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0:0 gegen Frankfurt Die Bayern finden ihren Meister - in einem Ersatztorwart

04.11.2007 ·  38 Torschüsse - doch der Frankfurter Torhüter Oka Nikolov verhindert einen Treffer des genervten Tabellenführers Bayern München gegen die Eintracht. Gegen derart defensive Teams werde man sich „etwas anderes einfallen lassen“, kündigte Bayern-Trainer Hitzfeld an.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Vermutlich wird Ottmar Hitzfeld in den kommenden Tagen und Wochen noch mehr Zeit in seinem Büro im Profitrakt des FC Bayern München verbringen. Denn der Trainer des Bundesliga-Spitzenreiters plant mit einer ganz neuartigen Fußball-Taktik auf den Markt zu kommen. „Wenn Mannschaften weiterhin so defensiv gegen uns spielen, werden wir uns halt etwas anderes einfallen lassen“, verkündete er nach dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt.

Hitzfeld hat nicht verraten, was er ausheckt, aber es muss etwas Revolutionäres sein, denn eigentlich hat der FC Bayern am Samstag in der ausverkauften Münchner Arena alle bisher bekannten und erfolgversprechenden Möglichkeiten im Spiel nach vorne ausgereizt und vieles richtig gemacht. Die Frankfurter, erzählte Mark van Bommel, hätten zugegeben, „dass ihnen fast schwindlig war“ angesichts des Münchner Sturmwirbels vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit. Es wurde nett kombiniert, der Ball meistens schnell und direkt weitergespielt und die Angriffe variiert. „Da war alles dabei, was man im Fußball sehen will“, fand Hitzfeld. „Nur eben kein Tor.“ Weshalb in dieser sehr einseitigen Partie am Ende nur ein Punkt blieb für die Münchner.

Funkel: „Mir ist lieber, sie schimpfen über uns“

Der Gegner hatte zwar fußballerisch höchstens das Niveau eines schlechten Zweitliga-Klubs, aber einen Torwart, der an diesem Tag eine Weltklasseleistung bot. Oka Nikolov hatte kurzfristig die grippekranke Frankfurter Nummer eins vertreten, aber Markus Pröll hätte es nicht besser machen können. Die Statistik wies 38:5 Torschüsse aus, das Verhältnis von großen Torchancen lag ungefähr bei 15:0 zugunsten der Bayern. „Es gibt eben so Tage“, sagte Philipp Lahm, „an denen der Ball nicht ins Tor will.“

Allerdings war es schon erstaunlich, dass die Bayern überhaupt zu derart vielen Möglichkeiten kamen, denn die Frankfurter hatten sich am Samstag in der eigenen Hälfte verbarrikadiert, als ob ihnen Friedhelm Funkel eine Sonderprämie versprochen hätte, falls sie es schafften, die Mittellinie 90 Minuten lang nicht zu überqueren. Der Trainer erinnerte sich an den Auftritt der Eintracht vor zwei Jahren. Damals habe seine Mannschaft versucht mitzuspielen und dafür Lob von den Bayern erhalten, allerdings 2:5 verloren. „Da ist es mir lieber, sie schimpfen über uns, und wir holen einen Punkt“, sagte Funkel.

Traditionelle Bayern-Auszeit

Gerne wird nach einseitigen Spielen wie diesem vom „fehlenden Quentchen Glück“ gesprochen bei der haushoch überlegenen Mannschaft. Aber Hitzfeld hat vor allem einen anderen Grund ausgemacht. „Vielleicht hatten wir auch nicht die letzte Konsequenz, die nötig gewesen wäre, um das eine oder andere Tor zu schießen.“ Erste Verschleißerscheinungen scheinen sich beim Rekordmeister bemerkbar zu machen. Im Herbst nimmt sich der FC Bayern traditionell eine kleine Auszeit, in der er sich von Spiel zu Spiel schleppt und öfters einmal nicht gewinnt, was man im Umfeld des Rekordmeisters meistens gleich als Krise auslegt.

In den vergangenen Jahren war diese wenig berauschende Phase meist eine Qual für den Zuschauer, dieses Mal spielt sie sich auf recht hohem Niveau ab. Der Rekordmeister ist seit 23 Pflichtspielen unbesiegt und auch die einzige Mannschaft im deutschen Profifußball in dieser Saison ohne Niederlage. Dass der Vorsprung vor dem ersten Verfolger in der Bundesliga, dem Hamburger SV, auf zwei Punkte geschmolzen ist, „ist uns natürlich nicht recht, aber nervös macht uns das nicht“, sagt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

„Es gibt noch ein paar offene Fragen“

Es gibt auch keinen Grund, denn der FC Bayern wirkt weder verunsichert noch gibt die Art, wie die Mannschaft Fußball spielt, Anlass zur Sorge. Dennoch könnte eine kleine Herbst-Depression zu einer ersten Belastungsprobe für das bisher so harmonische Ensemble werden. Die Münchner mussten in dieser Saison nie ernsthaft um ihre Spitzenposition bangen. Dass sie im Laufe der Spielzeit Erster werden würden, daran hegte die Konkurrenz nach der aufwendigen Shopping-Tour der Bayern im Sommer ohnehin keinen Zweifel, aber erstaunt hatte alle das Tempo der Anpassung.

Der Umbau war erstaunlich schnell abgeschlossen, für das neu formierte Ensemble gab es bisher nur Erfolgserlebnisse. Aber niemand weiß, ob das Gefüge auch intakt genug ist, um Rückschläge zu verkraften. „Es gibt noch ein paar offene Fragen“, hatte Hitzfeld schon vor ein paar Wochen gesagt. Erst einmal müssen die Bayern und vor allem das bisher so treffsichere Stürmer-Duo, Luca Toni und Miroslav Klose, verkraften, dass sie in einem Ersatztorhüter ihren Meister gefunden haben.

Bayern München - Eintracht Frankfurt 0:0
München: Kahn - Lell, Lucio, Demichelis, Lahm - Altintop (67. Schweinsteiger), Ze Roberto (85. Podolski), van Bommel, Ribery (76. Schlaudraff) - Toni, Klose
Frankfurt: Nikolov - Galindo, Chris, Russ - Ochs, Preuß, Inamoto, Spycher - Weissenberger (72. Köhler) - Amanatidis, Takahara (82. Thurk)
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Altintop (3) - Inamoto (3), Preuß

Quelle: F.A.Z.
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