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0:1 gegen Mönchengladbach Neuers Ausflug verdirbt Bayerns Start

07.08.2011 ·  Als großer Favorit geht der FC Bayern wieder in eine neue Saison: Doch ein haarsträubendes Missverständnis zwischen Neuer und Boateng beschert Mönchengladbach einen Überraschungssieg in München. De Camargo trifft zum 1:0.

Von Christian Eichler, München
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Der Rekordmeister wollte zum Angriff auf den Meister blasen, doch zumindest den Start in die neue Saison der Bundesliga hat der FC Bayern verpatzt. Am Sonntagabend verloren die Münchner 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach, das sich den Sieg mit einer soliden Abwehrleistung redlich verdiente.

Das Siegtor köpfte Igor de Camargo in der 62. Minute nach einem haarsträubenden Missverständnis zwischen Torwart Manuel Neuer und Innenverteidiger Jerome Boateng. „Das war mein Fehler. Es war keine leichte Situation, es war ein schwieriger Ball“, sagte Neuer. Es war in diesem Bundesliga-Klassiker erst der zweite Sieg der Gladbacher bei ihrem 43. Besuch in München.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes hatte eine Start-Elf aufgeboten, die nicht von der Spielkunst, aber doch von der Jugendlichkeit an die von Meister Borussia Dortmund erinnerte. Kein Spieler war älter als 27, der Altersdurchschnitt betrug knapp über 24 - selten gab es eine so junge Bayern-Elf, die zugleich so erfahren war. Neu im Team die drei Neulinge Neuer, Boateng und Rafinha, die die in der letzten Saison wacklige Bayern-Defensive in dieser Spielzeit stabilisieren sollen. Auf Gladbacher Seite hatte Trainer Lucien Favre keinen seiner neu verpflichteten Spieler aufgestellt.

Beiden Teams soll die neue Saison die Gelegenheit zur Wiedergutmachung bieten. Schließlich hatten beide in der letzten Spielzeit ihre Minimalziele nur mit knapper Not und nach Trainerwechseln im Endspurt noch erreicht - die einen als Dritter, die anderen als Drittletzter. Doch der Neustart verlief für den Rekordmeister enttäuschend. Die Bayern schafften es kaum einmal, mit Tempo in Tornähe zu kommen, der Spielaufbau über Bastian Schweinsteiger war oft so behäbig, dass kaum Zwingendes entstand.

Tempo, Spielwitz und rasches Umschalten fehlen

„Dominanz und Ballbesitz reichen heute nicht mehr“, hatte Trainer Jupp Heynckes zuvor im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt und damit die Doktrin seines Vorgängers Louis van Gaal für überholt erklärt. Vor allem die erste Halbzeit war wie ein Beleg für das, was Heynckes meinte - Ballbesitz und Dominanz waren vorhanden, aber es fehlten Tempo, Spielwitz und das rasche Umschalten nach Ballgewinn. So blieb die Offensive Stückwerk.

Ein harmloser Kopfball von Mario Gomez (7. Minute), ein gelungener Steilpass von Philipp Lahm auf Gomez, der dann aber am zweiten Verteidiger hängenblieb (18.), ein harter, aber unplatzierter Distanzschuss von Toni Kroos (26.), ein Direktschuss von Robben weit über das Tor (33.) und ein Linksschuss von Kroos am Pfosten vorbei (38.) - es war das Protokoll fruchtloser Bemühungen, die nicht einmal halbe Chancen hervorbrachten.

Gomez trifft nach Robbens Ecke nur den Pfosten

Näher kamen dem Führungstreffer die Gladbacher, nachdem sie begannen, sich auch einmal etwas zuzutrauen. Das tat vor allem Marco Reus, der einmal zu spät gegen Neuer kam (18.), sich einmal bei einem Dribbling kurz vor dem Abschluss festrannte (30.), dann aber drei Minuten vor der Pause Juan Arango mit einem feinen Doppelpass bediente. Der Venezolaner drehte den Ball aus 16 Metern mit dem linken Außenrist Richtung linkes oberes Toreck, Torwart Neuer war zum ersten Mal gefordert, erwischte den tückischen Schuss mit einer Hand und hatte Glück, dass der Ball sich knapp um den Pfosten drehte.

Es dauerte bis zur 48. Minute, ehe der Gladbacher Torwart Marc-Andre ter Stegen ebenfalls erstmals ernsthaft gefordert wurde. Müller hatte Gomez von links glänzend bedient, doch dessen gefährlichen Kopfball, flach ins kurze Eck, wehrte ter Stegen flink abtauchend gekonnt ab. Sieben Minuten später kam Gomez dem Ziel noch näher, er hatte Pech, als er mit seinem Kopfball nach Robbens Ecke nur den Pfosten traf.

Boateng bleibt weg, Neuer kommt zu spät - Tor

Nach 59 Minuten lag der Ball plötzlich im Münchner Tor, doch nach Arangos Freistoß gab Schiedsrichter Rafati den Treffer wegen eines angeblichen Fouls an Schweinsteiger nicht. Drei Minuten später gab es keinen Zweifel mehr, denn auch ohne gegnerischen Körperkontakt schenkten Boateng und Neuer den Gladbachern das 0:1. Nach einem langen Schlag von Brouwers aus der Gladbacher Hälfte waren sich die beiden Bayern-Neuzugänge nicht einig. Boateng blieb weg, Neuer kam zu spät, und de Camargo köpfte den Ball ins leere Tor.

Wütend drängten die Bayern, verstärkt durch den für Kroos eingewechselten Rekonvaleszenten Franck Ribery, auf den Ausgleich. Arjen Robben, sonst wirkungslos, zog nach innen, schoss scharf und flach aufs kurze Eck, doch ter Stegen war unten (66.). Der junge Torwart steigerte sich zu einer starken Leistung, hielt auch Schweinsteigers Schuss glänzend (77.). Heynckes versuchte alles, brachte den aus Cottbus geholten Zweitliga-Torschützenkönig Nils Petersen für Boateng, doch auch gegen vier Stürmer hielt das Gladbacher Bollwerk.

Bayern München - Bor. Mönchengladbach 0:1 (0:0)
Bayern München:
Neuer - Rafinha, Boateng (76. Petersen), Badstuber, Lahm - Luiz Gustavo, Schweinsteiger - Robben, Kroos (60. Ribéry), Müller - Gomez
Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke (90. Marx), Brouwers, Dante, Daems - Reus (90.+2 Rupp), Nordtveit, Neustädter, Arango - Hanke (83. Herrmann), de Camargo
Schiedsrichter: Rafati (Hannover)
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Tor: 0:1 de Camargo (62.)
Gelbe Karten: - / de Camargo (1)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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