Es ist wohl mehr als eine Niederlage, die der FC Schalke 04 den FC Bayern München beigebracht hat, es ist höchstwahrscheinlich das Ende der letzten Meisterträume und vielleicht sogar das von Jürgen Klinsmann beim Branchenprimus. Als die 0:1-Niederlage vor 69.000 Zuschauern in der Münchner Arena besiegelt war, ging der Blick des Bayern-Trainers ins Leere, ganz so, als glaube er selbst nicht mehr an sein Projekt.
Die Schalker, die ihre Siegesserie fortsetzten und den Anschluss an die Plätze mit internationaler Startberechtigung wahrten, waren früh durch Halil Altintop in Führung gegangen, die Münchner agierten nie wie eine Mannschaft, die sich gegen die Niederlage aufbäumte, die mit aller Macht noch um den Meistertitel kämpft - und um den Verbleib ihres Trainers. „So ein Tag wie heute tut weh, das ist doch klar. Aber wir ziehen das durch - in vier Wochen wissen wir mehr“, antwortete Klinsmann auf die Frage nach seiner Zukunft.
Ohne die nötige und erwartete Leidenschaft
Die Schalker waren mit der Empfehlung nach München gereist, unter dem Trainer-Tandem Büskens/Mulder noch kein Spiel verloren zu haben. Die Bayern immerhin gingen ins Duell mit dem Selbstbewusstsein, in den vergangenen vier Jahren keine Pflichtpartie gegen die „Königsblauen“ als Verlierer beendet zu haben. Jürgen Klinsmann hatte zunächst auf den genesenen Lukas Podolski im Sturm verzichtet, Sosa, Zé Roberto und Ribery sollten die einzige Spitze Luca Toni unterstützen. Der Rekordmeister bestimmte von Anfang an das Geschehen auf dem Platz, ohne allerdings die in dieser Phase der Saison nötige und erwartete Leidenschaft. Klinsmann hatte „eine heiße Kiste“ prophezeit, auf die Einstellung der meisten seiner Spieler traf dies aber nicht zu.
Die Gelsenkirchener kamen in den ersten 20 Minuten allerdings nur selten aus der eigenen Hälfte heraus, für die auffälligste Aktion sorgte der Uruguayer Sanchez, als er nach elf Minuten kopfüber über die Seitenbande flog. Dass die erste Angriffsaktion gleich Folgen hatte, lag vor allem an der ungenauen Deckungsarbeit des FC Bayern. Bei einem Eckball von Christian Pander fühlte sich offenbar niemand für Halil Altintop zuständig, der zum 1:0 (21. Minute) für den FC Schalke traf.
Toni und Ribéry zu berechenbar
Eine Trotzreaktion der Münchner blieb nach dem Rückstand zunächst aus. Ohne Esprit schoben sie sich den Ball gegenseitig zu - und damit auch die Verantwortung. Das Spiel nach vorne war weitgehend wirkungslos, weil Toni und auch Ribéry zu berechenbar waren. So leblos wie die Münchner Mannschaft waren an diesem Nachmittag zunächst auch deren Fans. Als die Schalker Anhänger nach einer knappen halben Stunde „Klinsmann raus“ riefen, blieb es auf gegenüber liegenden Seite der Arena stumm. Erst als die Münchner in die Kabine verschwanden, gab es ein Pfeifkonzert.
In der zweiten Hälfte schickte Klinsmann in Podolski einen zweiten Stürmer auf den Platz, eine Maßnahme, die er wohl besser schon zu Spielbeginn ergriffen hätte. Gerade waren ein paar Sekunden gespielt, da hätte van Bommel beinahe den Ausgleich erzielt, aber Schalkes Torhüter Manuel Neuner kann den verdecken Schuss des Münchner Kapitäns abwehren.
Gelb-Rot für Jones und Ribéry
Die Bayern bemühten sich nun mehr um die Offensive, ein wenig variabler wirkte das Spiel nun, aber die Abwehr der Schalker stand sicher - und hatten obendrein Glück. In der 56. Minute klärte Sanchez im Getümmel statt mit dem Fuß mit der Hand, Schiedsrichter Herbert Fandel aus Kyllburg übersah die Regelwidrigkeit allerdings und verwehrte den Bayern den fälligen Strafstoß. Die Schalker beschränkten sich nun aufs gelegentliche Kontern - und waren damit beinahe gefährlicher als die Münchner mit ihren permanenten Angriffen. In der 52. Minute konnte Hans-Jörg Butt einen abgefälschten Schuss von Pander nicht festhalten, allerdings kam Kuranyi einen Schritt zu spät. Und nach einer Stunde erlaubte sich Lucio einen schweren Fehler, den Sanchez beinahe zur 2:0-Führung genutzt hätte.
In der Schlussphase der Partie wurde es noch einmal höchst turbulent, allerdings nicht spielerisch. Zunächst sah Schalkes Jones nach einem rüden Foul an van Bommel die Gelb-Rote-Karte (70.). Er war in der ersten Halbzeit schon einmal folgenreich mit dem Münchner Kapitän aneinandergeraten, da war die Hand des Nationalspielers im Gesicht des Holländers gelandet. Dafür wurde er mit Gelb schon gut bedient. Aber nach sechs Minuten waren wieder Gleichheit hergestellt auf dem Platz. Ribéry foult Rafinha, den vielleicht künftigen Mannschaftskollegen, an der Strafraumgrenze und sieht ebenfalls seine zweite Gelbe Karte im Spiel. Nun wachten auch die Bayern-Fans auf, sie stimmten ihren seit Wochen liebsten Ruf an: „Klinsmann raus“ tönte durch das Stadion, auch nach lange dem Schlusspfiff.
Klinsmann raus!
Marcel Meier (MarcelMeier)
- 25.04.2009, 23:42 Uhr