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0:0 in Wolfsburg Gladbachs Offensivdrang gebremst

04.02.2012 ·  In Wolfsburg fehlt den Gladbacher Stürmern die Durchschlagskraft und Reus die Übersicht. Magath stellt nebenbei einen Rekord auf.

Von Christian Otto, Wolfsburg
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© dapd Darf nicht wahr sein: Gladbachs Hanke in Wolfsburg

Ihr starkes Aufbegehren in der zweiten Halbzeit reichte nicht. Der während der Winterpause noch einmal erheblich verstärkte VfL Wolfsburg musste sich im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach mit einem 0:0 begnügen. Was dem Einen nicht reicht, um sich von den Abstiegsrängen der Fußball-Bundesliga entscheidend zu entfernen, war für den Anderen auch ein kleiner Rückschlag.

Denn die Gladbacher, zumindest in der ersten Halbzeit die spielerisch deutlich überlegene Mannschaft, sind seit langer Zeit wieder einmal in ihrem Offensivdrang gebremst worden und haben im Kampf um die Tabellenspitze überraschend an Boden verloren.

20. Spieltag: Der Gewinner heißt Dortmund

Es war nicht die Kälte, die Lucien Favre kurz vor Ende der ersten Halbzeit dazu veranlasst hatte, sich an der Außenlinie energisch in Bewegung zu setzen. Der besonnene Gladbacher Trainer wollte sich viel mehr darüber aufregen, dass Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) zahlreiche Angriffe seiner Mannschaft im entscheidenden Moment wegen Abseitsstellungen gestoppt hatte. Der Referee hatte bei einem Kopfball von Roel Brouwers und einem Schuss von Mike Hanke im ersten Durchgang jeweils ein Tor nicht gegeben. Wie die Fernsehbilder später belegten, war es zumindest im Fall von Hanke angebracht, sich über die Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns ein wenig aufzuregen.

Mandzukic nur auf der Bank

Das Duell des VfL vom Mittellandkanal mit dem VfL vom Niederrhein war vor allem deshalb ein spannendes, weil zwei völlig unterschiedliche Taktiken aufeinander trafen. Die Gladbacher setzten immer wieder zu ihren schönen Kombinationen an, woran in den meisten Fällen Juan Arango, Marco Reus, Patrick Herrmann und Hanke beteiligt waren. Gegen dieses variable Angriffsspiel hatte der Wolfsburger Trainer Felix Magath eine sehr defensiv ausgerichtete Elf gewählt und in seiner Anfangsformation wieder einmal für Überraschungen gesorgt.

Dass der Kroate Mario Mandzukic, über dessen Gehalt und Zukunft beim VfL es zuletzt einige Irritationen gegeben hatte, zunächst nur auf der Ersatzbank gesessen hatte, war verblüffend. Der mit acht Treffern bisher erfolgreichste Wolfsburger Stürmer durfte erst zur zweiten Halbzeit sein Können beweisen. Von Beginn an hatten sich Ashkan Dejagah und Nachwuchsprofi Sebastian Polter, unterstützt vom erstmals in der Bundesliga eingesetzten Ibrahim Sissoko, in der Offensive versuchen dürfen.

Magaths Nummer 36

Alle drei machten ihre Sache ordentlich, waren aber bei ihrem Bemühen, die souveräne Gladbacher Hintermannschaft erfolgreich zu ärgern, nicht zielstrebig genug. Mit Toren wurde in Wolfsburg gegeizt. Bei einem anderen Wert in der Fußball-Bundesliga ist der VfL jetzt dafür absolute Spitze.

Magath hat in dieser Saison das Kunststück fertiggebracht, in den bisherigen 20 Spielen 36 verschiedene Profis einzusetzen. Von seinen acht während der Winterpause geholten Neuzugängen durften gegen Gladbach vier von Beginn an mitspielen. Meistens war es Linksverteidiger Ricardo Rodriguez, der auf sich aufmerksam machen konnte. Das Spiel der Wolfsburger war solide anzusehen, meistens auf Sicherheit bedacht, und genau daran krankte es in der Offensive.

Der Gladbacher Torhüter Marc-Andre ter Stegen verbrachte zunächst einen relativ ruhigen Nachmittag und musste sich erst in der Schlussphase ein paar Sorgen machen. „Ohne Gladbach wär hier nichts los“, lauteten die spöttischen Gesänge der mitgereisten Borussen-Fans.

Reus vergibt den Sieg

Wenn es denn überhaupt einen Gewinner gab, der an diesem Nachmittag hätte gekürt werden können, dann dürfte es insgeheim der Rückkehrer Mike Hanke gewesen. Der 28-Jährige, der bei Borussia Mönchengladbach eine Art zweiten Frühling erlebt, ist in Wolfsburg nur noch bedingt gerne gesehen.

Zwischen 2005 und 2007 hatte der Stürmer das Trikot des VfL getragen, war dann aber nach Hannover abgewandert, wo man ihn im Januar 2011 aussortiert hatte. Beide Vereine dürfen jetzt das Kuriosum miterleben, wie aus dem einst lauffaulen Hanke ein klug kombinierender und äußerst einsatzfreudiger Spieler geworden ist, der bei einem derzeitigen Spitzenteam der Liga überzeugt. „Wir können noch besser spielen, weil in der Mannschaft noch sehr, sehr viel Potential steckt“, sagt Hanke.

Die Borussia vergab den möglichen Sieg in der 69. Minute, als Reus bei einem Konter allein vor Torhüter Diego Benaglio aufgetaucht war, aber weder den richtigen Pass auf Hanke noch den trefflichen Schuss auf Tor hinbekam.

VfL Wolfsburg - Bor. Mönchengladbach 0:0

VfL Wolfsburg: Benaglio - Träsch, Russ, Felipe Lopes, Rodriguez - Josué, Jiracek - Sissoko (46. Mandzukic), Schäfer - Dejagah (62. Sio), Polter (82. Ochs)
Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Herrmann, Arango - Reus, Hanke (75. de Camargo)
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Jiracek (1) / Jantschke (4)

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