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Borussia Dortmund Dem Sieg auf dem Platz folgt der höchste Verlust in der Bilanz

21.09.2005 ·  Die Borussia Dortmund Kapitalgesellschaft auf Aktien hat den höchsten Verlust bekanntgegeben, den jemals ein Unternehmen der Bundesliga eingefahren hat. Der börsennotierte Konzern schließt das Geschäftsjahr mit einem Minus von fast achtzig Millionen Euro ab.

Von Richard Leipold
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Die Südtribüne skandierte den Namen des wichtigsten Protagonisten dieses Abends. Nach dem 2:0 über Arminia Bielefeld war Jan Koller der gefeierte Mann. Auch wenn er Borussia Dortmund auf eigenen Wunsch zum Ende der Saison verlassen wird, arbeitet er weiter mit Freude für den Revierklub, der wirtschaftlich tief gefallen ist und sportlich den Weg aus dem Mittelmaß sucht. Er werde versuchen, den BVB "möglichst in den Uefa-Cup zu schießen, das ist eine zusätzliche Motivation für mich", sagte der tschechische Nationalstürmer, der in Ebi Smolarek einen treffsicheren Mitstreiter und Nebenmann hatte.

Wie sehr Kollers Tore für den erhofften Einzug in einen internationalen Wettbewerb gebraucht werden, zeigte sich am Tag nach dem Fußballspiel. Am Mittwoch gab die Kapitalgesellschaft auf Aktien, die den Klub ummantelt, den höchsten Verlust bekannt, den jemals ein Unternehmen der Bundesliga eingefahren hat. Der börsennotierte Konzern Borussia Dortmund schließt das Geschäftsjahr zum Stichtag 30. Juni 2005 mit einem Verlust von fast achtzig Millionen Euro ab. Im Jahr zuvor lag der Fehlbetrag bei 67,7 Millionen Euro.

„Der Verein ist unzerstörbar“

Diesen Verlust will die neue Geschäftsführung, unterstützt von einem Unternehmensberater, um siebzig Millionen Euro senken. "Wir müssen sparen, wo es nur geht. Die Personalkosten werden weiterhin sinken", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Transfererlöse, etwa für den Mittelfeldstrategen Tomas Rosicky, seien in dieser Rechnung nicht enthalten. Das Gehaltsvolumen der Lizenzspielerabteilung werde von 37 Millionen auf 26,7 Millionen Euro zurückgeführt. Auch Verwaltungskosten, Abschreibungen und Rückstellungen gingen zurück.

Auf der Erlösseite rechne der BVB mit einer Steigerung, auch ohne Einnahmen aus den internationalen Wettbewerben, die der Klub in diesem Sommer abermals verpaßt hat. "Wir werden die Namensrechte vermarkten", sagt Watzke. Das Unternehmen sei sich noch nicht mit einem konkreten Partner einig, "aber wir sind mit einigen Interessenten in Gesprächen". Watzke glaubt weiter an die Wirtschaftskraft der Marke Borussia Dortmund. "Wir haben gesehen, daß der Verein unzerstörbar ist. Das zeigen schon die hohen Zuschauerzahlen in unserem Stadion." Selbst mitten in der Woche gegen Bielefeld kamen mehr als 62.000 Menschen.

Hoffen auf den Uefa-Cup

Die Geschäftsführung hat in ihrem Jahresabschluß vorgesehen, zur Deckung des Verlustvortrags von 74,6 Millionen Euro und des Jahresfehlbetrages 2004/2005 die Kapitalrücklagen von gut 150 Millionen Euro in voller Höhe aufzulösen. Der dann verbleibende Bilanzverlust von 3,8 Millionen Euro zum 30. Juni dieses Jahres werde auf neue Rechnung vorgetragen. Trotz der prekären wirtschaftlichen Lage sieht Watzke den BVB "nicht auf dem Weg zur grauen Maus".

Der Klub wolle, ähnlich wie in den vergangenen Jahren Werder Bremen, mit kluger Personalpolitik den Absturz ins Mittelmaß verhindern. "Neue Schulden zu machen, wäre jedoch lächerlich", sagt der Geschäftsführer. Auch Watzke hofft jedoch, außerordentliche Erlöse erzielen zu können. "Die Qualifikation für den Uefa-Pokalwettbewerb der nächsten Saison habe ich weiter auf dem Schirm."

„Haben aus der Vergangenheit gelernt

Neben der Wechselwirkung von sportlichen und wirtschaftlichen Kennzahlen beschäftigt Watzke die von der Fanabteilung geforderte Strukturreform des eingetragenen Fußballvereins Borussia Dortmund. Die Basis verlangt die strikte personelle Trennung zwischen der Geschäftsführung der Kommanditgesellschaft und dem Vorstand des Vereins. Dies sei die Lehre aus der Ära Niebaum/Meier. "Wir wollen nie wieder erleben, daß die Geschäftsführer wieder im Vorstand des Vereins sitzen", sagte der Vorsitzende der Fanabteilung, Reinhard Beck, der F.A.Z.. "Aber es geht nicht um die Person Watzke. Er macht einen guten Job." Niemand aus der Fan-Abteilung wolle Watzke mit Niebaum oder Meier vergleichen. "Das verbietet sich, das wäre unfair." Die Basis wolle nur sicherstellen, daß das System Niebaum juristisch keine Chance mehr habe. "Wir haben aus der Vergangenheit gelernt."

Geschäftsführer Watzke kündigte am Mittwoch an, er werde sein Amt als Schatzmeister des Vereins auf der Mitgliederversammlung am 20. November zur Verfügung stellen. Er gebe sein Amt ab, "um freier gegen die geplante Änderung argumentieren zu können", die er "für einen strategischen Fehler halte", sagt er. "Ich werde weiter gegen solche fundamentalistischen Ansätze werben, um so mehr, als mir jetzt keine persönlichen Motive wie das Streben nach Ämterhäufung und Machtkonzentration mehr unterstellt werden können." Bei Borussia Dortmund bleibt es spannend - sportlich, wirtschaftlich und rechtlich.

Quelle: F.A.Z. vom 21. September 2001
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