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Veröffentlicht: 15.01.2013, 14:21 Uhr

05-Manager Heidel „Ein Stück Mainz steckt heute noch in Klopp“

Er ist der dienstälteste Manager der Bundesliga. Christian Heidel im Gespräch über Treue als Mainzer Erfolgsrezept, Vorgaben für jeden Trainer und den Verzicht auf Scouts.

© picture alliance / Sven Simon Heidel hat noch nie einen Scout nach Südamerika geschickt. Mainz komme auch so klar

Bringt Sie als dienstältester Manager der Bundesliga eine Transferperiode wie die laufende mit vielen Spekulationen um Abwerbeversuche Ihrer Spieler noch aus der Ruhe?

Nein. Wilde Spekulationen bringen uns nicht aus der Ruhe. Aber eins noch: Ich möchte mich da nicht mit falschem Lorbeer schmücken. Heribert Bruchhagen ist sicher noch ein oder zwei Jahre länger im Geschäft. Aber ich mag am längsten bei einem Klub tätig sein, allerdings war ich mit Mainz 13 Jahre davon in der zweiten Liga.

Dann sind Sie zumindest der treueste Manager der Liga. Da ist es im schnellen Fußballgeschäft erstaunlich, dass es dennoch mit Mainz 05 immer ein Stück aufwärts zu gehen scheint. Stimmt es also nicht, dass sich Klubs immer wieder neu erfinden müssen?

Wir haben eine andere Philosophie, was nicht heißt, dass unser Ansatz per se besser ist. Wir haben uns mal vor etwas über zehn Jahren, als Jürgen Klopp als Trainer bei uns anfing, auf die Fahnen geschrieben, dass die Philosophie des Vereins bei uns über allem stehen muss und wir uns nicht mehr vom Personal abhängig machen dürfen. Der Verein hat also klare Vorgaben an den Trainer, in welcher Art das Team zu spielen und wie der Verein nach außen aufzutreten hat.

Eine feste Philosophie, nahezu dasselbe Führungspersonal seit vielen Jahren. Ist Mainz 05 resistent gegen Veränderungen?

Sagen wir es anders: Kontinuität zieht sich bei uns wie ein roter Faden durch den gesamten Verein. Harald Strutz ist mit bald 25 Jahren der dienstälteste Präsident im deutschen Profifußball. Ich bin zwei Jahrzehnte dabei. Ich bin mir sicher, dass wir auch den dienstältesten Zeugwart haben. Und auch Trainer haben mittlerweile bei uns eine lange Verweildauer. Das bringt uns Berechenbarkeit nach innen wie nach außen. Man weiß, wie wir agieren. Häufige Trainerwechsel führen zu großer Fluktuation im Spielerbereich und im Team rund um die Mannschaft. Ein Neuaufbau folgt dem anderen.

In der Öffentlichkeit wird Ihr Verein nicht so stark wie andere wahrgenommen. Weil wenig Aufsehenerregendes passiert?

Meines Erachtens geht die Berichterstattung in manchen Medien einen merkwürdigen Weg. Da ist es für viele interessanter, wie der HSV auf die Trennung der Eheleute van der Vaart reagiert, als einmal zu fragen, wie es möglich ist, dass der HSV Jahr für Jahr in der Tabelle hinter einem kleinen Klub wie Mainz 05 steht. Oder beim 1. FC Köln oder bei Hertha wird nur gefragt, was da falsch gelaufen ist. Es wird nie gefragt, was Klubs wie Freiburg, Nürnberg oder auch Mainz 05 leisten, dass sie besser plaziert sind und den Kölnern und Berlinern eben den Platz in der Bundesliga wegnehmen.

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In jedem Fall haben Sie den Ruf als Überraschungsmannschaft der Liga weg.

Wir sind in den dreieinhalb Jahren seit dem Amtsantritt von Thomas Tuchel in einer gedachten Tabelle nach 119 Spieltagen Sechster, nur ganz knapp hinter Stuttgart, aber vor Bremen, Hamburg oder Wolfsburg. Deshalb dürften wir eigentlich nicht mehr als Überraschungsmannschaft bezeichnet werden, zumal wir jetzt aktuell wieder auf Rang sechs stehen. Aber wir können prima damit leben.

Nach so vielen Jahren als Manager könnten Sie vielleicht erstmals mit den Bayern an den Verhandlungstisch, wenn es um einen vorzeitigen Wechsel von Jan Kirchhoff noch vor Transferschluss am 31. Januar geht?

Da verschwende ich keinen Gedanken daran. Jan hat bis Ende Juni seinen Vertrag in Mainz und dann beim FC Bayern. Mehr nicht. Deshalb habe ich nicht verstanden, dass Matthias Sammer gesagt haben soll, dass der Ball bei uns läge. Wenn die Bayern Interesse an einem unserer Spieler haben, dann müssen sie anfragen. Aber bislang haben wir keinen Kontakt, und das ist absolut in Ordnung so. Hier wartet niemand auf einen Anruf. Wir wollen eine sportlich starke Rückserie spielen, und dabei wird uns Jan helfen.

Sie waren lange Zeit nebenbei noch Geschäftsführer eines Autohauses. Was ist denn einfacher: einen Spieler oder ein Auto zu verkaufen?

Ich glaube, die Spieler von Mainz 05 erfahren tagtäglich, dass uns der Mensch sehr wichtig ist. Das ist der markante Unterschied, und mir wird schon zugeschrieben, dass ich das verstanden habe.

Und wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Spieler suchen?

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