sich nach dem Spiel am äußersten Ende hinter der Theke des Pressekonferenzraums zu postieren, um einen Softdrink einzunehmen und Worte sprudeln zu lassen. Gerade er hätte leichthin behaupten können, Schalke werde noch „oben reinrutschen“, auch wenn Kapitän Marcelo Bordon eine Weile fehlen wird, weil er einen Bruch der Mittelhand erlitten hat.

Doch von Müller war nichts zu sehen - wie schon zwei Tage zuvor beim obligatorischen Gespräch mit den Reportern. Müllers Platz hinter dem Tresen nahm dieses Mal Josef Schnusenberg ein. Der Erste Vorsitzende, nicht unbedingt der Schalker Frontmann in sportlichen Fragen, sagte jovial, dass er „immer entspannt“ sei, nach diesem Sieg dazu noch „erleichtert und zufrieden“. Ob das Spiel oder besser: das Ergebnis ihm Mut mache, wollte jemand wissen. „Wieso Mut?“, erwiderte Schnusenberg. „Ich habe immer Mut.“

Und warum hat den Manager der Mut verlassen, öffentlich in Erscheinung zu treten? Hatte der Aufsichtsrat ihm nicht geraten, „sich mehr zu wehren“? Müller hatte sich in der abgelaufenen Woche in einem Dickicht von Indiskretionen und Dementis verfangen, vor allem die angeblichen Wechselabsichten des Stürmers Kevin Kuranyi betreffend. Zudem flammte die Kritik an seiner Transferpolitik in weiten Teilen der Medien wieder auf. Also zog der Manager es vor, zu schweigen. „Der Andy wollte sich mal etwas zurückhalten, nachdem er in den letzten Tagen doch sehr in der Kritik gestanden hatte“, sagte Schnusenberg. Und warnte davor, falsche Schlüsse zu ziehen. „Ich bin mir sicher: Selbst wenn das Spiel in die Hose gegangen wäre, hätte es keinerlei personelle Konsequenzen gegeben.“

Schalke 04 - Werder Bremen 1:0 (0:0)
Schalke:
Neuer - Rafinha, Höwedes, Bordon, Westermann - Jones, Kobiaschwili - Rakitic (60. Engelaar) - Farfan (83. Sanchez), Altintop (46. Kuranyi), Asamoah. - Trainer: Rutten
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo (74. Niemeyer), Boenisch (65. Pasanen) - Baumann - Frings, Tziolis - Özil - Hugo Almeida, Rosenberg (83. Harnik). - Trainer: Schaaf
Schiedsrichter: Jochen Drees (Mainz)
Tor: 1:0 Höwedes (48.)
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Kobiaschwili, Jones (5), Westermann (2) - Boenisch (3)

Quelle: FAZ.NET mit sid.
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