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0:5 gegen Werder Bremen Frankfurter Depression

14.05.2009 ·  Der Vorstandschef deprimiert, die Fans frustriert, die Profis resigniert: Eintracht Frankfurt muss nach dem 0:5 gegen Bremen noch einmal rechnen. Reicht es gegen den Abstieg? Wahrscheinlich ja, aber nächstes Jahr droht wieder die gleiche Rechnerei.

Von Cai Tore Philippsen, Frankfurt
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Nun muss in Frankfurt doch noch gerechnet werden, auch noch zehn Tage vor Saisonende. Vielleicht sogar mit dem Schlimmsten. Denn die Eintracht (33 Punkte) trennen nach dem 0:5 gegen Werder Bremen nur sechs Punkte und eine um drei Treffer bessere Tordifferenz vom derzeit 16. der Bundesliga Arminia Bielefeld (Siehe auch: Die aktuelle Tabelle der Fußball-Bundesliga). Mindestens bis zum Samstag, wenn Frankfurt mit einem Punktgewinn beim VfL Bochum einen Strich unter die Saisonrechnung machen könnte, wird addiert, subtrahiert und des Fußballfans liebstes Spielart, die Wahrscheinlichkeitsrechnung bemüht.

Wahrscheinlich ist, dass Eintracht Frankfurt in der Bundesliga bleibt, obwohl die zweite Halbzeit gegen Bremen mit einer Roten Karte (50./Ochs/Notbremse) und vier Toren (51. Frings/Foulelfmeter; 56. Frings; 60. Tziolis und 62.Pizarro) innerhalb von elf Minuten so unwahrscheinlich schlecht war. Schließlich müssten die drei Konkurrenten Mönchengladbach, Bochum und Bielefeld geschlossen an Frankfurt vorbeimarschieren, um die Mannschaft von Friedhelm Funkel noch auf den wieder eingeführten Relegationsplatz zu verdrängen. Dass Energie Cottbus die Eintracht noch gefährden könnte, ist wegen des desaströsen Torverhältnisses (-28) der Lausitzer endgültig unwahrscheinlich. Frankfurt (-18) steht in dieser Rechnung, die Almeida (77.) mit seinem Schuss noch eintrübte, vergleichsweise gut da.

„So darf man nicht einbrechen“

„Wir haben uns trotz aller Probleme immer von den Abstiegsplätzen fernhalten können, ich bin überzeugt, dass wir die Klasse halten“, sagte Funkel nach dem Spiel. Damit war zu rechnen. Denn dass Funkel einmal etwas Unerwartetes sagt, ist unwahrscheinlich. So mancher Anhänger war allerdings nicht mehr ganz so überzeugt von seiner Eintracht und ihrem Trainer. „Funkel raus“ brüllten ein paar Hundert von der Tribüne und später dann vor den sogenannten VIP-Räumen: „Wir haben bezahlt und werden verarscht.“ Doch die Krakeler waren keine Multiplikatoren, denn die meisten der 51.400 Zuschauer protestierten viel leiser, sie verließen schon nach 70 Minuten die WM-Arena, es wurde still.

„So darf man nicht einbrechen“, klage Frankfurts Torwart Markus Pröll, der der Spielfreude des DFB-Pokal- und Uefa-Pokal-Finalteilnehmers schutzlos ausgeliefert war. Der kühle Rechner Funkel hatte sich nach dem Elfmetertor mehr Gegenwehr und - gewohnt bescheiden - ein 0:1 gewünscht. Doch die Bremer, die ohne die verletzten Diego, Naldo und Mertesacker spielten und später auch noch Frings, Pizarro und Baumann schonten, wurden vom überragenden Özil zum lockeren Kantersieg geführt.

Ausrutscher nach oben

„Das ist sehr deprimierend“, sagte Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen später in den Katakomben. Dass der Abstieg trotz der höchsten Heimniederlage der unglücklichen Saison 2008/09 ein Stück unwahrscheinlicher geworden ist, sei kein Trost für ihn. „Ich habe andere Erwartungen“, sagte Bruchhagen, „wenn wir in Zukunft in der Bundesliga bestehen wollen, müssen wir uns erheblich steigern.“ Und so wir Bruchhagen in der Sommerpause wieder kalkulieren müssen: Wieviel kann der Verein für neue Spieler ausgeben? Wieviel ist noch verträglich, wann wird es zu gefährlich? Mit neuen Einnahmequellen in den nächsten Jahren ist nicht zu rechnen. Die lukrativen Uefa-Cup-Plätze zu erreichen, wäre nur mit einem millionenschweren Risikoinvestment in neue, bessere Kräfte vorstellbar. Doch so wird bei der Eintracht seit den frühen Neunzigern, als der damalige Präsident Ohms und Manager Hölzenbein den Verein zu einem Höhenflug und an den Abgrund wirtschafteten, nicht mehr gerechnet.

Platz neun im vergangenen Jahr, das zeigt ein Blick in die Statistik, war wohl ein Ausrutscher nach oben. Nach dem neunten Platz der Saison 1994/95 gab es nur noch drei Frankfurter Fußballthemen: Abstieg, Aufstieg und Abstiegskampf. Es ist relativ wahrscheinlich, dass das in den nächsten Jahren so bleibt.

Das Restprogramm der Abstiegskandidaten:

Eintracht Frankfurt (37:55/33): VfL Bochum (A); Hamburger SV (H)
Bor. Mönchengladbach (38:56/30):
Bayer Leverkusen (A); Borussia Dortmund (H)
VfL Bochum (36:54/28):
Eintracht Frankfurt (H); 1. FC Köln (A)
Arminia Bielefeld (27:48/27):
Borussia Dortmund (A); Hannover 96 (H)
Energie Cottbus (27:55/27):
VfB Stuttgart (A); Bayer Leverkusen (H)
Karlsruher SC (23:53/23):
Werder Bremen (A); Hertha BSC (H)

Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 0:5 (0:0)
Frankfurt
: Pröll - Ochs, Russ, Bellaid, Spycher - Inamoto (79. Fink), Meier, Chris - Mahdavikia, Fenin - Liberopoulos (63. Jung). - Trainer: Funkel
Bremen: Wiese - Fritz, Prödl, Baumann (76. Andersen), Boenisch - Tziolis, Niemeyer, Frings (59. Vranjes), Özil - Rosenberg, Pizarro (63. Hugo Almeida). - Trainer: Schaaf
Schiedsrichter: Peter Sippel (München)
Tore: 0:1 Frings (51.), 0:2 Frings (56.), 0:3 Tziolis (60.), 0: 4 Pizarro (62.), 0:5 Hugo Almeida (77.)
Zuschauer: 51.400
Rote Karte: Ochs nach einer Notbremse (50.)
Gelbe Karten: Chris (5/1), Bellaid (5) - Hugo Almeida (2)

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Jahrgang 1970, Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

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