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0:1 gegen Gladbach Die 18 wird zum Hamburger Stammplatz

 ·  Auf wen sollen die Fans des einst erfolgreichen Hamburger Sportverein eigentlich sauer sein? Trainer Oenning lässt keine taktische Ausrichtung erkennen. Die Mannschaft ist bestenfalls harmlos, erscheint aber meist willenlos. Gegen Gladbach ist ein neuer Tiefpunkt erreicht.

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© REUTERS Schlimmer geht immer: Dennis Aogo und der HSV

Der Stammplatz am Tabellenende ist und bleibt verdient. Mit einer 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach bekräftigte der Hamburger SV seinen Status als derzeit größtes Sorgenkind der Fußball-Bundesliga. Dem entscheidenden Kopfballtreffer vom Gladbacher Stürmer Igor de Camargo (66. Minute) waren ein Zögern von HSV-Torhüter Jaroslav Droby und Einwechselspieler Heung-Min Son vorausgegangen. Und der folgenschweren Szene war eine Schlussphase gefolgt, in der die Hamburger Profis mit hängenden Köpfen ideen- und chancenlos blieben. Die gemeine Frage, ob Michael Oenning wirklich der richtige Trainer für den HSV ist, wird nach diesem abermaligen Rückschlag und der fünften Niederlage im sechsten Saisonspiel an Schärfe gewinnen.

Zu den wenigen Konstanten, die der Hamburger SV in dieser Saison bisher zu bieten hat, gehört die Streitlust von David Jarolim. Der ewig schimpfende und grätschende Tscheche versuchte auf gewohnte Art, seine einfallslosen Kollegen wachzurütteln. Hier ein Foul, dort eine Diskussion - zehn Minuten vor der Halbzeitpause sah Jarolim die Gelbe Karte, weil Schiedsrichter Peter Sippel ihm eine schauspielerische Einlage vorwarf. Die umstrittene Szene blieb einer der weniger Höhepunkte der ersten Halbzeit. Dass die Gladbacher deutlich seltener, aber dafür stets eleganter am Ball waren, ermöglichte ihnen zumindest einige gelungene Spielzüge. Und ihre Zurückhaltung reichte, um den HSV so harmlos aussehen zu lassen, dass es in dem einst so stimmungsvollen Hamburger Stadion beängstigend still blieb.

Es fällt schwer, eine Antwort auf die Frage zu finden, auf wen die Fans des Hamburger SV angesichts dessen Harmlosigkeit eigentlich sauer sein sollen. Unter der Regie von Oenning zählt die Mannschaft seit sechs Spieltagen zu den schlechtesten der Liga, weil keine Spielgestaltung gelingt und keine taktische Ausrichtung in Sicht ist. Die Fortschritte oder der Entwicklungsprozess, den der 45 Jahre alte Trainer seinen Profis attestiert, werden nicht sichtbar.

Dass sich Oenning gegen Gladbach „totale Leidenschaft und mehr Entschlossenheit“ von seinen Spielern gewünscht hatte, muss beim Gang von der Umkleidekabine in den Innentraum des Stadions vergessen worden sein. Der Venezuelaner Tomas Rincon gab nichts dafür zurück, dass er in die Startelf gerückt war. Und Marcell Jansen brachte auf der linken Außenseite das Kunststück fertig, gleich zweimal unbedrängt nicht vor das Tor, sondern in den Fanblock zu flanken.

Eine Mischung aus Elan und Geschick hat sein Trainerkollege Lucien Favre hingegen auf wundersame Weise zum neuen und ständigen Begleiter der Mönchengladbacher Profis gemacht. Was auch immer sich vor dem starken Torhüter Marc-André ter Stegen abspielt: Es sieht äußerst solide, durchdacht und harmonisch aus. Das gepflegte Kombinationsspiel lässt vergessen, dass die Gladbacher vor vier Monaten noch am Abgrund zur zweiten Liga standen. Ihrem Treffer des Tages von de Camargo hätten die Gladbacher in der Schlussphase leicht noch das eine oder andere Tor folgen lassen können. Aber es reichte auch so zu einem Sieg, der dazu beitrug, die Mannschaft ganz weit vorne in der Tabelle zu etablieren und Oenning weiter unter Druck zu bringen.

Hamburger SV: Drobny - Mancienne, Westermann, Rajkovic, Aogo - Rincón, Tesche - Jarolim (69. Berg), Skelbred (56. Son), Jansen (56. Töre) - Petric
Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dante, Daems - Marx (65. Nordtveit), Neustädter - Herrmann (65. Bobadilla), Arango - Reus, de Camargo (90.+4 Stranzl)
Schiedsrichter: Sippel (München)
Zuschauer: 55.797
Tor: 0:1 de Camargo (66.)
Gelbe Karten: Jarolim (2), Tesche (1) / Arango (1), Neustädter (1), Reus (1)

Quelle: FAZ.NET
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