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Bundesliga-Kommentar Schalker Schande

 ·  Feigheit oder Resignation vor den Fans? Neuer hätte bei seiner Rückkehr nach Schalke vom alten Arbeitgeber geschützt werden müssen.

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© dpa Schmähungen auf Schalke: Der Klub hätte einschreiten müssen

Was steckt dahinter, dass der FC Schalke nichts, absolut gar nichts getan hat, um die befürchteten Attacken seiner eigenen Fans gegen Manuel Neuer, die jede Geschmacksgrenze überschritten, möglichst zu verhindern oder wenigstens bei der Rückkehr des Bayern-Torwarts an seine alte Wirkungsstätte deeskalierend zu wirken? Resignierte die Vereinsführung, weil rationale Argumente oder soziale Aspekte wie Fairplay diesen Fans ohnehin nicht näher zu bringen sind? Oder setzte sich der reichlich selbstverleugnend wirkende Gedanke durch, besser nicht einzugreifen, um nicht zwischen die Stühle zu geraten und damit selbst zum Hassobjekt zu werden?

Mit diesem Wegschauen hat der traditionsreiche Klub aus Gelsenkirchen in Sachen Manuel Neuer abermals ein peinliches Bild abgegeben und obendrein einen herben Imageschaden erlitten. Es ist unwahrscheinlich, dass Manager Horst Heldt es tatsächlich ernst meinte, als er eines der auffälligsten Hassplakate gegen Neuer (und nicht einmal das schlimmste), das einer Todesanzeige nachempfunden war, als nur „sehr, sehr grenzwertig“ bezeichnete und sogar noch Verständnis heuchelte: „Die Fans sind halt enttäuscht, und jeder lebt das auf seine Weise aus. Die Leute lieben halt den Verein, und das muss man akzeptieren.“

Die geschmacklosen Plakate gegen Neuer aber waren in keiner Weise zu akzeptieren, und da der Verein das Hausrecht genießt, hätte er jeder Zeit einschreiten können – wenn er sich denn getraut hätte. Doch wie schon im Frühsommer, als der Transfer von Neuer nach München als perfekt verkündet wurde, unterließ Schalke 04 alles, um einen Spieler zu schützen, von dem alle Offiziellen sagen, dass er große Verdienste um den Klub habe. Den klammen Schalkern brachte der Transfer zudem eine Ablösesumme von 22 Millionen Euro ein.

Es wirkt verlogen, wenn der Schalker Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies am Tag des Spiels in der „Bild am Sonntag“ Bayern-Präsident Uli Hoeneß jovial zum Transfer gratuliert und im Plauderton anfügt, dass er eventuelle Schmährufe gegen Neuer nicht verstehen würde. Auch Tönnies hätte wissen können, dass sich da etwas zusammenbraut – ein einziger Blick in die verschiedenen Fan-Foren, ein kurzes Gespräch mit den Schalker Fan-Beauftragten hätte gereicht, um sich Gewissheit zu verschaffen. Statt von Zeitungsseiten zu lächeln, hätte Tönnies besser mit einem Mikrofon den Rasen vor dem Spiel betreten, die eigenen Fans zur Vernunft aufgefordert und an die Würde jedes Menschen erinnert. Es wäre zumindest ein deutliches Zeichen des Vereins gewesen, nicht alles mit sich machen zu lassen. Einfach nur ein bisschen Zivilcourage zeigen – was wäre so schwer daran gewesen?

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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