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Veröffentlicht: 06.03.2013, 16:30 Uhr

Borussia Dortmund Fußball, der die Welt verändert

Um auch in Zukunft international so erfolgreich sein zu können wie in dieser Saison, muss Borussia Dortmund den Kader auf höchstem Niveau verstärken – und dabei die immense Begeisterungsfähigkeit des Teams erhalten.

von , Dortmund
© dpa Druckvoll, selbst im Torjubel: das Dortmunder Sturm- und Drang-Ensemble

Können die Dortmunder auch Europa? Vielleicht darf man noch einmal daran erinnern, dass dies die Frage war, die den deutschen Fußballmeister vor dieser Saison in die neue Spielzeit der Champions League begleitete. Im Vorjahr war die Borussia schon in der Vorrunde krachend gescheitert, und wenn man so wollte, hatte dies einen Makel auf das bemerkenswerte Spieljahr geworfen, das solche Triumphe wie das nationale Double parat gehalten hatte. So gut es ging, haben sie in Dortmund danach so getan, als sei dieses Abschneiden und die Häme darüber kein Stachel gewesen, der besonders tief gesessen hätte. Ein knappes Jahr später haben sich die Vorzeichen nun komplett ins Gegenteil verkehrt. In der Meisterschaft geht es „nur“ noch darum, den zweiten oder wenigstens den dritten Rang zu sichern und die abermalige Qualifikation für die Champions League zu garantieren, im Pokal kam das Aus gegen Bayern München.

„Wie geschnitten Brot“

Peter Penders Folgen:

Nur in der Champions League läuft es für die Borussia „wie geschnitten Brot“ (Klopp), und auch wenn sie es rund um den Borsigplatz so nicht bestätigen würden, ist die Champions League für die weitere Entwicklung des Vereins in diesem Jahr wohl der wichtigste, der entscheidende Wettbewerb. Nach dem mitreißenden 3:0 im Rückspiel gegen Schachtjor Donezk steht die Borussia erstmals seit 15 Jahren wieder im Viertelfinale und damit im internationalen Rampenlicht als einer der besten acht Klubs Europas.

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Sie können also Europa, aber das war ja schon keine Frage mehr nach dem begeisternden Gruppensieg trotz Gegnern wie Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam. Schon nach den beiden Partien gegen Madrid hatte Real-Trainer José Mourinho die Dortmunder gleich zu einem der Favoriten ausgerufen, was angesichts der Tatsache, dass Real nach der Niederlage in Dortmund im eigenen Stadion gerade noch ein Remis gerettet hatte, noch ein wenig nach Ablenkung geklungen hatte. So langsam bekommt der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp auf der internationalen Ebene aber Schwierigkeiten, alle Bewunderer der Spielkunst des deutschen Meisters noch einzufangen, und die Liste ist lang geworden.

An Abenden wie diesen gegen Donezk ist es auch schwer, sich der Anziehungskraft der Dortmunder Spielweise zu entziehen, erst recht, wenn 65.000 Zuschauer voller Begeisterung singen, klatschen, schreien oder brüllen. Reus, Lewandowski, Götze, Blaszczykowski und Gündogan scheinen mit ihrer unbändigen Spielfreude dann in der Lage, jede Abwehr aus den Angeln zu heben. „Wir können nicht an jedem Tag den Fußball spielen, der die Welt verändert. Aber manchmal eben schon“, sagte Klopp. Das ist nicht die schlechteste Voraussetzung für die nächsten Wochen.

© F.A.Z., Impire AG 3D-Video: Das Götze-Tor sichert Dortmund das Viertelfinale

Auf lange Sicht aber war der Abend vielleicht sogar von größerer Bedeutung. Am Sonntag hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke angekündigt, dass der Verein im Sommer gehörig investieren werde, um sich in der Spitze und in der Breite deutlich zu verbessern. Der Einzug in das Viertelfinale signalisiert jedem potentiell interessanten Spieler, dass dieser Klub nicht nur seine Heimspiele im vermutlich stimmungsvollsten Stadion Europas bestreitet, sondern dass er auch international ein Wörtchen mitreden kann und will. Rund 45 Millionen Euro haben die Borussen in dieser Saison in der Champions League bislang eingenommen. Sinnvoll eingesetzt, ergeben sich daraus eine ganze Menge Entwicklungsmöglichkeiten, unabhängig davon, ob Robert Lewandowski im Sommer für eine zweistellige Millionensumme den Verein verlässt oder erst ein Jahr darauf ablösefrei wechselt.

Signale eines glorreichen Abends

„Unser Weg ist noch nicht zu Ende“, sagte Klopp, dem der Stolz über das Erreichte selten so deutlich anzumerken war wie am Dienstagabend. Auf die aktuelle Situation war diese Bemerkung dabei wohl kaum gemünzt - der Dortmunder Trainer weiß ganz genau, wie lang die Halbwertzeit solcher Prognosen über die aktuellen Chancen der Borussia sein können. „Alle Mannschaften, die in der Champions League das Viertel- oder Halbfinale erreichen, haben vorher überragend gespielt, sonst wären sie ja nicht so weit gekommen. Und deshalb heißt das nichts für die jeweils nächste Runde.“ Die Zukunft für die Borussia aber soll so gestaltet werden, dass Erfolge dieser Art wahrscheinlicher werden, und dafür gingen von diesem Abend einige Signale aus.

Noch immer ist der Kader auf höchstem Niveau vergleichsweise dünn gestrickt, was die fehlende Konstanz in der Bundesliga in dieser Saison teilweise erklärt. „Als Trainer kannst du dich an so einem Abend meistens nur ganz kurz freuen“, sagte Klopp. Die kurze Bestandsaufnahme nach der famosen Partie sorgte dafür, dass die Bodenhaftung auf die Schnelle nicht verloren ging: Sven Bender, in der ersten Halbzeit herausragend unterwegs im defensiven Mittelfeld, wurde verletzt ausgewechselt, für ihn quälte sich Kapitän Kehl mit angeknackster Rippe über die Runde. Bei beiden ist der Einsatz am Wochenende im Derby beim FC Schalke fraglich.

Bild Dortmund 2 © AP/dpa Vergrößern Famoser Schlusspunkt: Schachtjor-Verteidiger Kucher kommt nach dem Schuss von Blaszczykowski zu spät

„Das sind unsere Probleme, und wir haben jede Woche andere“, sagt Klopp. Um sie zu lösen, braucht die Borussia eine höhere Qualität im Kader. Spannend wird sein, wie der Verein diese wegweisenden Entscheidungen angehen wird und den Spagat bewältigt, große Erfolge anzustreben, die Personalkosten nicht durch die Decke schießen zu lassen und die eigene neue Identität nicht zu verlieren. Junge Spieler waren in den vergangenen Jahren gut beraten, nach Dortmund zu wechseln, weil sich dort einiges an Entwicklungsmöglichkeit auftat. Hochtalentierte Akteure wie Moritz Leitner oder Leonardo Bittencourt aber hatten schon in diesem Jahr kaum Chancen, über eine Nebenrolle hinaus zu kommen und werden aufmerksam schauen, wohin der Weg der Borussia langfristig führt, wenn ihr doch schon kurzfristig alles zugetraut wird. Vor allem wohl wegen der immensen Begeisterungsfähigkeit der Mannschaft, was bei aller spielerischen Klasse schon ausschlaggebend für die beiden Meistertitel war. Das zu bewahren, wird die große Kunst sein.

Quelle: F.A.Z.

 

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