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Bundesliga Mit Deisler und Lucio sind die Bayern wieder die alten

 ·  Der deutsche Rekordmeister Bayern München, im vorigen Spieljahr erstmals seit langem ohne Titellohn geblieben, hat beim 2:0-Sieg über den Hamburger SV zweierlei bewiesen: daß die alte Effektivität und Sebastian Deisler wieder da sind.

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Auf dem Platz hat er noch rasch ein Fernsehinterview gegeben, danach wollte Sebastian Deisler seine Ruhe haben. Mit der Bemerkung: "Wir haben ja noch 33 Spieltage" bat der 24 Jahre alte Rückkehrer des Jahres um keine weiteren Fragen mehr und drückte sich an den Journalisten vorbei in Richtung Mannschaftsbus. Was er vorher kurz gesagt hatte - "ich denke, wir werden einiges reißen in dieser Saison" - hatte sein Team, der FC Bayern München, beim Saisonauftakt in Hamburg zumindest phasenweise angedeutet.

Der deutsche Rekordmeister, im vorigen Spieljahr erstmals seit langem ohne Titellohn geblieben, bewies beim 2:0-Sieg über den Hamburger SV zweierlei: daß die alte Effektivität und Deisler wieder da sind. Der kurzgeschorene, athletischer als früher wirkende Südbadener schoß mit etwas Glück den entscheidenden Treffer für die Münchner (71. Minute), als der Ball nach seinem Freistoß gegen den Pfosten, von da gegen den Hinterkopf von Torwart Pieckenhagen und so ins Netz prallte; über das 1:0, eine Koproduktion seiner kongenialen Mittelfeldkollegen Ze Roberto und Ballack, der mit einem wuchtigen Flachschuß die Führung erzielte (22.), freute er sich wie alle Bayern mit. Was Deisler und sein Verein nach den quälenden Monaten, in denen der Nationalspieler seiner Depressionen Herr werden mußte, nicht mitmachen werden, wurde nach Abpfiff der Partie in der mit 55500 Zuschauern ausverkauften AOL-Arena sofort von Uli Hoeneß artikuliert: "Wir werden dafür sorgen, daß es keinen Superhype um Sebastian gibt."

Der dem Hamburger Dampfbad bei bis zu 33 Grad im Schatten schweißnaß entkommene Manager hatte für Bundestrainer Jürgen Klinsmann sogleich eine wärmste Empfehlung parat: "Es wäre ein großer Fehler, Sebastian sofort in der Nationalelf einzusetzen. Er muß sich erst einmal in der Bundesliga stabilisieren. Er soll bei der WM 2006 die Kohlen aus dem Feuer reißen und nicht schon am 18. August gegen Österreich." Ähnlich wie Hoeneß, wenn auch nicht ganz so pointiert, argumentierten der Münchner Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Trainer Felix Magath. Der Coach, der erstmals mit einer von ihm betreuten Mannschaft an alter Wirkungsstätte gewann, sagte: "Man muß Sebastian Deisler ein paar Wochen geben. Er hat fast zwei Jahre nicht gespielt. Für 2006 reicht es dann immer noch." Sollte also Klinsmann die Absicht haben, den Ballkünstler mit dem Hauch von Genialität schon für seine Wiener Premiere einzuladen, weiß er nun, auf was er sich dann gefaßt machen muß: den Einspruch und Widerstand des mächtigsten deutschen Vereins.

„Kahn ist die Persönlichkeit“

Die Bayern haben eine interne Machtfrage zwei Stunden vor ihrer Saison-Ouvertüre in ihrem Hamburger Mannschaftsquartier ohne Diskussionen gelöst. Magath bestimmte nach wochenlanger Beobachtung der gesammelten Hierarchie und der individuellen Persönlichkeitsstrukturen, daß alles beim alten bleibe. Also wird weiter Oliver Kahn die Kapitänsbinde tragen und nicht sein verbindlicherer Nationalmannschaftskollege Ballack, der auf insistierende Fragen leicht genervt mit der kurz angebundenen Antwort "Fragen Sie den Trainer" reagierte. Mag sein, daß er selbst gern mehr Verantwortung übernommen hätte. Magath aber entschied die K-Frage kraft seiner Autorität: "Dies war leider kein Wunschkonzert. Ich habe den Kapitän bestimmt. Kahn ist bei uns die Persönlichkeit. Ich brauche einen Kapitän, der auch in meinem Sinne Einfluß auf die Mannschaft nimmt." Dazu solle sich der Badener mehr als zuletzt "einbringen", als private Turbulenzen Kahns beruflichen Ambitionen zumindest latent im Wege standen.

In Hamburg hat sich die Nummer eins der Nationalelf, der Klinsmann jedoch keinen Alleinvertretungsanspruch mehr zubilligen will, nicht besonders anstrengen müssen. Dafür war der HSV, der zuletzt am 11. Februar 1996 ein Heimspiel gegen die Bayern gewann, zu brav. Ganz anders die Münchner: Sie konzentrierten sich aufs Wesentliche, verteidigten ihr Guthaben dank eines schon bei seiner ersten Bundesliga-Vorstellung im goldenen Bayern-Trikot überragenden Lucio und schlugen, als die Zeit gekommen war, zweimal zu.

Es paßte zum neuen Stil des Hauses an der Säbener Straße, daß von diesem vergleichsweise schmucklosen Erfolg niemand Aufhebens machen wollte. "Wir müssen froh sein, daß wir die drei Punkte haben, alles andere kommt von selbst", bewertete Hoeneß die Dienstreise in den erhitzten Norden allein nach dem Maßstab der Effizienz. Ballack benotete den Premierenauftritt ebenfalls stocknüchtern: "Wir haben zwei Tore geschossen und drei Punkte geholt. Wir können sicher besser Fußball spielen." Alt- und Neukapitän Kahn schließlich blieb sich treu. Er grantelte schon wieder: "Wir müssen uns noch viele Gedanken machen. Zehn bis fünfzehn Freistöße aus dem gefährlichen Bereich gegen sich zu haben kann auch mal bös ins Auge gehen." Der Alltag hat die Bayern wieder - wenn auch auf nationalem Spitzenniveau.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09. 08. 2004, Nr. 183 / Seite 21
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