02.08.2005 · Norbert Meier hat allen Beleidigungen getrotzt und den MSV Duisburg nach oben in die Erste Fußball-Bundesliga geführt. „Es gab Zeiten, da war das Umfeld hier nicht leicht zu begeistern“, sagt der ehemalige Nationalspieler rückblickend.
Von Richard LeipoldEs führen viele Wege in die Bundesliga, zuweilen auf verschlungenen Pfaden. Ein gutes Beispiel ist Norbert Meier. Der Fußballtrainer, der den MSV Duisburg zum Aufsteiger gemacht hat, schien an der Basis seine Erfüllung finden zu müssen, ohne Perspektive Richtung Profigeschäft. Als der Anruf aus Duisburg kam, trainierte der frühere Stürmer die B-Jugend von Bayer Leverkusen.
Schaut ein Lehrer in solcher Lage noch nach oben in Richtung Eliteliga, zumal wenn er schon in der höchsten Klasse unterrichtet hat? „Das wäre genau das Falsche“, sagt Meier. „Wenn du den Job bei einer Jugendmannschaft als Sprungbrett ansiehst, mach es lieber nicht.“ Trotz seiner 16 Länderspiele war der frühere Stürmer sich nicht zu schade, als Trainer unten anzufangen. „Vor 43 zahlenden Zuschauern zu spielen, davon zwanzig Elternpaare, das ist schon eine Umstellung“, sagt er. „Aber wenn es nicht läuft, wirst du nach sechs Wochen genauso beleidigt wie sonst auch in diesem Geschäft.“
Schlachtruf „Meier raus“
Von der nächsten Woche an macht Meier seine Geschäfte wieder in der ersten Liga - wie einst als Profi von Werder Bremen und, für wenige Monate, als Übergangstrainer von Borussia Mönchengladbach. Dann läßt er sein Personal in einem modernen Stadion vor Bundesligakulisse gegen den Abstieg kämpfen. Und wird vermutlich manche Beleidigung hinnehmen müssen. Nach dieser Fügung hatte es zunächst nicht ausgesehen. Der oft unterschätzte Übungsleiter stand in Duisburg kurz vor dem Scheitern. Die Forderung „Meier raus“ wurde auf den Rängen zum Schlachtruf, weil der MSV anderthalb Jahre lang im Mittelfeld der zweiten Liga dümpelte.
Doch Meier besaß einen Bonus, von dem er zehren konnte. Er war auf Empfehlung der MSV-Ikone Bernard Dietz eingestellt worden. Der einstige Kapitän der Nationalelf, ein Ratgeber des Aufsichtsratsvorsitzenden Walter Hellmich, konnte doch nicht irren. Also hielt Hellmich an Meier fest, solange es ging. Und es ging gut, allen Unkenrufen und Zwischenergebnissen zum Trotz. „Es gab Zeiten, da war das Umfeld hier nicht leicht zu begeistern“, sagt Meier. „Da brauchst du als Trainer die Geduld des Präsidenten.“ Er hat sie strapaziert, aber nicht überstrapaziert. In schlechten Zeiten habe Hellmich darauf hingewiesen, daß ein Sieg oder ein Punktgewinn unbedingt nötig sei, aber er habe nie vorgegeben, wer spielen müsse.
„Nur ein Ziel: der Klassenverbleib“
In Krisenzeiten kam sich Meier vor wie auf hoher See, in schweren Wassern. Wie sehr die Stürme tobten: Kapitän Hellmich habe sich zuweilen unwohl gefühlt, „aber er ist nicht aus dem Boot gestiegen“. Nun bereisen sie die Meere der Bundesliga. Meier hält das Steuer in der Hand und will das Duisburger Schiff in sicheres Fahrwasser bringen. „Wir haben nur ein Ziel: den Klassenverbleib“, sagt er. Es wird schwer zu erreichen sein, aber eines sollte die Konkurrenz gelernt haben: Meier ist nicht zu unterschätzen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |