Der Berg kreißte und gebar - nein, keine Maus, sondern einen Dinosaurier. Einen alten Haudegen, der zwar Rekordspieler des 1. FC Köln ist, aber die kleine Fußball-Ewigkeit von 25 Jahren abgeschrieben war bei jenem Bundesligaklub, der ihn groß gemacht hat - und den auch er eine Zeitlang groß herausbrachte. Am späten Mittwochabend hat Harald, genannt „Toni“ Schumacher, der 1987 nach Veröffentlichung seines Enthüllungsbuches „Anpfiff“ aus dem Kölner Geißbockheim gejagt worden war, also den ersehnten Ruf erhalten, in Amt und Würden zu seinem alten Verein zurückzukehren.
Nicht in vorderster Front als möglicher Präsident, sondern als einer von zwei Stellvertretern wird sich der frühere Nationaltorhüter zur Wahl stellen, wenn eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 23. April über den künftigen FC-Vorstand entscheidet. Es sei „ein Märchen, wieder beim 1. FC Köln zu sein“, sagte Schumacher. Allerdings birgt seine Rechnung zwei Unbekannte: Zum einen ist Schumacher längst nicht gewählt, zum anderen könnte die vermeintliche märchenhafte Rückkehr ein böses Ende nehmen.
Vier Monate lang hatte die Präsidenten-Findungskommission händeringend gesucht, um die Nachfolge von Wolfgang Overath und seinen Co-Vorständlern zu regeln, die im vergangenen November Knall auf Fall hingeschmissen hatten. Nun hat der Klub zwar seine offiziellen Kandidaten präsentiert, die für „die Verbindung aus kölschem Lebensgefühl und Professionalität“ stünden. Doch statt der erhofften Ruhe droht eine neue Zerreißprobe.
Denn nicht nur das vom FC-Verwaltungsrat vorgeschlagene Dreigestirn um Präsidentschaftskandidat Werner Spinner, einem früheren Vorstand der Leverkusener Bayer AG, dem Multi-Unternehmer und Kölner Karnevalspräsidenten Markus Ritterbach und Sportfachmann Schumacher will an die Macht. Auch eine Dreier-Gruppe um Karl-Heinz Thielen strebt nach Höherem. Sollten der frühere FC-Spieler und -Geschäftsführer und seine prominenten und finanzkräftigen Mitstreiter eine Kampfkandidatur in Angriff nehmen, dürfte es am 23. April mindestens so heiß hergehen wie neulich im November.
Falls Schumacher, der zuletzt als Multi-Medien-Kolumnist gearbeitet hat, zum Fußballfachmann des kommenden Vorstands aufsteigen würde, stünde ihm eine doppelte Herkulesaufgabe bevor: Zum einen müsste er auf die Schnelle einen neuen Sportdirektor finden, der die Herausforderung annimmt, beim finanziell klammen Klüngel-Klub ein zukunftstaugliches Konzept durchzusetzen. Zum anderen könnte Schumacher, der kein Grüß-Toni sein will, gleich als Krisenbewältiger und Wiederaufbauhelfer gefordert sein - falls nämlich die Bundesligasaison mit dem fünften Abstieg des FC endet. Er wisse, wie Erfolg rieche, sagte Harald Schumacher am Mittwoch. Aber was passiert, wenn ihm der Misserfolg stinkt?