Zweifelnd und hadernd stand der neue Hoffnungsträger hinter der Werbebande vor seinem neuen Arbeitsplatz. Der Mangel an Zuversicht, den Pierre Littbarski bei seinem Einstand als Bundesligatrainer offenbarte, hatte sich offenbar auch auf die glücklose Mannschaft des VfL Wolfsburg übertragen. Die Niedersachsen setzten ihre Talfahrt in der Fußball-Bundesliga fort und verloren das Heimspiel gegen den Hamburger SV 0:1. Unter der Regie von Littbarski spielten die VfL-Profis zwar überraschend einsatzfreudig, enttäuschten aber in der Offensive. Und der solide kombinierende HSV triumphierte vor 30.000 Zuschauern durch einen von Mladen Petric in der 33. Minute verwandelten Foulelfmeter.
Wer Littbarski bei seiner Arbeit beobachtet, die er am Dienstag am Ufer des Mittellandkanals aufgenommen hat, wird nicht ganz schlau aus seiner Beförderung. Der Weltmeister von 1990 hat als weltenbummelnder Trainer bisher nur Erfolg weitab des deutschen Profifußballs gehabt. Und seine jüngsten Versuche, sich gegenüber der Wolfsburger Mannschaft Respekt zu verschaffen, waren nur bedingt von Erfolg gekrönt. „Das klappt noch nicht so richtig“, antwortet Littbarski auf die Frage, ob sich seine Spieler tatsächlich daran halten und ihn wieder siezen.
Der „Litti“, wie man ihn seit Jahrzehnten nennt, war in Wolfsburg eben noch Co-Trainer und möchte oder muss jetzt aus dem Stand heraus der Herr Littbarski sein. „Wir haben alle großen Respekt vor ihm und einer Erfahrung“, versichert Verteidiger Marcel Schäfer. Aber der Kapitän der Wolfsburger hatte auch schon über Wochen versichert, dass es keinen triften Grund gebe, den erfolglosen Briten Steve McClaren als Cheftrainer des VfL zu entlassen.
Wie man Stars den nötigen Elan oder die entsprechende Einsatzbereitschaft mit auf den Weg bringt, muss Littbarski vor allem noch seinem Angreifer Grafite klarmachen. Denn der Brasilianer, angesichts der ersten kritischen Töne von Littbarski während der Trainingswoche ein wenig verärgert, ist mit dem Nachfolger von McClaren bereits leicht aneinander geraten.
Der HSV gefälliger
Bis sich die Kompetenzen geregelt haben und die nach der Winterpause noch einmal mit sechs Profis verstärkte Wolfsburger Mannschaft neu sortiert hat, dürfte noch eine ganze Weile vergehen. Grafite spielte ähnlich harmlos wie zuletzt. Und in Abwesenheit des aus disziplinarischen Gründen auf die Tribüne verbannten Diego sorgte vor allem Neuzugang Tuncay Sanli für deutlich mehr Torgefahr als Grafite und sein neuer Sturmpartner Patrick Helmes.
Was den Wolfsburgern nicht gelingen wollte, führten die Hamburger voller Geschick vor. Wie es sich für eine eingespielte Mannschaft gehört, kombinierte die Elf des früheren Wolfsburger Trainers Armin Veh deutlich gefälliger. Marcell Jansen, Ruud van Nistelrooy und Petric durften sich mehrfach beim Torschuss versuchen. Den gewünschten Erfolg hatte aber nur Petric, der in der 33. Minute einen an ihm selbst verursachten Foulelfmeter verwandelte. Auf Wolfsburger Seite hieß der Übeltäter vor diesem Treffer Simon Kjaer. Der Däne war bei seinem Zweikampf mit dem technisch starken Petric viel zu ungestüm vorgegangen.
Das Märchen vom Meister
Horst Günther (MarkTwain)
- 13.02.2011, 09:05 Uhr