Home
http://www.faz.net/-gtm-qdho
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Freitag, 10. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Birgit Prinz im Interview „Ich habe nicht den Anspruch, perfekt zu sein“

06.06.2005 ·  Birgit Prinz, die „Weltfußballerin des Jahres“, im F.A.Z.-Interview über ihre Karriere und die deutschen Chancen bei der Frauenfußball-EM in England.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Birgit Prinz, die „Weltfußballerin des Jahres“, im F.A.Z.-Interview über ihre Karriere und die deutschen Chancen bei der Frauenfußball-EM in England. An diesem Montag (19.00 Uhr) tritt die deutsche Auswahl gegen Norwegen an.

26. März 1995... Sagt Ihnen dieses Datum noch etwas?

Spontan wäre mir dazu nichts eingefallen, aber vor dem Hintergrund, daß die Europameisterschaft in England unmittelbar bevorsteht, vermute ich, daß an diesem Datum das EM-Endspiel in Kaiserslautern stattfand.

Genau. Deutschland gewann 3:1 gegen Schweden. Sie, damals erst 17 Jahre alt, wurden eingewechselt und schossen das wichtige 2:1. Das war der Beginn des Medien-Rummels, den Sie nicht sonderlich mögen. Haben Sie sich seither manchmal gewünscht: Hätte doch nicht ich, sondern eine Kollegin dieses Tor erzielt?

Nein, das habe ich mir nie gewünscht. Dennoch hatte ich seinerzeit das Gefühl, daß die Medien ungerecht sind. Ich habe es nicht verstanden, warum ich so in den Blickpunkt gerückt wurde wegen dieses einen Tores, da waren schließlich noch andere, die schon ewig in der Nationalmannschaft gespielt und dort gute Leistungen gebracht hatten. Mittlerweile weiß ich, wie die Medien funktionieren.

Zehn Jahre später sind Sie Weltfußballerin des Jahres, Sie wurden Welt- und Europameisterin, gelten als beste Spielerin der Welt, gewannen zahlreiche deutsche Meister- und Pokaltitel mit dem 1. FFC Frankfurt, auch den Uefa-Cup. Kaum zu glauben diese Entwicklung, oder?

Ja, da muß viel zusammenkommen. Ich hatte immer das Privileg, in guten Mannschaften spielen zu dürfen. Außerdem bin ich stets auf Positionen eingesetzt worden, auf denen ich meine Stärken hatte. Dann gehört natürlich auch dazu, im richtigen Moment das Glück auf seiner Seite zu haben. Aber ich glaube, ich kann auch sagen, daß ich viel investiert habe, um das alles zu erreichen.

Wie hat sich der Frauenfußball in diesen zehn Jahren verändert?

Sportlich gesehen, sind die Spielerinnen sowohl athletischer und schneller geworden als auch technisch besser ausgebildet. Heute spielen mehr Mannschaften auf hohem Niveau. Auch im außersportlichen Bereich geht es voran. Gerade nach unserem WM-Sieg 2003 hat sich im Medien- und Marketing-Bereich einiges getan.

Sie haben Heidi Mohr, die - bis Sie kamen - beste deutsche Stürmerin, in der Torjägerliste eingeholt. Bei der EM, die für Sie an diesem Montag mit dem Spiel gegen Norwegen beginnt, werden Sie sie wohl überholen. Ist das für Sie eine Ehre?

Das ist zwar schön, aber so etwas nehme ich eher am Rande wahr. Die erfolgreichste Torschützin der Frauen-Nationalmannschaft zu werden, war kein formuliertes Ziel von mir.

Sie sagen immer, daß Sie sich nicht über Tore und Titel definieren. Sie wollen nur so gut wie möglich spielen. Was ist denn für Sie ein perfektes Spiel? Oder anders gefragt: Wann ist Birgit Prinz mit Birgit Prinz richtig zufrieden?

Ich habe nicht den Anspruch an mich, perfekt zu sein. Von daher ist es für mich auch leichter, zufrieden mit mir selbst zu sein. Das bin ich zum Beispiel, wenn ein Spiel gut läuft, wenn ich in die Partie integriert bin, wenn meine Pässe ankommen, wenn ich die Zweikämpfe gewinne, wenn ich meine Torchancen nutze.

Was spricht für einen deutschen Triumph bei der EM?

Ganz einfach: Wir haben eine gute Mannschaft, die auch selbstbewußt ist.

Das erste Spiel gegen Norwegen... Ein harter Prüfstein?

Auf jeden Fall! Die Norwegerinnen gehören schon seit Jahren zur Weltspitze. Daß sie im vergangenen Jahr bei Olympia nicht dabei waren, hat sie sehr gewurmt. Daraus werden sie jedoch die Motivation für dieses Turnier ziehen.

Wie tief sitzt denn noch Ihre Enttäuschung über das verlorene Pokal-Finale vor einer Woche, in dem Ihr Team gegen Turbine Potsdam 0:3 unterlag? Sie waren den Tränen nahe, als Sie verletzt ausgewechselt wurden...

Das Finale um den DFB-Pokal ist eines der wichtigsten Spiele, die man in einer Saison haben kann, da ist es doch nur logisch, daß man nicht freudestrahlend vom Platz geht, wenn man verletzt ausscheidet. Aber Berlin ist längst abgehakt. Jetzt zählt die EM.

Die Finalgegner Potsdam und Frankfurt verbindet nicht gerade eine innige Freundschaft, sondern eine große Rivalität. Vor und nach dem Endspiel gab es Sticheleien aus Potsdam. In England bilden Spielerinnen beider Teams nun das Gros der Nationalelf. Wie soll das gutgehen?

Ich teile mir schon seit über vier Jahren bei Maßnahmen der Nationalmannschaft das Zimmer mit Ariane Hingst von Turbine Potsdam. Daran hat sich auch jetzt bei der EM nichts geändert. Wir verstehen uns blendend. Ich bin auch der Meinung, daß die Spielerinnen zwischen Verein und Nationalmannschaft differenzieren können. Zumal es auch nie persönliche Probleme oder Sticheleien zwischen Spielerinnen gab. Und grundsätzlich finde ich, daß es in den Vereinen Konkurrenz geben muß.

Bundestrainerin Tina Theune-Meyer macht nach der EM Schluß, und Silvia Neid kommt. Was hat der deutsche Frauenfußball Tina Theune-Meyer zu verdanken?

Viel. Ihre Titelsammlung sagt alles über ihre Verdienste aus. Sie hat sich mit Leib und Seele dem Frauenfußball verschrieben. Sie ist immer perfekt vorbereitet, nicht nur bei der WM hat sie Nächte damit verbracht, die Gegner auf Video zu studieren. Sie hat sich jeden Titel erarbeitet.

Und was können wir von Silvia Neid erwarten? Was unterscheidet sie von Tina Theune-Meyer?

Ich hoffe, daß wir unter Silvia Neid weiter guten und erfolgreichen Fußball spielen werden. Sie wird bestimmt ihre eigene Note einbringen, ist ein anderer Typ als Tina, sie ist viel impulsiver. Was sie jedoch mit Tina verbindet, ist, daß beide absolute Fachfrauen sind.

Die Fragen stellte Volker Stumpe.

Quelle: F.A.Z., 06.06.2005, Nr. 128 / Seite 24
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Umfrage

Wer wird deutscher Meister?

19588 Stimmen wurden abgegeben.

27%
Im Zweifel gewinnt der Rekordmeister: Bayern München
46%
Der Jugendstil setzt sich durch: Borussia Dortmund
11%
Der Meister der Herzen ist endlich dran: FC Schalke 04
16%
Die Renaissance der Fohlenelf überrascht alle: Borussia Mönchengladbach
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   20  31   43 Verbesserung zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   20  33   41 Verschlechterung zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   20  21   41 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   20  19   40 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   20  -1   32 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   20  1   31 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   20  -2   30 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   20  -2   24 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   20  -11   24 Verbesserung zur Vorwoche
10.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   20  -12   24 Verschlechterung zur Vorwoche
11.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   20  -2   23 Verschlechterung zur Vorwoche
12.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   20  -9   23 Verschlechterung zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   20  -6   22 Verschlechterung zur Vorwoche
14.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   20  -12   21 Verschlechterung zur Vorwoche
15.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   20  -6   20 Gleichheit zur Vorwoche
16.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   20  -9   18 Gleichheit zur Vorwoche
17.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   20  -14   17 Gleichheit zur Vorwoche
18.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   20  -19   17 Gleichheit zur Vorwoche

Zeit für Bekenntnisse

Von Rainer Seele

Kein Schlussstrich unter der Akte Ullrich: Der ehemalige Radprofi ist in seiner eigenen, eigenartigen Welt gefangen. Jetzt steht er offiziell als Dopingsünder da. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik