10.05.2009 · Am Ende einer eigentlich schönen Saison scheint Hamburg alle Ziele zu verpassen. Zum Abschluss des Viererduells gegen Bremen gab es eine 0:2-Niederlage bei Werder. Almeida traf doppelt - und der HSV ist plötzlich nur noch Sechster.
Von Roland Zorn, BremenFür den Hamburger SV könnte diese Saison nach vielen schönen Wochen finster enden. Dem Halbfinal-Aus im DFB-Pokal und im Uefa-Cup-Wettbewerb droht nun ein Finale aller internationalen Hoffnungen. Bremen, das scheint das Millionengrab des HSV zu werden, der an Werder in den beiden Hopp-oder-Topp-Konkurrenzen ebenso scheiterte wie am Sonntagabend in der Bundesliga.
0:2 verloren die Hamburger das letzte von vier Nordderbys in rascher Folge durch zwei Treffer von Hugo Almeida (34. und 49. Minute), und damit verließen sie die für eine Teilnahme am Europapokal erforderlichen Ränge. Drei Spieltage vor Saison-Ultimo ist der HSV nur noch Sechster der Tabelle, überholt von den punktgleichen Dortmundern (siehe auch: Die aktuelle Tabelle der Fußball-Bundesliga).
„Endspiel“ der norddeutschen Spezialmeisterschaft
Der Pokal-Doppelfinalist Werder dagegen ließ sich im mit 42.000 Zuschauern ausverkauften Weserstadion nie hängen und „verteidigte“ mit dem lockeren Erfolg gegen völlig erschöpfte Hamburger den für Bremen bedeutungslosen Platz zehn. Schon wieder Werder: Das hörte sich für die HSV-Anhänger nach fortgesetztem Albtraum an. Auf den zweiten Blick sah das „Endspiel“ der neunzehntägigen norddeutschen Spezialmeisterschaft für alle, die es mit den Hamburgern halten, aber schon wieder freundlicher aus.
Werder fehlte am Sonntag der Star: Diego musste wegen eines am Samstag erlittenen Muskelfaserrisses passen. Dazu setzte Cheftrainer Thomas Schaaf, der die Grün-Weißen an diesem Montag seit zehn Jahren erfolgreich trimmt (siehe auch: Thomas Schaaf: Meistermacher, Pokalsieger - und Familienmensch und Marco Bode im Gespräch: „Schaaf und Allofs sind keine Busenfreunde“), die zweite offensive Galionsfigur, den Peruaner Claudio Pizarro, erst einmal auf die Bank. Außerdem musste er auf Mertesacker (Bänderriss im Sprunggelenk) sowie die gesperrten Fritz und Boenisch verzichten. Das führte zu einem Radikalumbau der Abwehr, in der sich vor dem vorzüglichen Wiese und neben dem eleganten Naldo die Verteidiger Harnik, Prödl und Tosic bewähren mussten.
Rosenberg legt vor und Almeida schließt locker ab
Der Hamburger Coach Martin Jol konnte wie Schaaf auch nicht aus dem Vollen schöpfen. Sein bester Stürmer Ivica Olic, der beim jüngsten Duell mit Werder doch keinen Kreuzbandriss wie zunächst befürchtet sondern nur eine Knieprellung erlitten hat, stand diesmal nicht in der Startelf. Petric, die zweite Offensivkraft des HSV, verletzte sich beim Aufwärmen am Sprunggelenk. Sachen gibt's. Also musste der schmächtige Pitroipa neben Guerrero als zweiter Stürmer ran.
Die Zuversicht der Hamburger war gleichwohl groß, mit einem Sieg im Nordderby zur führenden Vierergruppe der Liga aufschließen zu können. Bis zum Anstoß. Danach nämlich offenbarten die Hamburger nach den Bremer Niederschlägen zuvor eine mentale Leere und körperliche Schwäche, die nichts Gutes verhieß. Werders Notelf fasste zusehends Fuß und belohnte sich für den stärkeren Willen in diesem Derby-Nachspiel zu zwei großen Pokalrunden in der 34. Minute. Rosenberg konnte unbedrängt zu einem Flankenlauf ansetzen und Almeida dessen Vorlage ebenso frisch und frei zum 1:0 verwerten.
Hamburg war einfach nicht frisch und stark genug
Der HSV besaß in den ersten 45 Minuten zwei kapitale Gelegenheiten. Doch zuerst scheiterte Trochowski (24.), danach Guerrero (41.) am wieder einmal glänzend parierenden Wiese. Das Publikum, soweit Bremer Provenienz, feierte seinen Schlussmann so hingebungsvoll wie es den Nordrivalen verhöhnte. „Schade, Hamburg, alles ist vorbei!“. Wirklich? Wirklich! Da Profifußballer es manchmal nie lernen, wiederholten die Bremer ihr Erfolgsmuster vom ersten Tor nach der Pause gleich noch einmal.
Diesmal flankte Özil von links auf den abermals freudig wartenden Almeida, und schon hieß es 2:0 (49.). Peinlich für den HSV, dessen aggressiv gestimmte Anhänger mit dem Zünden von Rauchbomben antworteten. Auch Trainer Jol schien die Welt an diesem Sonntagabend nicht mehr recht zu verstehen. Er wechselte den bis dahin besten Hamburger, Jansen, gegen Streit und dazu Trochowski gegen Olic aus (56.). Geholfen hat's nichts. Dafür war der HSV an diesem Sonntag als ernsthafter Widersacher einfach nicht frisch und stark genug.
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