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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

0:2 in Leverkusen Bayerische Albträume

 ·  Die Auswärtsschwäche setzt dem FC Bayern zu. Auch in Leverkusen verlieren die Münchner durch zwei späte Tore trotz einer ordentlichen Leistung. Die Meisterschaft rückt durch den Dortmunder Sieg nun in die Ferne.

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© dapd Sinnbild für die Münchner Verfassung: Mario Gomez

Sie besiegten ihren Angstgegner erstmals wieder seit vierzehn Spielen und stürzten damit den großen FC Bayern München in eine schwere Krise. Statt bei Bayer Leverkusen endlich die inzwischen fast notorische Auswärtsschwäche abzulegen, verlor der Tabellenzweite nach einem über weite Strecken nicht einmal schlechten Spiel 0:2 durch die späten Treffer von Kießling (79. Minute) und Bellarabi (90.).

Spitzenreiter Borussia Dortmund, den Münchnern schon vor diesem 24. Bundesliga-Spieltag um vier Punkte enteilt, darf sich durch den 2:1-Sieg über Mainz im Abendspiel über einen Vorsprung von sieben Zählern freuen. Bayer Leverkusen dagegen darf als Tabellenfünfter nun wieder zarte Hoffnungen auf eine abermalige Champions-League-Qualifikation hegen, ehe es am Mittwoch zur Mission Impossible im Achtelfinalrückspiel (Hinspiel: 1:3) des laufenden Wettbewerbs zum Titelverteidiger FC Barcelona geht.

Die Länderspiele vom Mittwoch hatten ihre Spuren hinterlassen. Franck Ribéry, der eine Flügelflitzer, hatte sich noch nicht ganz erholt von der im deutsch-französischen Duell in Bremen erlittenen Oberschenkelprellung und saß zunächst auf der Bank. Arjen Robben, der andere Außenstürmer, blühte nach seinen zwei Wembley-Toren beim holländischen 3:2-Erfolg in England auf wie lange nicht mehr in einer Bundesliga-Begegnung.

Robben über links

Als wollte er es seinen Kritikern und Trainer Jupp Heynckes mal so richtig zeigen, demonstrierte der diesmal auf Ribérys Stammplatz links außen attackierende Niederländer alte Spitzenklasse und war an fast jeder der zahlreichen Münchner Torgelegenheiten beteiligt. „Herrlich, unter einem Trainer zu arbeiten, der Vertrauen schenkt und Spieler in Ruhe arbeiten lässt“, hatte Robben nach seinem Triumph in London in Richtung Bayern gesagt und sich so auch selbst angefeuert.

Wer zuletzt dreimal auf der Bank saß und als Egoist dargestellt wurde, in dem brodelt es – zumal, da der deutsche Fußball-Rekordmeister in den vergangenen Begegnungen auch nicht oft überzeugt hat. Das bayerische Reizklima in einer Situation, in der sich das Team nicht mehr viel erlauben kann, mutete einmal sogar bedrohlich an, als sich Boateng und Müller dermaßen heftig anmachten, dass der kleine Brasilianer Rafinha die großen Jungs trennen musste.

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Torschütze zum 1:0: Stefan Kießling © REUTERS Torschütze zum 1:0: Stefan Kießling

Also stürmten die Bayern von Beginn an gegen eine tief stehende Werkself forsch drauflos und besaßen nach Müllers Pass und Alabas Volleyschuss, den Leno parieren konnte, auch sogleich eine große Chance (2.). Sie führte so wenig zum Ziel wie Robbens Schüsse mit links und rechts, die knapp am Tor vorbeirauschten (13./21.). Da der Holländer dazu keineswegs nur auf sich fokussiert war, setzte er auch Müller (36.) und Gomez (40.) glänzend in Szene.

Doch die beiden deutschen Nationalspieler scheiterten ebenfalls: Müller mit einem Kopfballaufsetzer, der nur das Außennetz touchierte, Gomez aus vermeintlich freier Schussbahn, ehe Friedrich den Ball doch noch abblockte. Bayer kam in diesem temporeichen, guten Bundesligaspiel nur sporadisch dazu, die eigene Offensivkraft auszuspielen. Schürrle, freigespielt vom starken Renato Augusto, brachte frei vor Neuer den Ball nicht am reaktionsschnellen Bayern-Torwart vorbei.

24. Spieltag: Die nächste Bayern-Niederlage

Den späten Schwung der ersten Hälfte wollten die Rheinländer durch die Hereinnahme eines zweiten Stürmers an der Seite von Kießling noch verstärken. Doch auch der nach der Pause für den leicht angeschlagenen Friedrich gekommene Derdiyok änderte zunächst nichts an den vom FC Bayern bestimmten Verhältnissen.

Bei denen bereitete sich nun Ribéry auf seinen Teilzeiteinsatz vor, nachdem Robben bei einer weiteren großen Gelegenheit am starken Leno gescheitert war (58.). Dem Franzosen musste der keineswegs enttäuschende Gomez weichen (61.). Seinen Platz in der Spitze nahm der flexiblere Müller ein, während Ribéry wie immer über links und Robben endlich wieder über rechts anlief.

Das Niveau dieser Spitzenbegegnung nahm jetzt aufs Neue Fahrt auf, weil Bayer frecher wurde und Neuer seine ganze Weltklasse in die Waagschale werfen musste, um Kießlings Schuss aus nächster Nähe (66.), Kießlings Kopfball (67.) und Schürrles Distanzschuss (68.) abzuwehren. Die 30.210 Zuschauer in der ausverkauften Bay-Arena waren begeistert und verbreiteten eine Atmosphäre wie lange nicht in diesem Stadion.

Sie steigerte sich noch, als Stefan Kießling nach weitem Pass von Castro und einem artistischem Rückzieher von Derdiyok aus kurzer Entfernung das 1:0 für die Leverkusener glückte (79.). Zuvor war Neuer durch den Strafraum geirrt und verpasste Castros Hereingabe. Der eingewechselte Bellarabi (90.) setzte nach einem Konter noch einen drauf an diesem Leverkusener Feiertag.

Für die Bayern aber gerät die Tabellenspitze nach dem fünften sieglosen Auswärtsspiel in den vergangenen sechs Partien allmählich außer Reichweite. Der Traum von der 23. Meisterschaft droht zu platzen. Obwohl sich die Bayern seit Donnerstag in Köln auf das Spiel vorbereitet hatten, konnten sie ihre nun vier Spiele beziehungsweise 83 Tage dauernde Auswärtsflaute nicht beenden. Für Heynckes war es eine besondere Niederlage, hatte er in der vorigen Saison noch auf der Leverkusener Bank gesessen.

Bayer Leverkusen - Bayern München 2:0 (0:0)

Bayer Leverkusen: Leno - Schwaab, Friedrich (46. Derdiyok), Toprak, Kadlec - Reinartz, Bender - Castro, Renato Augusto (89. Rolfes), Schürrle (82. Bellarabi) - Kießling
Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Luiz Gustavo, Alaba - Robben, Kroos (74. Olic), Müller (82. Petersen) - Gomez (61. Ribéry)
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Kießling (79.), 2:0 Bellarabi (90.)
Gelbe Karten: Toprak (2) / Boateng (2), Luiz Gustavo (4), Rafinha (6)
 

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