Borussia Dortmund hat durch einen mühsamen 1:0-Sieg bei Hertha BSC seine Tabellenführung verteidigt. Der Treffer des Tages zum Arbeitssieg gelang Kevin Großkreutz in der 66. Minute mit einem wunderbaren Fallrückzieher. Die Hertha erlebte im ausverkauften Olympiastadion ihre nun schon fünfte Niederlage nacheinander in der Rückrunde, aber die Berliner waren dennoch lange ein gleichwertiger Gegner. Die Lage beim Fünfzehnten der Liga hat sich aber zumindest in der Tabelle nicht weiter verschärft, weil auch die Konkurrenz aus Kaiserslautern und Augsburg verlor. Von Montag an soll aber nun in der Hauptstadt alles besser werden, wenn Otto Rehhagel nach zwölf Jahren Bundesligapause mit der Hertha den Kampf um den Klassenverbleib aufnimmt.
Die Hertha begann mit dem Mut und auch der Wut der Verzweiflung nach Wochen voller Rück- und Tiefschläge. Es schien auf einmal eine in der Not doch günstige Konstellation zu sein, die dem großen Außenseiter und Aufsteiger gegen den Tabellenführer und Meister zufiel. Der neue Trainer Otto Rehhagel stand schon vor der Tür, die Übergangstrainer Rene Tretschok und Ante Covic hatten ohnehin nichts zu verlieren, und die Mannschaft war nach dem 0:5 beim VfB Stuttgart, das Michael Skibbe nach nur vier Bundesligaspielen den Job gekostet hatte, den Fans und ihrem eigenen Ruf noch etwas schuldig. In der ersten Halbzeit gelang es dem Tabellenfünfzehnten dann auch, die Partie gegen die Borussia weitgehend offen zu gestalten. Das gefürchtete Kurzpassspiel und das schnelle Umschalten, das Jürgen Klopps Team ansonsten so oft auszeichnet, kam in der ersten halben Stunde gar nicht und dann nur selten in Gang.
Die erste, wenn auch gleich exzellente Gelegenheit ging einem Berliner Fehlpass in der eigenen Hälfte voraus, der Blaszczykowski auf der rechten Seite freie Bahn verschaffte. Sein Pass erreichte wie gewünscht den im Strafraum freistehenden Barrios, doch der Torjäger verstolperte diese Möglichkeit, wie ihm das nicht oft passiert (31. Minute). Fünf Minuten später war es eine erstaunliche Unaufmerksamkeit von Nationalspieler Mats Hummels, die Hertha die beste Chance in der ersten Halbzeit schenkte. Der Innenverteidiger träumte im eigenen Strafraum und ließ sich von Raffael den Ball stibitzen, aber Torwart Weidenfeller stellte sich dem Brasilianer gerade noch erfolgreich in den Weg (36.).
Als ob er seinen Fehler wiedergutmachen wollte, tauchte Hummels dann gleich zweimal gefährlich im Berliner Strafraum auf (37. und 38.), aber mit Geschick und Glück verhinderten die Berliner einen Rückstand gegen einen Tabellenführer, der nun immer besser zu seinem Spiel fand. Sekunden vor der Pause scheiterte Piszczek nach der besten Dortmunder Kombination am hervorragend reagierenden Hertha-Torwart Kraft. Der Dortmunder verletzte sich beim Zusammenprall mit Kraft und wurde ausgewechselt.
Große Herausforderung für Rehhagel
Vor der zweiten Halbzeit versammelte Hertha-Assistent Covic das Team auf dem Platz im Kreis, um den zuletzt so mangelhaften Zusammenhalt nach zehn Bundesligaspielen ohne Sieg noch einmal zu beschwören. Aber in der 50. Minute versäumten es die Berliner, ihrer schwarzen Serie ein Ende zu bereiten. Nach einem klugen Zuspiel von Ramos hatte Ebert viel Zeit und Platz und aus bester Position nur noch Weidenfeller vor sich, doch er schob den Ball am Tor vorbei. Zwei Minuten später bot sich Ebert nach Hummels’ nächstem Patzer eine ähnliche, aber nicht ganz so gute Chance, aber der Ball ging am selben Pfosten vorbei.
Nach 66 Minuten kam es, wie es dann so oft kommt: Die Borussia nutzte ihre erste Chance nach der Pause zur 1:0-Führung. Zunächst konnte Kraft einen Kopfball von Lewandowski noch spektakulär an die Latte lenken, doch der herrliche Fallrückzieher von Großkreutz fand dann sein Ziel. Dortmund verließ als Tabellenführer das Olympiastadion, die Hertha als große Herausforderung für Otto Rehhagel.
Hertha BSC: Kraft - Janker, Hubnik, Mijatovic, Bastians (74. Ronny) - Niemeyer, Kobiaschwili - Ebert, Raffael, Rukavytsya (63. Lasogga) - Ramos
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek (46. Owomoyela), Subotic, Hummels (79. Felipe Santana), Schmelzer - Bender, Kehl - Blaszczykowski, Lewandowski, Großkreutz - Barrios (77. Leitner)
Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: 74 244 (ausverkauft)
Tor: 0:1 Großkreutz (66.)
Gelbe Karten: keine
Hatte Feldkamp keine Lust und Lattek keine Zeit?
Tim Sonder (timbo_em)
- 18.02.2012, 18:50 Uhr