Die Gratulation war eine Kapitulation. „Sie sind fast durch“, sagte Jupp Heynckes nach dem 2:1-Sieg des alten und wohl auch neuen Meisters Borussia Dortmund „auf“ Schalke, noch vor Beginn des eigenen Arbeitstages.
Schon vor Anpfiff des Spiels seiner Mannschaft gegen Mainz 05 räumte der Trainer des FC Bayern ein: „Man muss sagen, sie werden auch verdient deutscher Meister, weil sie eine konstante Saison gespielt haben, weil sie wirklich letztendlich sich immer wieder fokussiert haben auf die nächste Begegnung.“
Der Fokus auf ihre eigene nächste Begegnung dagegen fiel den Bayern drei Tage nach der entscheidenden Niederlage in Dortmund nicht leicht. Mit einer bemühten, aber letztlich schwunglosen Darbietung kamen sie am Samstagabend nicht über ein 0:0 gegen Mainz hinaus, so dass Dortmund schon am nächsten Spieltag gegen Mönchengladbach letzte rechnerische Restzweifel am Titelgewinn beseitigen kann.
Dass die verbalen Kapitulation kein Bluff von Heynckes war, zeigte seine Aufstellung, bei der er ganz offensichtlich schon drei Tage weiter gezielt hatte - auf das andere große Saisonziel der Saison, das den Bayern noch bleibt, die Champions League.
Gegen Mainz schonte er fast die halbe Stamm-Elf für das Hinspiel des Halbfinales am Dienstag gegen Real Madrid. Es war kein alltäglicher Anblick, den die Bayern-Bank bot: mit Lahm, Kroos, Ribéry, Gomez und Luis Gustavo. Dafür traten fünf Spieler an, Contento, Timoschtschuk, Rafinha, Olic und Schweinsteiger, die beim 0:1 in Dortmund nicht in der Startelf gestanden hatten.
Für die Bayern war die Luft ganz offenbar schon vor der Partie raus aus der Ligasaison, für die Mainzer noch nicht ganz, denn sie brauchen noch ein paar Punkte, um aller Abstiegsgefahr ledig zu sein. Wie vor dem 2:1-Sieg in der letzten Saison, als sie als Tabellenführer zu den Bayern gekommen waren, reisten sie auch diesmal erst am Spieltag selber nach München.
Vor allem der Frische von Trainer Thomas Tuchel, zuvor in seinen bisher fünf Spielen gegen die Bayern dreimal siegreich, tat das offenkundig keinen Abbruch. Den Großteil des Spiels turnte er heftig gestikulierend oder Haare raufend an der Seitenlinie herum. Nur in sehr überschaubaren Phasen boten die Offensivleistungen der Spieler in der ersten Hälfte mehr Dynamik als der Mainzer Trainer.
Ein wuchtiger Schuss von Andreas Ivanschitz verfehlte das Münchner Tor nur knapp (7. Minute). Im Gegenzug drang Arjen Robben, nach seinen entscheidenden Fehlleistungen in Dortmund offensichtlich, aber meist vergeblich um Wiedergutmachung bemüht, in den Strafraum ein, doch Olic vergab die dadurch entstehende Schussgelegenheit.
Danach passierte über eine halbe Stunde lang nichts Bemerkenswertes, bis die zunehmende Schwunglosigkeit darin gipfelte, dass sich Schweinsteiger mit Quergeschiebe in einer Art Libero-Rolle auf Höhe seiner Innenverteidiger zeigte. Das wurde quittiert von ersten Pfiffen des eigenen Publikums, die die Bayern dann kurz vor der Pause doch noch zu zwei Willensbeweisen anstachelten.
Erst sahen die Fans ein Weitschuss von Timoschtschuk nach einer abgewehrten Ecke, der wuchtig unten an den linken Pfosten klatschte - dann eine feine Improvisation von Thomas Müller, der mit einem Lupfer Olic freispielte. Doch der Kroate vergab die bis dahin beste Chance allein vor Torwart Heinz Müller, der den schwachen Abschluss des Gomez-Vertreters mühelos abfing.
Nach 45 Minuten kam der erste Star von der Bank, Franck Ribéry, nach 60 der zweite, Mario Gomez - der Schwunggewinn blieb überschaubar. Es gab reichlich Ballbesitz für die Bayern, aber nur selten zwingende Offensivaktionen. Nach einer Ecke wurde ein Kopfball von Thomas Müller kurz vor der Linie abgewehrt (54.).
Einen langen Pass bekam Gomez in bester Position nicht mehr richtig unter Kontrolle (64.). Robben verzog aus halblinker Position knapp (86.). So reichte es, nach zuletzt elf Heimsiegen hintereinander, nur zu einem 0:0. Vor dem Spiel gegen Real Madrid brachte das vielleicht Schonung, aber gewiss kein Selbstvertrauen.
Bayern München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Contento - Timoschtschuk, Schweinsteiger - Robben, Müller (79. Kroos), Alaba (46. Ribéry) - Olic (61. Gomez)
FSV Mainz 05: Heinz Müller - Pospech, Kirchhoff, Noveski, Zabavnik - Nicolai Müller (74. Bungert), Baumgartlinger (61. Polanski), Soto, Caligiuri - Ivanschitz (57. Choupo-Moting) - Szalai
Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Badstuber (5) / Nicolai Müller (2)
Wo wäre der deutsche Fußball im internationalen Vergleich
ohne Bayern München?
Bernd Sauer (bosauer)
- 15.04.2012, 13:54 Uhr
Hoffentlich schont sich Bayern auch im Weserstadion ...
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 15.04.2012, 13:36 Uhr
3:1
Dieter Schenk (Huuh.rrah)
- 15.04.2012, 10:47 Uhr
Jupp Heynckes ist ein außergewöhnlicher Trainer,
Martin Standfuß (wandfuessl)
- 15.04.2012, 09:25 Uhr
Ich versteh ja nix von Fußball, aber wenn die Bayern verlieren
Renate Simon (-simon-)
- 14.04.2012, 22:03 Uhr