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Blatter wiedergewählt Krönungsmesse für den Fußball-Prediger

31.05.2007 ·  Joseph S. Blatter gehört zu den einflussreichsten Männern der Sportwelt - und auch zu den umstrittensten. Nun ist der 71 Jahre alte Schweizer per Akklamation in seinem Amt als Präsident des Fußball-Weltverbandes bestätigt worden und tritt eine bis 2011 befristete dritte Amtszeit an.

Von Roland Zorn, Zürich
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1998 und 2002 musste er hart kämpfen: gegen Vorwürfe, Vorurteile, Vorverurteilung und gegen viele Widersacher bis hinein in die Administration des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa). Damals umwitterten die Kampagnen und Wahlsiege des Joseph Blatter auch hässliche Attribute wie Korruption, Misswirtschaft oder Amtsmissbrauch.

Der 71 Jahre alte Schweizer hat sich gegen alle Anschuldigungen behauptet und dabei seine Macht als Präsident der Fifa derart zementiert, dass seine dritte Wahl an die Spitze des nach dem Internationalen Olympischen Komitee größten Sportverbandes der Welt zum Alleingang, zum Heimspiel wurde. Ein Gegenkandidat fand sich nach den vor neun und fünf Jahren mehr oder weniger deutlich besiegten Lennart Johansson und Issa Hayatou diesmal nicht mehr.

Traum vom Friedensnobelpreis

In Zürich, der Stadt, in der Blatter das Milliardengeschäft der Fifa führt, triumphierte er am Donnerstag, nachdem ihn die stimmberechtigten Delegierten des 57. Fifa-Kongresses aus 205 der inzwischen 208 Verbände - Montenegro kam nun hinzu - um 14.05 Uhr per Akklamation für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigten. „Ich bin sehr glücklich, ich bin sehr stolz und werde alle meine Kraft für vier starke Jahre im Dienst des Fußballs einsetzen“, dankte der alte und neue Präsident seinen Wählern.

Die Krönungsmesse für Blatter gab dem jahrelang vor allem ob seines Trickreichtums und seiner Hemdsärmeligkeit gerühmten oder gefürchteten Dynamiker mit dem rundlichen Profil des Lebens- und Machtgenießers endlich die Gelegenheit, die Niederungen auch des höchsten Funktionärsdaseins zu verlassen. Der gegen Widerstand und Opponenten mit harten Bandagen kämpfende Blatter, der davon träumen soll, eines Tages mit dem Friedensnobelpreis dekoriert zu werden, durfte endlich die Boxhandschuhe abstreifen und seine globalen Sehnsüchte artikulieren.

„Fußball gegen die Teufel verteidigen“

„Wir sind an einem Scheideweg angelangt“, rief er den harmonieseligen Delegierten im Zürcher Hallenstadion zu, „der Fußball muss sein menschliches Antlitz bewahren. Der Fußball kann einen Beitrag zur Integration der Völker leisten.“ Blatter will sich und seine „vereinte Familie“ mit 260 Millionen aktiven Spielern und Spielerinnen dazu bringen, ihrer „gesellschaftlichen Verantwortung“ gerecht zu werden. „Wir wollen“, hatte der Präsident schon am Mittwoch bei der Eröffnung des Kongresses gesagt, „die Welt mit unserer Botschaft berühren, und diese Botschaft lautet Glaube, Liebe, Hoffnung“. Dass Blatters Lehrsätze oft genug auf dem Gemeinplatz formuliert werden, stört den schlauen Schweizer nicht weiter. Ihm geht es in seiner vielleicht letzten Amtszeit vor allem darum, die Autonomie seines Sports gegenüber abtrünnigen Gruppierungen (G14), Gerichten und Politikern abzusichern und dem Fußball eine Stimme der Moral zu geben, die jenseits des sportlichen Tagesgeschäfts gehört oder erhört wird.

Nach innen gerichtet, erhob der Fußball-Prediger und neue Gutmensch aus Zürich deshalb auch pflichtschuldigst den Zeigefinger: „Es geht vor allem darum, dass wir die Werte des Fußballs gegen die Teufel verteidigen, die es auch in unserem Sport gibt: Doping, Korruption, Betrug, Gewalt, Rassismus.“ Diese und viele andere Probleme werden auch die neu installierte Strategiekommission der Fifa beschäftigen, in der alle wesentlichen Teilhaber des Fußballs vertreten sein sollen.

Beckenbauer löst „MV“ ab

Blatter konnte am Donnerstag aus einer Position beeindruckender wirtschaftlicher Stärke reden. Schließlich beruht das Pfund, mit dem die Fifa bei all ihren sportlichen und Entwicklungsprojekten wuchern kann, auf einem Eigenkapital von 456 Millionen Euro zum 31. Dezember 2006. Ein stolzer Besitz, verglichen mit den 9,1 Millionen Euro an Verbindlichkeiten, welche die Fifa zum 1. Januar 2003 auswies. Zwei Milliarden Euro hat der mit starken Wirtschaftspartnern kooperierende und Megafernsehverträgen ausgestattete Weltverband seitdem umgesetzt - und dabei das ganz große Geschäft bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gemacht.

Zwei Deutsche lösten sich bei diesem Fifa-Kongress in Blatters Regierung ab. Franz Beckenbauer, Weltmeister als Spieler und Trainer sowie weltmeisterlicher Organisator der WM 2006, rückt mit der konstituierenden Sitzung an diesem Freitag ins Blatter-Kabinett auf und freute sich en passant über die neue Ehre. „Schau'n wir mal, was es für mich zu tun gibt.“ Beckenbauer soll Blatters Botschafter in den ärmsten Gegenden der Welt werden, was er selbst immer wollte, und dazu die Fifa-Fußballkommission anführen.

Gerhard Mayer-Vorfelder, elf Jahre lang ein treuer Wegbegleiter Blatters in der Fifa-Exekutive, hatte sich tags zuvor unter Tränen verabschiedet - mit einer großen Urkunde und einem schönen Trostpreis von den Delegierten: Der Fifa-Boss ernannte den 74 Jahre alten Stuttgarter, der auch in Zukunft in die eine oder andere Kommission eingebunden werden soll, zum Ehrenmitglied des Verbandes - so wie er zwei seiner jahrelang größten Widersacher, die ebenfalls scheidenden Johansson und David Will, zu Ehrenvizepräsidenten ernannte. Gerührte Mienen, Umarmungen und der Versuch von Bruderküssen: wundersame Welt des Fußballs. Oder, wie Blatter am Donnerstag sagte: „Man muss die seltenen Momente der Einigkeit genießen. Wer weiß, wie lange sie anhalten.“

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