13.09.2006 · Es war das bislang beste Saisonspiel. Doch der FC Chelsea war für Werder Bremen eine Nummer zu groß. Michael Ballack besiegelte die Bremer 2:0-Niederlage per Elfmeter. Und dennoch sieht Werder-Trainer Schaaf seine Mannschaft „auf einem guten Weg“.
Von Michael Horeni, LondonMit Werder hielt sich Jose Mourinho nicht lange auf. „Zwanzig Minuten waren sie besser als wir“, lobte der Trainer des FC Chelsea die Bremer nach einem verdienten und am Ende völlig ungefährdeten 2:0-Sieg. Er sprach mit Respekt von der stärksten Zeit der Deutschen nach der Pause, in der sie drauf und dran schienen, den Ausgleich zu erzielen. Miroslav Klose traf mit einem Kopfball nach gut einer Stunde jedoch nur die Latte, und weil das so war, stellte Mourinho im analytisch-lakonischen Stil des Seriensiegers fest: „Sie hatten Chancen zum 1:1, dann kam der Elfmeter. Das war's.“
Vielmehr besaß Chelsea nach dem entscheidenden Premierentreffer von Michael Ballack (65. Minute) noch einige Gelegenheiten, um höher zu gewinnen, doch das wäre auch nicht ganz in Ordnung gewesen gegen so eine starke Mannschaft, wie Mourinho feststellte. Nachdem er mit Werder fertig war, spielte der meisterhafte Trainer und Provokateur nur noch sein eigenes Spiel. Denn die Champions League soll dem englischen Meister in dieser Saison schließlich noch viel mehr bieten als nur einen routinierten Auftaktsieg gegen Bremen.
„Ich rede darüber schon seit drei Jahren“
Mourinho bastelte daher im Blick auf die weiteren Aufgaben, nicht zuletzt gegen Titelverteidiger FC Barcelona, an einer angeblichen europäischen Verschwörungstheorie gegen Chelsea - und legte sich dann zum abrupten Schluß auch noch mit der britischen Presse an. Er tat so, als redete er sich selbst in Rage. Dann stand er mitten im Satz auf und brach die Pressekonferenz ab.
Mourinho nahm die vier Gelben Karten gegen sein Team zum Anlaß, um ein bißchen sportpolitisch zu zündeln. „Ich rede darüber schon seit drei Jahren“, sagte Mourinho, ohne zu konkretisieren, ob sich seine diffusen Anschuldigungen nur gegen die Schiedsrichter oder gleich gegen die Europäische Fußball-Union als Drahtzieher richteten. Er nahm jedenfalls die Statistiken des ersten Spieltags der großen Gegner und Sieger der vergangenen Jahre zur Hand - und ob nun Barcelona, die Bayern oder Liverpool - sie alle waren bei den Verwarnungen besser weggekommen als das arme Chelsea.
„Man kann nicht neunzig Minuten Druck machen“
Zufall war das für Mourinho bei der Ferndiagnose natürlich nicht. „Ich habe mit meinen Spielern vorher darüber gesprochen, was der Unterschied zwischen einem leichten und einem schwierigen Spiel in der Champions League ist: die Gelben Karten“, sagte Mourinho. „In einem leichten Spiel bekommst du keine Gelben Karten.“ Diese Erkenntnis konnte für Werder zwar als Kompliment durchgehen, aber so war das eben nicht nur gemeint. „In der Premier League ist es sehr, sehr schwer, dafür Gelbe Karten zu bekommen“, sagte Mourinho. Mit anderen Worten: es war ein alltägliches Spiel für Chelsea, mehr nicht.
Auch Michael Ballack machte nicht den Eindruck, ob das Duell gegen Werder für ihn zu den unvergeßlichen Duellen und relevanten Bezugsgrößen gehören würde. „Man kann nicht über neunzig Minuten Druck machen, auch wir nicht“, sagte der Kapitän der Nationalmannschaft, um die ihm sehr sinnvoll erscheinende ökonomische Spielweise von Chelsea angesichts der Dauerbelastungen einer noch sehr langen Saison zu erklären.
Bremer Nachlässigkeiten in der Abwehr
Er selbst fühlt sich nach überstandener Verletzung nach der Weltmeisterschaft jetzt endlich „fit“, und er hatte im Mittelfeld der Superstars einen lange guten und mit dem Elfmetertor am Ende sogar rundum gelungenen Auftritt. „Man muß die Chancen nutzen, wenn sie kommen“, sagt der große Fußballrealist. „Das haben wir getan.“ Es reichte jedenfalls, um den Unterschied zwischen den Markenprodukten aus der Londoner Fußball-Luxusboutique und eines natürlich und solide gewachsenen hanseatischen Unternehmens deutlich zu machen.
„Man hat gesehen, daß man sich auf diesem Niveau keine Fehler erlauben darf. Aber wir sind auf einem guten Weg“, sagte Trainer Thomas Schaaf nach einem starken Bremer Auftritt, den aber zwei Schusseligkeiten entscheidend trübten. In der 24. Minute geriet Pasanen vor dem Strafraum ins Straucheln. Chelsea nutzte diesen individuellen Schwächeanfall umgehend zum 1:0 durch Essien. In der zweiten Halbzeit, in der Werder nicht nur kombinationssicher, sondern zeitweilig auch mit Entschlossenheit auf den Erfolg aus war, attackierte Fritz aber im Strafraum Drogba zu ungestüm. „Hier in England wird darüber gelacht“, sagte Schaaf über die Elfmeterentscheidung. Verteidiger Fritz allerdings, der bis auf diesen Moment einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ, gab zu, „daß man da Elfmeter geben kann“.
Klose: „Barcelona ist vielleicht noch besser“
Auch wenn die Meinungen bei den Bremern in dieser Szene auseinandergingen, über die Konsequenzen der Niederlage sind sie sich einig. Es erfordert außerordentliche Leistungen, um in der Gruppe A die nächste Runde zu erreichen. „Es ist jetzt nicht leichter geworden. Barcelona ist vielleicht sogar noch besser“, stellte Klose vor dem vielleicht schon wegweisenden Heimspiel gegen Barcelona nüchtern fest. Sie würden weiter alles versuchen, versprach Trainer Schaaf. Aber wenn man am Ende feststelle, daß es in einer Gruppe mit Chelsea und Barcelona nicht reicht, dann sei es eben so.
Die Fortschritte von Werder beim besten Saisonspiel drei Tage nach der Pokalpleite waren jedenfalls unübersehbar. Aber von Begeisterung in der Sache Werder war Klose mit seinen hohen Ansprüchen noch weit entfernt. „Wir sind auf einem guten Weg, wieder eine Mannschaft zu werden“, sagte der WM-Torschützenkönig nach der Begegnung mit der Londoner Weltauswahl nur. Sein Wunsch, in Zukunft bei einem großen europäischen Klub zu spielen, dürfte nach dem Besuch in Ballacks neuer sportlicher Heimat noch weiter gewachsen sein.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |