Der „Herbstmeister“ muß vorlegen - und weder der seit 23 Jahren in München sieglose Hamburger SV noch der Ausfall von Michael Ballack sollen den FC Bayern im Eröffnungsspiel der Bundesliga-Rückrunde vom Titelkurs abbringen. „Wir sind froh, daß es endlich losgeht. Alle bei uns sind heiß darauf, die drei Punkte zu holen“, sagte Trainer Felix Magath vor dem Duell mit seinem früheren Klub am Freitag (20.30 Uhr/ARD und Premiere).
Der HSV will sich jedoch nicht in die ihm zugedachte Rolle des Punktelieferanten fügen. „Wir fahren nach München, um drei Punkte zu holen. Das muß unser Ziel sein“, kündigte Trainer Thomas Doll an. Der Tabellenneunte strebt einen UEFA-Cup-Platz an. „Wir sind gut gerüstet und werden eine Topleistung abliefern“, versprach Doll auch den Titelrivalen der Bayern wie Schalke, Stuttgart und Bremen.
Trochowski kehrt zurück
Doll will auch im vermutlich nicht ausverkauften Olympiastadion auf Offensive setzen: „Das ist meine Philosophie. Daran ändere ich nichts.“ Trotz seiner Hautallergie wird Emile Mpenza in der Startformation neben Naohiro Takahara stürmen, Sergej Barberez spielt hinter den Spitzen. Eine Schwächung bedeutet der Ausfall von Khalid Boulahrouz (Schulterverletzung). Für ihn rückt Bastian Reinhardt in die Abwehr.
Außerdem muß Doll auf Stefan Beinlich (Gelb-Sperre) verzichten. Besonders angespannt sein wird Piotr Trochowski. Er, der sich bei den Bayern nicht gegen die namhaften Stars durchsetzen konnte und in der Winterpause nach Hamburg wechselte, ist dort auf Anhieb erste Wahl.
Doll hofft, daß sein neuer Hoffnungsträger im Mittelfeldspiel nicht übermotiviert sein wird: „Er muß weder Magath, Rummenigge oder Hoeneß etwas beweisen. Es geht nur um ihn selbst.“ Das wollte der Coach Trochowski zudem noch in einem Einzelgespräch nahelegen.
Stars in der Pflicht
In München nahm Karl-Heinz Rummenigge das Starensemble vor dem ersten von nur noch acht Ligaspielen des deutschen Fußball-Rekordmeisters im Olympiastadion in die Pflicht. „Ab jetzt gilt's! Wir haben in der Hinrunde sehr gute Voraussetzungen für Erfolge gesät. Jetzt müßen wir mit voller Kraft die Ernte einfahren“, forderte der Bayern-Chef. In elf von bislang 13 Fällen standen die Bayern als „Herbstmeister“ auch noch am Saisonende oben.
Beim Neustart nach 40 Tagen Winterpause muß Bayern-Trainer Magath vor allem ein personelles Problem lösen: Wer füllt die Ballack-Lücke (Gelb-gesperrt) im Mittelfeld? „Dieses Rätsel habe ich noch nicht ganz gelöst“, sagte der Trainer. Torsten Frings, Jens Jeremies und Owen Hargreaves benannte er als Alternativen. „Wir werden offensiv ausgerichtet sein“, versprach Magath einen stürmischen FC Bayern, auch wenn er um den Einsatz von Claudio Pizarro bangen muß.
Comeback von Zickler?
Sollte der peruanische Nationalstürmer wegen einer Knieprellung ausfallen, könnte Alexander Zickler nach drei Schienbeinbrüchen und fast zwei Jahren Pause sein Bundesliga-Comeback feiern. „Er steht ganz dicht hinten dran“, sagte Magath über den Dreißigjährigen.
Fix ist das Bundesliga-Comeback des in der Winterpause zurückgekehrten Franzosen Bixente Lizarazu auf der linken Abwehrseite. Als der HSV am 24. April 1982 zuletzt in München gewann (4:3), führte Magath noch bei den Hanseaten Regie. Sein ehemaliger Verein liegt ihm immer „noch am Herzen“, wie Magath einräumte: „Außer Präsident war ich da ja schon alles.“
Den HSV sieht er seit dem Trainerwechsel von Klaus Toppmöller zu Thomas Doll auf dem Weg nach oben: „Mit Doll ist der HSV durchgestartet.“ Und auswärts noch ungeschlagen, wie Magath weiß. So ist HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer auch überzeugt, „daß wir, wenn wir weiter so engagiert trainieren, am Ende möglichweise um Platz fünf spielen“.
Spieler im Schlußverkauf
Unterdessen hielt der Winterschlußverkauf vor dem Start die Vereine in Trab. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren wurden bisher in der zweiten Transferperiode (1. bis 31. Januar) keine spektakulären Millionentransfers getätigt. 14 von 18 Bundesliga-Klubs investierten bislang knapp über 5 Millionen Euro in 29 neue Kräfte. Noch vor vier Jahren wurden zum Jahreswechsel knapp 50 Millionen Euro für über 40 Profis ausgegeben.
Lediglich die abstiegsbedrohte Mannschaft von Borussia Mönchengladbach wurde mit sechs Neueinkäufen und zwei Nachwuchstalenten kräftig aufgerüstet. In Wesley Sonck, Craig Moore, Bernd Thijs, Kasey Keller, Jörg Böhme und Filip Daems, der am Donnerstag von Genclerbirligi Ankara verpflichtet wurde, haben sich die Gladbacher gleich sechs neue Profis geleistet und sind damit der Großeinkäufer.
„Keine Panik“
Für das Sextett hat der Klub allerdings nicht tief in die Tasche greifen müßen. Der Belgier Thijs kostete etwa 600.000 Euro Ablöse, für seinen Landsmann Daems wurde eine geringere Summe fällig. Sonck, der dritte Belgier, ist ausgeliehen, eine Kaufoption in Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro greift ab Sommer.
Von Panikkäufen wollte Klubchef Rolf Königs allerdings nichts wissen. „Wir haben schon frühzeitig gesagt, daß wir uns auf drei oder vier Positionen verstärken wollen“, sagte der Präsident und betonte, daß der eine oder andere Transfer schon ein Vorgriff auf die neue Saison sei.
Advocaat machte Druck
Dies wußte auch der neuverpflichtete Trainer Dick Advocaat, der einigen Spielern im Kader die Tauglichkeit absprach und auf die Neuzugänge setzt. Finanziell hat sich der Klub damit nicht übernommen, da durch den Umzug ins neue Stadion eine erheblich verbesserte Einnahmesituation eingetreten ist und mit Jan Schlaudraff, Enrico Gaede, Vladimir Ivic und Max Eberl (Jugendkoordinator) auch vier Spieler abgegeben wurden.
Zudem rückten in Marcell Jansen und Eugen Polanski zwei Nachwuchskräfte in den Profikader auf. Damit haben die Borussen seit Saisonbeginn insgesamt 16 neue Spieler verpflichtet, von denen einer schon wieder weg ist. „Wenn man nachträglich sechs Spieler holt, ist das natürlich auch eine Reparatur der Transfers im Sommer“, gibt Sportdirektor Christian Hochstätter zu.
Keller als Keeper
Vor allem auf der Torhüterposition hat der Klub kräftig daneben gelegen. Mit Darius Kampa und Sead Ramovic wurden vor Saisonbeginn zwei neue Schlußleute verpflichtet, mit dem Amerikaner Kasey Keller, der Stammkeeper werden soll, nun ein weiterer. Die Qualität des Kaders ist zweifellos verbessert, ob sich die vielen neuen Spieler auch schnell zu einem Team finden werden, bleibt abzuwarten.
Viele Klubs nutzten bei den Neuverpflichtungen die Möglichkeit eines Ausleihgeschäfts oder profitierten von ausgeliehenen Spielern, die zu ihrem Verein zurückkehren. Neben Gladbach beförderten auch Bayer Leverkusen (Gonzalo Castro) und Hannover 96 (Sören Halfar) junge Spieler in die Profimannschaft.
Streß in Bremen
Meister Bremen nutzt die Gelegenheit eines vorbereitenden Transfers. Der Ägypter Mohamed Zidan wurde wie Gladbachs Sonck zunächst ausgeliehen und kann im Sommer verpflichtet werden. „Das ist eigentlich eine optimale Situation“, sagte Werder-Manager Klaus Allofs.
Die einstige Gelassenheit und beschauliche Ruhe an der Weser ist derweil dahin. Der bisherige „Vorzeige-Verein“, für seine Seriosität gerühmt, präsentiert sich derzeit wie ein Chaos-Klub. Mit prügelnden Spielern, einem meckernden Ersatztorwart und reichlich Gegentoren in der Vorbereitung sorgte der Meister für ungewohnte Schlagzeilen.