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0:4 in München Frankfurt spielt bei den Bayern „Angsthasenfußball“

11.04.2009 ·  Bei den verunsicherten Bayern etwas mitnehmen - das war die Devise der Eintracht vor dem Auftritt beim Rekordmeister. In der Realität sah alles anders aus, München triumphierte mit 4:0. Zudem verletzte sich Frankfurts Köhler.

Von Marc Heinrich, München
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In der Abschiedsszene des Tages spielte Jürgen Klinsmann den Tröster. Ausgerechnet er. Der Trainer des FC Bayern, der momentan selbst einen Berg an Problemen zu bewältigen hat, bewies nach vollbrachtem Tagwerk Mitgefühl mit Friedhelm Funkel und legte seinem Frankfurter Pendant im Kabinengang tröstlich die Hand auf die Schulter. „Alles halb so schlimm“, sollte die freundschaftliche Geste unter Kollegen wohl bedeuten. Ausgerechnet gegen die bis zu diesem Nachmittag verunsicherten und zuvor von Wolfsburg und Barcelona vorgeführten und ihres Selbstbewusstseins beraubten Münchner erlebten die Hessen am Samstag ein Desaster erster Güte. Sie konnten Zuspruch hinterher deswegen gut gebrauchen: Mit 0:4 Toren verlor Funkels Team beim Rekordmeister und war damit noch gut bedient.

„Restlos enttäuscht“ war nicht nur Heribert Bruchhagen, der Frankfurter Vorstandsvorsitzende. Er nannte die durchweg fehlerhafte Eintracht-Darbietung einen „müden Kick“ und sprach von der „schwächsten Auswärtsleistung“ in der aktuellen Saison. „Wir haben schon oft kriselnden Mannschaften wieder auf die Beine geholfen“, sagte Bruchhagen sarkastisch, „das ist uns ein weiteres Mal eindrucksvoll gelungen.“

„Zu keinem Zeitpunkt fanden wir zu unserem Spiel“

Franck Ribéry (3. Minute), Luca Toni (17.), Lucio (23.) sowie Bastian Schweinsteiger (48.) schossen den ungefährdeten Erfolg für den neuen Tabellenzweiten heraus, der sich mit drei Punkten Rückstand kurz vor Runden-Ultimo weiterhin Chancen auf den 22. Titel ausrechnet. Für ihren mächtig in der Kritik stehenden Coach, der sich trotz ständig wieder aufflackernder „Klinsmann raus“-Rufe oft mit einem Lächeln auf der Auswechselbank zeigte, brachte der deutliche Erfolg drei Tage vor dem Champions-League-Rückspiel gegen den FC Barcelona zumindest ein bisschen Frieden mit sich.

Um die gute Atmosphäre bei den Frankfurtern, die sich zuletzt nach den ansehnlichen Ergebnissen gegen Cottbus und Hoffenheim auf dem Weg der Besserung wähnten, ist es dagegen erst einmal wieder geschehen. „Zu keinem Zeitpunkt fanden wir zu unserem Spiel und unserer gewünschten Kompaktheit“, stellte Funkel fest. Sein auffälligster Akteur am 27. Spieltag, Verteidiger Patrick Ochs, drückte es konkreter aus: „Das war Angsthasenfußball!“

„Irgendwie war das von uns heute gar nichts“

Die Partie in der ausverkauften WM-Arena war fast ein Duplikat des bajuwarischen Dramas im Viertelfinal-Hinspiel der „Königsklasse“ gegen die Spanier. Diesmal allerdings mit den zur Abwechslung in der Bundesliga mal wieder dominierenden Münchnern in den Hauptrollen. So ein Aufbaugegner wie die Frankfurter kam ihnen bei ihrem Selbstfindungs-Trip zu alter Stärke jedenfalls gerade recht: ängstlich, zurückhaltend, tatenlos - dem Außenseiter, der von 39 Gastspielen bei den Bayern nunmehr 30 verlor, wurde ein plötzlicher Anfall von Frühjahrsmüdigkeit zum Verhängnis.

Keimzellen des Misserfolgs gab es im Frankfurter Spiel jede Menge: Aus dem Mittelfeld, in dem weder Chris noch Michael Fink den Vorwärtsdrang ihrer Widersacher Ribéry, Mark van Bommel oder Bastian Schweinsteiger zu bremsen verstanden, gab es keine ordnenden Impulse; im Sturm war Einzelkämpfer Nikos Liberopoulos auf sich alleine gestellt und gewann gegen seine alles andere als ballsicheren Bewacher kaum einen Zweikampf; und in der Vierer-Abwehrkette wurden Habib Bellaid und Marco Russ an diesen sonnig-heißen anderthalb Stunden nicht nur beim ersten und dritten Gegentreffer eiskalt erwischt. „Man kann schon besser spielen“, merkte Zlatan Bajramovic völlig zu Recht an, „irgendwie war das von uns heute gar nichts.“

„Es hat ihn auf jeden Fall schlimm erwischt“

Die bis zu diesem Zeitpunkt schon reichlich unerfreulich verlaufene Dienstreise in den Süden erlebte in der 78. Minute ihre Krönung in negativer Hinsicht. Benjamin Köhler, dem auf der linken Defensivseite bis dahin wenig gelungen war, blieb nach einem ruppigen Duell mit Jos Sosa auf dem Rasen liegen, und seine Schmerzensschreie waren bis hinauf auf die Tribünen zu hören. Der Achtundzwanzigjährige konnte trotz längerer Behandlung den Platz nicht mehr aus eigenen Kräften verlassen und musste in die Umkleide getragen werden, die er am Abend auf Krücken humpelnd wieder verließ.

Eine erste Diagnose lautete auf Innenbandriss. An diesem Sonntag soll der kleine Allrounder, der Funkel zuletzt schon aus so manch misslicher Personalsituation geholfen hat, in der Heimat eingehender untersucht werden. „Es hat ihn auf jeden Fall schlimm erwischt“, machte sich Bruchhagen nach einer Unterredung mit den Medizinern keine falschen Hoffnungen: „Köhler wird uns im wichtigen Heimspiel nächste Woche gegen Gladbach nicht zur Verfügung stehen. Und für den Rest der Saison wohl auch nicht.“ Er machte dabei einen untröstlichen Eindruck.

Bayern München - Eintracht Frankfurt 4:0 (3:0)
München:
Butt - Lell (46. Oddo), Demichelis, Lucio (63. Breno), Ze Roberto - Schweinsteiger, van Bommel, Ottl, Ribery (63. Podolski) - Sosa - Toni. - Trainer: Klinsmann
Frankfurt: Nikolov - Ochs, Russ, Bellaid, Köhler - Chris, Fink - Steinhöfer (73. Mahdavikia), Meier (64. Bajramovic), Korkmaz (64. Caio) - Liberopoulos. - Trainer: Funkel
Schiedsrichter: Jochen Drees (Mainz)
Tore: 1:0 Ribery (3.), 2:0 Toni (17.), 3:0 Lucio (36.), 4:0 Schweinsteiger (48.)
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lell (4) - Ochs (5/4)

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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