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Borussia Dortmund : Leihen und sparen

„Ein, zwei, drei Hochkaräter” verkaufen Bild: dpa

Ob Borussia Dortmund ein Sanierungsfall ist oder nicht, darüber tobte der Streit im Revier in der Winterpause. Die 100-Millionen-Anleihe und die Spielerverkäufe bleiben trotz des Derbys gegen Schalke Topthema beim BVB.

          Josef Schneck, der umtriebige Leiter der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Borussia Dortmund, erlaubte sich zum Abschluß der Pressekonferenz vor dem Anpfiff zum Rückrundenauftakt einen sachdienlichen Hinweis: "Noch einmal zur Erinnerung: Freitag, 20.30 Uhr, Borussia Dortmund gegen Schalke 04 - vergessen Sie den Termin nicht."

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Tatsächlich: Es wird wieder Fußball gespielt im belebtesten Revier der Bundesliga. Doch vom größten aller deutschen Derbys war anders als sonst kaum die Rede, als sich der BVB auf den neuesten Versuch einzustimmen begann, den Ruhrgebietsnachbarn zu besiegen. Der letzte volle Erfolg für den Tabellensechsten datiert vom 14. November 1998 und ist damit für die Fans der Schwarz-Gelben eine Ewigkeit her.

          Die meisten Anhänger des BVB kamen sich während der Winterpause jedoch eher wie laufend überforderte Zuhörer einer Reihe von Bilanzpressekonferenzen vor, so heftig wurde über Themen wie Liquidität, Eigenkapital, Anleihen und andere Finanzierungsinstrumente gestritten. Ob Borussia Dortmund ein Sanierungsfall sei oder nicht, darüber tobte der Streit zwischen den Verantwortlichen des Klubs und deren journalistischen Chefkritikern, deren schärfster, ein BVB-Liebhaber par excellence, passend zur akuten Lage schon vor Jahren das Buch "Kennen Sie Borussia? 365 trickreiche Fragen für BVB-Fans" geschrieben hat.

          Kein Verein zahlt so viel

          Inzwischen hat sich der Nebel so weit gelichtet, daß auch die Offiziellen des börsennotierten Klubs und Unternehmens, voran Präsident Gerd Niebaum und Manager Michael Meier, die treue Kundschaft des Vereins auf kargere Zeiten vorbereiten. "Wir haben eine Mannschaft", sagt Niebaum, jahrelang der Protagonist einer riskanten Dortmunder Geschäftspolitik, "die für die Champions League zusammengestellt wurde. Ein weiteres Jahr ohne Champions League können wir uns mit dieser Mannschaft nicht erlauben." Deshalb kündigte der Dortmunder Wirtschaftsanwalt für diesen wahrscheinlichen Fall des Falles schon einmal den Verkauf von "ein, zwei, drei Hochkarätern" an. Darunter wird gewiß der Tscheche Tomas Rosicky sein, an dem angeblich der von den Ölmillionen des russischen Magnaten Roman Abramowitsch hochgezüchtete FC Chelsea interessiert sein soll. Vielleicht geht zum Saisonende auch der vom FC Bayern München hoch geschätzte Verteidiger Dede, möglicherweise stehen auch Torsten Frings oder Jan Koller zur Disposition.

          Vielleicht, möglicherweise. In Wirklichkeit bieten die Westfalen Spieler auf einem Markt an, dessen Mechanismen seit dem Kirch-Crash und angesichts rückläufiger Fernsehhonorare nicht mehr funktionieren. Es fehlt an potenten Abnehmern selbst für vermeintliche Stars, und da hilft den Borussen auch keine noch so freundliche Einschätzung von Analysten wie denen der HypoVereinsbank, die für die Mannschaft des BVB einen Marktwert von 130 Millionen Euro errechnet haben. Was zählt und auf die Laune drückt, ist eine andere Ziffer. 57 Millionen Euro kostet die Borussen ihr 26 Profis umfassender Kader - mehr gibt kein Verein in Deutschland für die maßlos überbewertete Arbeit seiner Balltreter aus. Nicht einmal der deutsche Meister Bayern München, der per annum rund 51 Millionen Euro an Gehältern zahlen soll.

          Dreißig bis vierzig Millionen Euro fehlen

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