Der Patient hat die Intensivstation verlassen, muß aber weiter mit empfindlichen Rückschlägen rechnen. Die Eigentümer des Westfalenstadions hauchten Borussia Dortmund neues Leben ein. Ihre Zustimmung zum Sanierungskonzept verhalf dem Fußball-Unternehmen aus einer lebensbedrohlichen Lage. Von einer vollständigen Genesung ist die Borussia bei aller Freude über erste Therapieerfolge jedoch noch immer weit entfernt. „Das Thema ist nicht erledigt. Es ist der Start zu einem Marathon. Vor uns liegt eine schwierige Zeit mit viel Einsparungen und wenig Investitionen“, sagte BVB-Präsident Reinhard Rauball.
In den Lizenzunterlagen, die nur einen Tag nach dem positiven Votum der Molsiris-Fonds-Zeichner per Eilbote zur Zentrale der Deutschen Fußball Liga (DFL) nach Frankfurt befördert wurden, kommt die neue Bescheidenheit zum Ausdruck. Die Großmannssucht vergangener Tage ist passé, die Bereitschaft zur Disziplin groß. Dem Urteil der DFL sieht Rauball deshalb zuversichtlich entgegen: „Ich werde einen Teufel tun, der Entscheidung vorzugreifen. Aber unsere Unterlagen setzen auf die Eckpfeiler positives Eigenkapital und Liquidität. Ich erwarte deshalb einen positiven Bescheid.“
Koller soll bleiben
Transfererlöse sollen bei der angestrebten Sanierung helfen. Insgeheim hofft der Traditionsclub am Saisonende in diesem Bereich auf Einnahmen zwischen 10 und 15 Millionen Euro. Ganz oben auf der Verkaufsliste steht Spielmacher Tomas Rosicky. Darüber hinaus gelten Torjäger Ewerthon und der dänische Nationalspieler Niclas Jensen als Transfer-Kandidaten. Andere Stars wie Jan Koller, Christoph Metzelder, Leonardo Dede und Sebastian Kehl erklärte Hans-Joachim Watzke für unverkäuflich. Namhafte Verstärkungen stellte der BVB-Geschäftsführer nicht in Aussicht: „Ablösesummen werden zur Entschuldung verwendet und nicht reinvestiert.“
Teil des Sanierungsplans ist auch die Trennung von neun Spielern. „Da werden wir so viel einsparen, daß sogar noch etwas übrig bleiben wird, um den einen oder anderen Transfer zu tätigen“, erklärte Rauball. Als erster ablösefreier Zugang steht bereits der Schweizer „U21“-Nationalspieler Philipp Degen vom FC Basel fest. Er unterschrieb einen Dreijahresvertrag.
Gehaltsvolumen soll auf 25 Millionen sinken
Trennen wird sich der BVB sicherlich von den gutverdienenden Reservisten Sunday Oliseh, Evanilson und Ahmed Madouni. Darüber hinaus dürften unter anderem auch die Tage von Andre Bergdölmo, Guy Demel oder Reservetorhüter Guillaume Warmuz gezählt sein. Denn das eingereichte Sanierungskonzept sieht eine Reduzierung des Gehaltsvolumens für das Profiaufgebot auf rund 25 Millionen Euro vor. Watzke: „Auch mit dieser Summe kann man einen ambitionierten Kader stellen.“ Als die Borussia 2002 die Meisterschaft gewann, wies die Bilanz Kosten für die Lizenzspielerabteilung in Höhe von 66,3 Millionen Euro aus.
Wohlwollend nahmen die Fonds-Zeichner und die DFL zur Kenntnis, daß der BVB offenbar auch in anderen Problembereichen Fortschritte macht. Ein Investor will sich an den rund 5 Millionen Euro teuren Umbaumaßnahmen für die WM-Arena beteiligen, ein anderer beim etwa ebenso teuren Aufbau eines Trainingsgeländes im Dortmunder Vorort Brackel behilflich sein. Die entsprechenden Verträge sollen in den nächsten Tagen unterzeichnet werden. Damit könnte der BVB erstmals die entsprechende Lizenzbedingung erfüllen, die für jeden Bundesligaverein ein eigenes Trainingsgelände vorsieht.
Meier vor dem Abschied
Nicht nur bei Spielmacher Rosicky, sondern auch bei Manager Michael Meier stehen die Zeichen auf Trennung. Sein Fernbleiben bei der außerordentlichen Molsiris-Versammlung am Montag am Düsseldorfer Flughafen war sowohl ein taktischer Schachzug als auch ein Indiz für fortschreitende Entmachtung. „Wäre er erschienen, hätte man nur über seine Person diskutiert“, urteilte Aktionärsschützer Stefan ten Dornkaat. Einige Fonds-Zeichner waren mit dem Vorhaben angereist, dem Vereinsmanager und KGaA-Geschäftsführer persönlich den Rücktritt nahe zu legen. Rauball gab sich in dieser Frage zugeknüpft: „Damit muß sich der Präsidialausschuß zu gegebener Zeit auseinander setzen. Er hat einen Vertrag bis zum 30. Juni.“