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Bundesliga-Kommentar K. o. gegen die Langeweile

Wo ein Monopol die Chancengleichheit bedroht, muss ihr der Modus helfen. Angesichts der Bayern-Dominanz braucht die Bundesliga mehr K.-o.-Spiele: was spricht gegen Play-offs nach der Punkterunde?

© dpa Vergrößern Zu gut für den Rest, und dann auch noch harmonisch: FC Bayern München

Die gute Nachricht kommt aus Schottland. Celtic Glasgow ist seit 13 Spielen ohne Gegentor. Vorsprung vor dem Zweiten: 24 Punkte. Von schottischen Verhältnissen ist die Bundesliga also noch fünf Punkte entfernt. Die vielzitierten spanischen hat sie aber längst hinter sich gelassen. In Spanien gibt es nicht nur einen Dreikampf um den Titel. Es gibt sogar Gegner und Gegenden, die die Großen ärgern - vor allem im Norden, dem Land der Basken.

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Der FC Barcelona verlor nach der Niederlage in Bilbao nun auch in San Sebastián, Atlético Madrid verlor bei CA Osasuna in Pamplona. Der neue Tabellenführer Real Madrid erlitt seine einzigen Punktverluste der letzten 15 Spiele in Bilbao und Pamplona. Für den deutschen „Stern des Südens“ dagegen ist der Norden des Landes nur noch eine Spielwiese, wie beim 4:0 in Hannover. Seit Beginn der vergangenen Saison trafen die Bayern in Liga und Pokal 17 Mal auf Nordklubs. Sie gewannen 17 Mal. Und schossen 70 Tore.

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Irgendwas läuft falsch - weil die Bayern alles richtig machen. Die Spannung der Liga war immer auf die sportlichen Fehler der finanziell unerreichbaren Bayern angewiesen, auf Fehlkäufe, Trainereitelkeiten, Unruhe - nur so etwas verhinderte, dass der Rekordmeister ein Dauermeister wurde. Spätestens seit der Rückkehr von Trainer Heynckes 2011 hat man in München keine Fehler mehr gemacht. Mit Nachfolger Guardiola kam zum weltbesten Kader der weltbeste Trainer.

Die Liga kapituliert. Die Bayern-Fankurve beginnt in manchen Spielen auf der gegnerischen Trainerbank. Früher behaupteten die Bayern gern, jeder Sieg sei schwer (Guardiola behauptet das heute noch) - weil es für jeden Gegner das Spiel des Jahres war. Heute sparen Gegner gern Kräfte für günstigere Gelegenheiten. Noch freut das die Bayern, so wie jeden Sportler, wenn der Erfolg leicht fällt. Aber wem er zu leicht fällt, wird irgendwann unzufrieden wie ein Raubtier im Zoo, das für Beute nicht mehr auf die Jagd muss.

Draft-System oder K.o.-System als Ausweg?

Alle brauchen diese Jagd, die Zuschauer, die Gegner, die Bayern selbst. Wie lässt sich Konkurrenz schaffen? Der amerikanische Sport hat Mechanismen, die dort ein solches Perpetuum mobile des Erfolges wie das der Bayern verhindern - sportlicher Erfolg wird ökonomischer Erfolg, der wieder, weil man teurere Spieler bezahlen kann, sportlicher, und so weiter. Doch das „Draft“-System, das den schlechtesten Teams die besten Talente verschafft, passt so wenig in Europas Sport- und Rechtssystem wie die Deckelung der Gehaltsbudgets von Klubs.

Bliebe die Idee von Play-offs nach der Punkterunde. Das könnte verhindern, dass Titel schon im Februar praktisch vergeben sind, und packende Entscheidungsspiele am Ende der Saison schaffen - wäre aber zeitlich nur mit einer Reduzierung der Liga auf höchstens 16 Klubs zu realisieren. Gern wird dagegen argumentiert, es sei ungerecht, wenn das beste Team der Liga am Ende durch einen einzigen schlechten Tag den Titel verlieren kann. Aber wäre dann nicht auch jede WM ungerecht? Oder jede Champions League? Sport muss nicht gerecht sein, nur fair - und die Fairness im englischen Wettkampfgeist meint auch Chancengleichheit. Wo ein Monopol sie bedroht, muss ihr der Modus helfen. Vielleicht braucht die Bundesliga bald mehr K.-o.-Spiele. Damit ihre Spannung nicht k.o. geht.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 25.02.2014, 08:58 Uhr

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