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0:3 gegen Bochum Frankfurter Achterbahnfahrt Richtung Abstiegszone

Die Fans pfiffen, die Profis wollten kaum etwas sagen: Das 0:3 gegen Bochum hat der Eintracht merklich zugesetzt. Schlimmer als das Abrutschen Richtung Abstiegszone war jedoch die Art und Weise, wie die Frankfurter auftraten.

© dpa Vergrößern Fassungslos im Abstiegskampf: Sotirios Kyrgiakos

Auch in der dritten Halbzeit versäumten es die Profis von Eintracht Frankfurt Stärke zu zeigen. Außer Christoph Spycher und Markus Weissenberger stellte sich keiner von ihnen der Presse. Stattdessen zogen sie wortlos Richtung Kabine. Das deutliche 0:3 gegen den VfL Bochum, herausgeschossen durch Treffer von Torjäger Theofanis Gekas (32.) und Joel Epalle (58. und 69.), hatte den Spielern merklich zugesetzt. Doch nicht nur die Niederlage an sich, sondern die Art und Weise, wie sie zustande kam, muss Schlimmes befürchten lassen.

Tobias Rabe Folgen:    

„Die erste Halbzeit war eine absolute Katastrophe“, sagte der Schweizer Spycher und auch der Österreicher Weissenberger fand es „einfach nur noch frustrierend“, dass wieder einmal ein Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf verloren wurde. Große Hoffnung hatte die Eintracht in die drei Duelle gegen die Aufsteiger gesetzt. Nach dem 1:3 gegen Cottbus vor zwei Wochen und der Niederlage vom Samstag schwebt die Eintracht nun in akuter Abstiegsgefahr. Nur noch ein Punkt trennt sie von Aachen auf Platz 16.

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„Die schlechteste Halbzeit seit ich hier Trainer bin“

Dass man nicht vier Spieltage vor Saisonende gerettet sein würde, war wahrscheinlich. Doch die fußballerische Achterbahnfahrt, die die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel derzeit bestreitet, sollte sie schnellstens beenden, sonst heißt die Endstation „Zweite Bundesliga“. Hatte die Eintracht vor einer Woche noch in Bielefeld 4:2 gewonnen, ging sie am Dienstag im Pokalhalbfinale in Nürnberg 0:4 unter und präsentierte sich gegen Bochum desolat. „Die erste Halbzeit war die schlechteste seit ich hier Trainer bin“, musste Funkel eingestehen.

Eintracht Frankfurt''s coach Funkel reacts during his team''s German Bundesliga soccer match against VfL Bochum in Frankfurt © REUTERS Vergrößern Funkel: „Die erste Halbzeit war die schlechteste, seit ich hier Trainer bin”

Die 47.962 Zuschauer in der WM-Arena sahen das genauso und machten ihrem Frust Luft. Laute Pfiffe schallten schon nach dem 0:1 durch das Stadion. Später mischten sich auch vereinzelte „Funkel raus“-Rufe darunter, denen allerdings wiederum Pfiffe entgegnet wurden. Doch nun kurz vor Abschluss der Spielzeit eine Trainerdiskussion anzufangen wäre sicher nicht des Problems Lösung. Vorstandschef Heribert Bruchhagen stufte das Ergebnis als „ganz schwere Niederlage“ ein, äußerte sich zur Trainerfrage aber auch auf Nachfrage nicht.

„Wenn ich den Pass besser spiele, gewinnen wir noch“

Vielmehr müsse jeder Spieler sich selber an die Nase fassen, wie Weissenberger betonte und praktizierte: „Wenn ich den Pass besser spiele und das 1:1 fällt, gewinnen wir noch.“ Der Mittelfeldspieler bezog sich auf eine Szene in der 57. Minute als sein Ball im Bochumer Fünfmeterraum keinen Abnehmer fand. Im Gegenzug konterten die Gäste und trafen zum 0:2. Damit war der sowieso schon sehr geringe Widerstand der Frankfurter gebrochen und der VfL konnte aus der „Igelstellung“ (Bochum-Trainer Marcel Koller) Treffer Nummer drei nachlegen und Frankfurt zum „Verlierer des Spieltags“ (Funkel) machen.

Die Baustellen, die der Trainer in der kommenden Woche bearbeiten muss, sind zahlreich. Stürmer Ioannis Amanatidis verließ das Feld schon nach 23 Minuten mit einer Leistenverletzung. Aleksandar Vasoski leitete das 0:1 mit einem haarsträubenden Fehlpass ein. Und Marko Rehmer, immerhin früherer Nationalspieler, zeigte eine unterirdische Leistung. Der 34-Jährige wurde in der zweiten Hälfte bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen und von Funkel mit der Auswechslung erlöst. Hätte er öfter tauschen können, der Coach hätte wohl auch die restlichen Spieler ausgewählt.

Wieso verzichtet Trainer Funkel freiwillig auf Streit?

Neben dem sportlichen Dilemma trägt auch der Fall Albert Streit nicht zur Beruhigung der Lage bei. Wie schon in Bielefeld und Nürnberg war Eintrachts Nummer acht nicht im Kader. „Natürlich brauchen wir jeden Spieler, aber das ist eine Sache zwischen Albert und dem Trainer“, sagte Spycher diplomatisch. Michael Fink, der immerhin nach dem Duschen Rede und Antwort stand, gab zu, dass das Team das Thema nicht ganz ausblenden könne. Bleibt also die Frage, wieso Funkel freiwillig auf Streit verzichtet? „Weil sich jeder an Spielregeln halten muss. Sonst ist er nicht dabei“, sagte der Trainer, der aber betonte, dass es sich allein um Leistungsgründe handelt.

Ob Streit am Samstag wieder dabei ist, scheint ungewisser denn je. Dann geht die Reise nach Dortmund. Doch auf die recht gute Auswärtsbilanz mit nur vier Niederlagen in 15 Partien sollte sich die Eintracht nicht verlassen. Denn 80.000 Borussen-Fans warten darauf, ihr Team aus dem Abstiegsrennen zu schreien. „Dort müssen wir punkten, sonst wird es ganz, ganz eng“, sagte Spycher. Und dass man die Hoffnung auf drei Punkte keinesfalls in das Heimspiel danach gegen Aufsteiger Aachen setzen kann, sollte nach der Niederlage gegen Bochum jedem klar sein. Sonst fährt die Achterbahn geradeaus in Liga zwei.

Eintracht Frankfurt - VfL Bochum 0:3 (0:1)
Frankfurt: Nikolov - Rehmer (67. Russ), Vasoski, Kyrgiakos, Spycher - Fink, Huggel (46. Heller) - Meier, Weissenberger - Takahara, Amanatidis (23. Thurk)
Bochum: Drobny - Schröder, Maltritz, Yahia, Butscher - Epalle, Dabrowski (87. Drsek), Zdebel, Grote - Misimovic (87. Imhof) - Gekas
Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover)
Tore: 0:1 Gekas (32.), 0:2 Epalle (58.), 0:3 Epalle (69.)
Zuschauer: 47.962
Gelbe Karten: Huggel (3), - Grote (2)

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 21.04.2007, 21:08 Uhr

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