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Bundesliga Calmund droht den Bayer-Profis Gehaltskürzungen an

 ·  Von der Meisterschaft redet bei Bayer Leverkusen niemand mehr. Denn das Hier und Heute, das sich dem Klub nach der peinlichen 1:2-Heimniederlage gegen Aufsteiger Eintracht Frankfurt bietet, ist trist genug.

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Als das Wort Meisterschaft in den Mund genommen wurde, verschlug es Klaus Augenthaler fast die Sprache. "Titelkampf? Ich sage nichts zum Titelkampf. Kein Kommentar. Nein, nichts." Es war gut so, daß der Trainer von Bayer 04 Leverkusen es vorzog, lieber nicht an morgen und übermorgen zu denken. Denn das Hier und Heute, das sich seinem Klub nach der peinlichen 1:2-Heimniederlage gegen Aufsteiger Eintracht Frankfurt bietet, ist trist genug.

"Fußball hat etwas mit Laufbereitschaft und Leidenschaft zu tun", sagte Augenthaler. Doch weder das eine noch das andere vermochte seine Mannschaft ihm und den 22500 Zuschauern vor traditionell ausverkauftem Haus zu präsentieren. Früh pfiffen denn auch die mit Bayer Leverkusen sympathisierenden Fußballfreunde in der BayArena auf ihre Lieblinge, die derzeit gar nicht zum Liebhaben sind. 0:1 zum Rückrundenauftakt bei Aufsteiger SC Freiburg, 1:2 nun gegen die Eintracht: Bayer hat früh Abschied genommen von sportlichen Fernzielen, die eigentlich Ende Mai zumindest in der Qualifikation für die Champions League gipfeln sollen.

Natürlich war es wieder einmal der wortgewaltige Geschäftsführer Reiner Calmund, das Herzstück des sportlichen Bayer-Werks, der erst eine Nacht über das Unfaßbare schlafen mußte, um dann Klartext zu reden. Vermißte Calmund am Samstag bei seinem Abgang aus dem Stadion noch "Feuer und Leidenschaft" bei den abermals versagenden Bayer-Profis, hörte sich das tags darauf weitaus schärfer an. "Wenn wir durch selbstverschuldete schlechte Leistungen einen internationalen Wettbewerb verpassen, müssen wir darüber nachdenken, Gehälter einzusparen. Daß dies arbeitsrechtlich schwierig ist, darüber sind wir uns im klaren."

Sätze, die mitten in das Mark der Leverkusener Spieler zielen. Doch das, was die noch immer auf Tabellenposition vier stehenden Profis gegen die couragierten und wirklich leidenschaftlich spielenden Frankfurter in neunzig Minuten zustande brachten, war in der Endsumme erbärmlich. Vor allem einer zog sich den Zorn seines Trainers zu: Dimitar Berbatow. Dreimal tauchte der Bulgare frei vor dem Tor von Eintracht-Torhüter Oka Nikolov auf, dreimal scheiterte er kläglich. Einzig der vom FC Chelsea umworbene brasilianische Fußball-Weltmeister Lucio sowie der von einer Leistenoperation wiedergenesene Oliver Neuville, der als Einwechselspieler nach der Halbzeitpause für schwunghafte Ansätze und den einzigen Leverkusener Treffer sorgte (61.), waren kleine Lichtblicke in der ansonsten düsteren Bayer-Offensive. "Freiburg und Frankfurt in allen Ehren", echauffierte sich Calmund nach der Heimpleite. "Aber wenn wir auch nur annähernd unser Potential abgerufen hätten, wären die Spiele gewonnen worden." Haben die verunsicherten Leverkusener Profis aber nicht, und deshalb hat Calmund schon einmal neue Losungen für die kommenden fünfzehn Prüfungen ausgegeben. "Wir können froh sein, daß wir schon 35 Punkte haben. Wir müssen jetzt nach unten gucken. Und über die Meisterschaft brauchen wir nicht mehr zu reden."

Zehn Punkte beträgt der Rückstand der Leverkusener auf Branchenprimus Werder Bremen. Wie will Bayer das aufholen, wenn zu Hause noch nicht einmal gegen einen Abstiegskandidaten wie Eintracht Frankfurt gewonnen wird? "Man muß sich Punkte auch erkämpfen", erkannte Trainer Augenthaler. "Da muß absolute Hingabe gezeigt und mit Macht um jeden Ball gelaufen werden." Alles Dinge, die die Bayer-Profis vermissen ließen - aber statt dessen die fleißigen Frankfurter zeigten.

Folgerichtig wurden sie für ihren beherzten Auftritt auch mit drei wertvollen Punkten belohnt, die im Kampf um den Klassenverbleib für die kommenden Prüfungen stimulierend wirken sollten. Ingo Hertzsch, der ehemalige Leverkusener (siehe nebenstehenden Artikel), hatte die Eintracht nach den drei Aussetzern von Berbatow überraschend in Führung gebracht (21.), und mit Ioannis Amanatidis war es auch der zweite Neuzugang, der mit seinem Siegtreffer zum 2:1 (77.) für ungeahnte Frankfurter Glücksmomente sorgte. "Wir haben uns mit Klasse verstärkt", urteilte Eintracht-Trainer Willi Reimann. "Es macht richtig Spaß mit den beiden."

Spaß in Leverkusen? Den haben sie seit Beginn der Rückrunde nun wirklich nicht mehr.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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