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Brasilien : Frauenfußball, abgewickelt

Weltfußballerin Marta: Cousine Pelés ohne Respekt im eigenen Land Bild: dapd

Brasilien ist im Vor-WM-Rausch. Doch der Frauenfußball genießt keinen Respekt. Nun wurde das beste Team abgemeldet - um ein Monatsgehalt Neymars zu sparen.

          Im Jahr 2014 findet in Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Jene der Männer, das muss an dieser Stelle ausnahmsweise einmal betont werden. In Sonntagsreden wird deshalb sicher auch in der südamerikanischen Fußballnation immer wieder beschworen, wie wichtig ein solches Turnier für die Entwicklung des Fußballs im Land und die Jugend im Besonderen ist. Und tatsächlich gibt es einen gewaltigen Fußball-Boom in der Heimat Pelés, die es seit Jahrzehnten gewohnt war, die besten Spieler zu Dutzenden gen Europa ziehen lassen zu müssen.

          Doch ein Wirtschaftsaufschwung und die Aussicht auf die WM in zwei Jahren ermöglichen es den brasilianischen Spitzenvereinen derzeit, die gesegneten Talente wieder in der Heimat zu halten. Und manch ein Auswanderer wie der brasilianische Bremer Naldo strebt dieser Tage beharrlich, wenn auch bislang erfolglos, die Rückkehr in die neuerdings sportlich wie finanziell so attraktive Heimat an.

          Neymar: Für den Jungstar opfert Santos den Frauenfußball
          Neymar: Für den Jungstar opfert Santos den Frauenfußball : Bild: dapd

          Doch nun gibt es die ersten Opfer des Fußballbooms zwischen Rio de Janeiro und São Paulo: Der FC Santos, der Klub Pelés, hat vor wenigen Tagen neben der Futsal-Mannschaft auch seine Frauenfußballabteilung geschlossen - sang- und klanglos. Dabei handelte es sich immerhin um den brasilianischen Serienmeister und das führende weibliche Team auf dem Subkontinent.

          Ein Monatsgehalt Neymars

          Der Hauptgrund, den Vereinspräsident Luis Alvaro de Oliveira Ribeiro für die Abwicklung des Frauenfußballs nannte, hörte sich dabei recht abenteuerlich an: Der Verein brauche die umgerechnet rund 400.000 Euro, die der Frauenfußball jährlich verschlungen habe, um Neymar halten zu können. Das Geld reicht indes wohl nicht einmal, um ein Monatsgehalt des weltweit umworbenen 19 Jahre alten Ballgenies zu finanzieren, dessen Vereins- und Heimattreue bis zum großen Turnier in zwei Jahren mittlerweile zu einer Angelegenheit größten nationalen Interesses geworden ist.

          Ohne Neymar kann Brasilien offenbar nicht mehr existieren. Ohne den Frauenfußball, dessen Nationalteam zur Weltspitze zählt, indes nur allzu gut. Selbst der nationale Fußballverband akzeptiert den schleichenden Niedergang offenbar recht klaglos.

          Neymar wiederum dürfte die Begründung seines Klubs etwas peinlich sein. Er zählt Marta angeblich zu seinem erweiterten Freundeskreis. Vor Weihnachten berief er die Ausnahmespielerin sogar für ein Benefizspiel in sein von Stars gespicktes Team. Künftig sind nun wohl wohltätige Veranstaltungen nötig, um den Frauenfußball im fußballverrücktesten Land zu retten.

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