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Bundesliga Rettet den Fußball vor der Sportschau

28.09.2005 ·  Anfang August hatte die F.A.Z. kritisiert, daß die Sportschau auf Werbung statt auf Fußballberichterstattung setze. Nun haben sich Wissenschaftler mit derselben These an die ARD zu Wort gemeldet - und die hat geantwortet.

Von Jürgen Kaube
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Ein offener Brief ist an den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten in Deutschland und die Programmverantwortlichen des Westdeutschen Rundfunks gegangen. Darin haben deutsche Sportwissenschaftler und Fußballanhänger gegen die öffentlich-rechtliche Berichterstattung über die Fußball-Bundesliga protestiert.

Angestoßen durch einen Beitrag dieser Zeitung (Kritik an der ARD-“Sportschau“: Alaaf gegen Helau), wenden sie sich dagegen, den Fußballsport durch die Art der Berichterstattung „als Umfeld für Werbung, Vermarktung und Inszenierung“ zu opfern. Dem Spiel werde durch seine unwürdige, unerwachsene und klamaukhafte Präsentation im Fernsehen Schaden zugefügt.

Zu den Unterzeichnern des offenen Briefs, der auf eine Initiative des Münsteraner Professors Dieter H. Jütting vom dortigen Institut für Sportkultur und Weiterbildung zurückgeht, gehören der Museumsdirektor und Kunsthistoriker Jean-Christophe Ammann, Bernd Gäbler, ehemals Leiter des Adolf-Grimme-Instituts, Günter Joschko, Projektleiter der Nürnberger „Akademie für Fußballkultur“ sowie Klaus Theweleit, Professor für Kulturtheorie in Karlsruhe. Daß sich auch Professoren der Betriebswirtschaftslehre, der Kommunikationswissenschaft und der Pädagogik dem Aufruf angeschlossen haben, könnte der ARD zu denken geben: Die Art, wie sie Fußball präsentiert, stößt offenbar fächerübergreifend und auch bei Leuten, die nichts gegen Vermarktungsgesichtspunkte haben, auf Kritik.

Emotional statt verkopft?

In unserem Beitrag war vor allem das Mißverhältnis zwischen Werbung und Berichterstattung am Beispiel der „Sportschau“ vom ersten Spieltag der laufenden Saison beschrieben worden, die in knapp 50 Sende-Elemente zerfiel, von denen die allerwenigsten etwas mit dem Spielgeschehen zu tun hatten. Die Autoren des offenen Briefes sehen dadurch das Gleichgewicht von Unterhaltung und Information gefährdet. Durch eine „permanente, aufdringliche Berichterstattung über das vermeintlich Spektakuläre“ werde „ein völlig verzerrtes Bild des Fußballs erzeugt“. Dem Fußballsport werde der Spielcharakter genommen, wenn nur noch „Höhepunkte“ inszeniert und „ohne analytische Kompetenz“ dargeboten würden: „Die Bundesliga-Sportschau berichtet nicht mehr über den Fußball, sondern sie gerät mehr und mehr zu einer Werbesendung für Produkte, Personen und Sendungen.“

ARD-Programmdirektor Günter Struve freilich bekundete gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, die vielen Sende-Elemente störten die Zuschauer nicht. Die Sportschau biete einen „emotionalen Zugang“ anstatt eines „verkopften“, von dem er glaubt, daß ihn die Sportwissenschaftler fordern. Herz gegen Hirn? Wo läßt die Rundfunkintendanz hirnforschen? Inwiefern der von Struve behauptete emotionale Zugang zum Fußball befördert wird durch die Dauerunterbrechung der Spielberichte durch Milch- und Telefonreklame, durch „Sonderwerbeformen“ (Struve) wie Gewinnspiele, die tatsächlich Autoreklame sind, und durch zahllose Trailer, in denen dem Zuschauer gesagt wird, was er sowieso schon weiß - „Jetzt geht's los!“ -, erklärte der Programmdirektor nicht.

Schönrechnung ohne Milch und Telefone

Sein Kollege, WDR-Intendant Fritz Pleitgen, ließ es sich nicht nehmen, dem Münsteraner Sportwissenschaftler selbst zu antworten. Er spricht anläßlich der Kritik, es gebe in der Sportschau zuwenig Sport und zuviel Show, von „autokatalytischer Ekstase“ auf dem „Niveau einer Bierzeitung“. Reine Werbung finde in der Sendung „ohnehin nur elf Minuten statt“. Hierbei steckt der Witz natürlich in der Definition von „reiner Werbung“ - es darf vermutet werden, daß Pleitgen seine Schönrechnung ohne die Milch, die Telefone, das Gewinnspiel und die Eigenwerbung der Sportschau gemacht hat.

Von der Zahl der Unterbrechungen schweigt sein Brief. Die „breite Mehrheit“ sei zufrieden mit der Sportschau, das „Feuerwerk“ der Auftaktsendung sei bereits zurückgenommen worden. Ach, das denn doch. Es werde auch „weitere Optimierungen“ geben. Warum eigentlich, wenn mit der Sportschau und der Werbung und den Unterbrechungen für nichtverkopfte Zuschauer alles in Ordnung war und ist?

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Jahrgang 1962, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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