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Bundesliga-Trainer Der Reformer

02.08.2005 ·  Drei Aufsteiger, drei Trainertypen: Kölns Uwe Rapolder, Duisburgs Norbert Meier und Frankfurts Friedhelm Funkel bringen frische Ideen in die Fußball-Bundesliga. Ihr Ziel Klassenerhalt ist das gleiche, ihre Methoden aber ganz unterschiedlich.

Von Thomas Klemm
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Vor fünf Jahren war es ein blaues Oberhemd, das in Köln zum Kultobjekt wurde. Ewald Lienen hatte es ständig getragen, und weil der Trainer trotz seiner ganz und gar unkölschen Art Aufbruchstimmung verbreitet und den 1. FC Köln zurück in die Erste Fußball-Bundesliga geführt hatte, wurde Lienens Lieblingstextil alsbald zum Symbol für den Aufschwung. Sollte nun die jüngste rheinische Welle der Begeisterung hinüberschwappen in die Bundesligasaison, könnte früher oder später ein schwarzer Nadelstreifenanzug verehrt werden (Siehe auch: Norbert Meier: Der Unterschätzte und Friedhelm Funkel: Der Aufstiegsmacher).

In derart feinen Zwirn gewandet, sitzt nämlich Uwe Rapolder am Spielfeldrand, jener Mann also, der in seinen ersten fünf Arbeitswochen bei seinen Fußballprofis einen neuen Teamgeist geweckt und in Verein und Umfeld viele Anhänger gewonnen hat. Dem Trainer, der von Arminia Bielefeld gekommen ist, um die Begeisterung rund um das RheinEnergie Stadion auszukosten und zugleich weiter zu schüren, falle beim FC „eine absolute Schlüsselrolle“ zu, sagt Geschäftsführer Andreas Rettig.

Kölns magisches Dreieck

Mit seinen hohen Ansprüchen an das zeitgemäße Fußballspiel bildet Rapolder einen Eckpunkt des mutmaßlich magischen Kölner Dreiecks, das zudem aus dem Alt-Internationalen Wolfgang Overath an der Vereinsspitze und Jungstar Lukas Podolski auf dem Platz gebildet wird. Der 47 Jahre alte Rapolder ist nicht nur vom Alter her der Mittelmann der drei Fußballgenerationen, auf denen die Kölner Hoffnungen ruhen. Von dem Trainer, der mit dem gleichaltrigen Schalker Ralf Rangnick und dem um einiges jüngeren Mainzer Jürgen Klopp zur jungen Trainergilde zählt, wird neben dem Klassenverbleib nicht weniger erwartet als eine Rückkehr zur gehobenen Spielkultur, die dem FC als „Fahrstuhltruppe“ in den vergangenen Jahren abhanden gekommen war.

Zuletzt hatte Huub Stevens den Verein zwar zurück in die Erstklassigkeit geführt, aber der Weg dorthin verlief auf dem Rasen mitunter kreuz und quer. Doch auch laufen will gelernt sein, wie der Reformer Rapolder sagt. Wichtig sei es, „daß die Grundstruktur stimmt und sich die Spieler richtig bewegen“. Was unter Stevens nicht immer der Fall war.

„Mentalverträge“ mit den Spielern

Uwe Rapolder ist Nachfolger und Widerpart des oft mürrischen Niederländers. Von Beginn an war er der „Wunschtrainer“ des FC-Präsidenten Overath, nachdem der Schwabe in Bielefeld „eine eindeutige Handschrift“ hatte erkennen lassen. Zwar eilte dem belesenen Wirtschaftswissenschaftler früher der Ruf eines etwas hochnäsigen Coaches voraus, doch gibt sich Rapolder nicht zuletzt nach der Erfahrung einer fünfzehnmonatigen Arbeitslosigkeit (bis Juni 2004) mittlerweile locker, liefert der Kölner Öffentlichkeit launige Kommentare wie jenen über Podolski, den er als „Typ Schwiegersohn“ bezeichnet hat. Mit einigen Profis schließt er sogar „Mentalverträge“ ab, die möglichen Sorgenkindern Mut machen und Motivation geben sollen.

Dennoch liegt bereits ein Schatten über Rapolders heiteren ersten Arbeitswochen. Beim 0:2 im Testspiel gegen Standard Lüttich habe die Mannschaft am Mittwoch „taktische Probleme“ offenbart. Zudem ist sich der FC-Trainer sicher, daß nach dem in allerletzter Sekunde geplatzten Wechsel seines Wunschverteidigers Murat Yakin von Basel nach Köln „etwas an mir hängenbleiben“ wird. Dagegen hilft: Nadelstreifenanzug abbürsten und weiter seriös arbeiten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 31.07.2005, Nr. 30 / Seite 14
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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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